Konstanzer Algorithmen: Wie viel Sex und Horror verträgt das Kind?

Informatiker der Uni Konstanz erfinden neue Software zur Altersempfehlung für Bücher

Konstanz. Konstanzer Wissenschaftler haben ein Computerprogramm entwickelt, das Eltern bei der altersgerechten Auswahl von Büchern für ihre Kinder unterstützt. Anhand von Algorithmen werden die Erzählungen nach verschiedenen Kategorien analysiert und in schematischen Darstellungen visualisiert. Heraus kommen individuell passende Buchtipps.

Nicht alle Kinder sind gleich

Während Altersempfehlungen bisher durch Verlage und Buchhändler nach für den Nutzer nicht nachvollziehbaren Kriterien erstellt werden, ermöglicht die neue Software „Age Suitability“ eine transparente und individuelle Einstufung der Lektüre. „Kinder sind unterschiedlich sensibel. Zwei Kinder im gleichen Alter können bereits mit ganz unterschiedlichen Themen vertraut sein. Eine allgemeingültige Altersempfehlung ist daher prinzipiell schwierig, wie beispielsweise auch die Diskussion um eine Altersbeschränkung für die Harry Potter-Bücher in den letzten Jahren gezeigt hat“ erläutert Johannes Fuchs, der das Programm im Zuge seiner Masterarbeit entwickelt hat und heute an der Universität Konstanz zu Datenanalyse und Datenvisualisierung promoviert. Ziel der Software ist, den Interessenten einen raschen und umfassenden Überblick über die Erzählung zu geben, damit diese selbst einschätzen und entscheiden können, ob das Buch für ihre Schutzbefohlenen geeignet ist.

Wie viel Sex und Horror Kinder mögen

Dafür haben die Konstanzer Informatiker Johannes Fuchs und Franz Wanner einen Kriterienkatalog zusammengestellt, der die wichtigsten Aspekte für eine Altersempfehlung widerspiegelt. Das Programm analysiert eingespeiste Texte nach Fragen der Komplexität der Handlung, positiven und negativen Emotionen, Verständlichkeit der Sprache oder den angesprochenen Themenbereichen. So werden beispielsweise für eine Ermittlung der Schwierigkeit der Handlung einzelne handelnde Akteure bestimmt, damit anschließend analysiert werden kann, wie oft und an welchen Stellen die Figuren agieren. Das Ergebnis wird illustriert und in einem Diagramm für den Nutzer nachvollziehbar. Auch Themenauswahl und Gewichtung werden anhand von Algorithmen durch die Software berechnet, so dass sich die Nutzer des Programms durch die verschiedenen Schemata informieren können, ob und wie oft Kategorien wie Krieg und Verbrechen, Sexualität oder Horror in dem untersuchten Buch auftauchen. Dabei ist „Age Suitability“ vollständig interaktiv, je nach Interessenlage können die Nutzer sich bis in die kleinsten Details der Emotionen durchklicken oder mit einer Durchsicht der zentralen Diagramme einen raschen Überblick gewinnen.

Foto: Michael Latz Uni Konstanz

 

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