Konstanz zeigt Ausstellung „Ewige Steine“ im Richentalsaal

Schwerste Ausstellung der letzten Jahrzehnte – Steinbildwerke erzählen Konstanzer Geschichte

Konstanz. Das Konstanzer Rosgartenmuseum zeigt Steinbildwerke aus dem  spätmittelalterlichen Konstanz. Die Ausstellung trägt den Titel „Ewige Steine“. Sie wiegt vier Tonnen. Die steinernen Fundstücke erzählen Konstanzer Stadtgeschichte. Das schwerste der etwa 30 bis 40 steinernen Exponate wiegt 800 Kilo und das spektakulärste dürfte die Spitze des Münsterturms sein, die beim Erdbeben von 1911 herunterfiel.

Graue Steine vor grellen Farben

Wer die Ausstellung im Richentalsaal betritt, begegnet stillen, grauen Steinen, gotischen Wasserspeiern, allegorischen Köpfen, einem Säulenkapitell und geheimnisumwitterten Grabmalen. Kurator Peter Wollkopf und Münsterbaumeister Alois Arnold haben die Steine so ausgewählt, dass sie Menschen im 21. Jahrhundert noch spannende Geschichten erzählen können. Die „Ewigen Steine“ stehen vor grellem, farbigen Hintergrund. Eine Agentur hat die Schau gewollt kontrastreich inszeniert – sie ist für ein anderes Projekt gerade mit dem „red dot award“, dem Oscar für Design, ausgezeichnet worden. All das ist nicht sonderlich überraschend: Tobias Engelsing, Direktor der Städtischen Museen, hat ein Händchen dafür, Geschichte so auszustellen, dass sie Besucher fesselt.

Steinerne Monumente erzählen Stadtgeschichte

110.000 Euro hat die Ausstellung gekostet. Einen dicken Batzen Geld hat sich Engelsing von Sponsoren besorgt. Sonst könnte er solche Ausstellungen gar nicht zeigen, was schade wäre, weil sie die Konstanzer Stadtgeschichte beleuchten. Engelsing sagt, er wolle auch junges Publikum für die „Ewigen Steine“ begeistern. Ganz leicht ist nicht. „Die schwerste Ausstellung seit Jahren“, flachst Tobias Engelsing bei der Vorbesichtigung der Schau, die am Freitag, 15. April, öffnet und einen Tag später auch dem Publikum zugänglich ist.

Start ins Konziljubiläum

Der Museumsdirektor schwärmt von all den steinernen Überbleibseln und Fundstücken, die im Kulturzentrum im Haus Zur Katz zu sehen sind. Und dann stellt er sie doch noch, die Frage nach dem Warum. Warum in diesem Jahr ausgerechnet graue, bröckelnde Steine? Eine Antwort lautet, weil es einen großen Fundus gibt – im Rosgartenmuseum und in der Münsterbauhütte. Eine zweite Antwort wäre, weil es Engelsing drei Jahre vor Beginn des Konziljubiläums an der Zeit findet, in diesen ferneren Teil der Konstanzer Geschichte einzutauchen. Der Museumsdirektor ist der Überzeugung, dass viele Konstanzer über die Zeit im 15. Jahrhundert nicht viel mehr wissen als, dass Jan Hus verbrannt worden ist und die Konstanzer während des Konzils 6000 Gäste beherbergten und verköstigten. Nebenbei erwähnt Engelsing auch gleich noch, dass er zusammen mit dem Archäologischen Landesmuseum schon eine Ausstellung plant, in der er zeigen möchte wie die der damalige Alltag der Stadt funktionierte.

Ludwig Leiners Handkarren

Zur Stadtbefestigung gehörten vom 13. bis 15. Jahrhundert 27 Türme und Tore. Heute stehen nur noch der Rheintorturm, der Pulverturm und der Schnetztorturm. In den 30-er bis 50-er Jahren des 19. Jahrhunderts haben die Konstanzer beschlossen, ihre Stadtmauern und Türme abzubauen. Die Stadt hat sich von ihrer mittelalterlichen Bausubstanz befreit. Das passierte, weil Konstanz am Unterhalt sparen wollte und auch, weil das Mittelalter finster, düster und unfrei war und nicht zum Aufbruch passte. Engelsing sagt, Gebäude seien „geschleift“ worden. An alten Patrizierhäusern seien Verzierungen abgebaut worden. Ludwig Leiner, der spätere Gründer des Rosgartenmuseums, sei Mitte des 19. Jahrhunderts mit dem Handwagen durch die Stadt gefahren und habe steinerne Zeugnisse gesammelt. Er rettete Arkadenbögen, Maßwerkfenster oder figürliche Bauplastiken. Auch der Badische Staat habe sich, wie Engelsing anmerkt, um die Bausubstanz gekümmert – ab 1846/1850 begann die Generalsanierung des Münsters. In Spitzenzeiten waren bis zu 27 Steinmetze beschäftigt.

Ein Teil der historischen Steine und Relikte vergangener Zeiten sind nun erstmals in einer Ausstellung zu sehen.

Öffnungszeiten

Ewige Steine: 16. April bis 30. Dezember 2011, dienstags bis freitags 10 bis 18 Uhr, sonn- und feiertags 10 bis 17 Uhr, montags geschlossen.

 

Bilder

Kopf eines Königs; Der Kopf hat ein Gesicht in stark plastischer Form und trägt auf dem gewellten Haar ein Krone; 15. Jahrhundert?; Ausgegraben im Keller des Hauses Salmannsweilergasse 34; Sandstein, H: ca. 33 cm; Rosgartenmuseum; Inv.Nr. S 28

Konsole; Darstellung eines Bischofs (hl. Augustinus?) und zwei kniend betende Mönche zu beiden Seiten; 15. Jahrhundert; Aus dem ehemaligen Augustinerkloster; Sandstein; H: 39,5 cm, B: 53,5 cm, T: 51,5 cm; Rosgartenmuseum; Inv.Nr. S 162

Sponsoren

Rotary-Hilfe Konstanz Rheintor e.V., Erzbischof Hermann Stiftung, Schwarz Außenwerbung, Sparkasse Bodensee, Gesellschaft der Freunde des Rosgartenmuseums e.V.. Das Rosgartenmuseum hat einen Ausstellungsetat von 120.000 Euro. Die beiden Ausstellungen, die in diesem Jahr zu sehen sind, die Ausstellung „Ewige Steine“ und die Sommerausstellung kosten 110.000 Euro und 60.000 Euro.

Foto: Kurator Peter Wollkopf, Museumsdirektor Tobias Engelsing und Münsterbaumeister Alois Arnold vor der Figur des „Metzgerle“ um 1600; Figur stand ursprünglich auf dem Brunnen vor der großen Metzig auf der Marktstätte, danach im Haus „Zum Rosgarten“, im Schlachthaus und seit 1924 im Rosgartenmuseum.

 

 

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