Konstanzer Doktorand Kalim forschte über neue Heilmethode für autoimmune Krankheiten

Hoffnung für Patienten mit Autoimmunerkrankungen – Konstanzer Wissenschaftler betreiben Grundlagenforschung

Konstanz. Ein Konstanzer Doktorand hat mit seiner Forschung die Grundlagen für die Heilung von autoimmunen Erkrankungen geschaffen. Profitieren von den Ergebnissen der wissenschaftlichen Arbeit könnten Patienten, die an Krankheiten wie Arthritis und entzündlicher Darmerkrankung oder Multiple Sklerose erkrankt sind. Mit der Methode könnten Autoimmunkrankheiten bekämpft werden, ohne das Immunsystem komplett herunterzufahren. Der junge Forscher Khalid Wasim Kalim stammt aus Indien und ist Mitglied der Konstanzer Graduiertenschule Chemische Biologie.

Heilmethode autoimmune Krankheiten

Ganz genaues Hinsehen bis in die atomare Ebene hinein, um physiologische Prozesse in den molekularen Grundlagen der Zelle zu erfassen: Die Forschung des Konstanzer Doktoranden Khalid Wasim Kalim steht beispielhaft für diesen Leitgedanken der Konstanzer Graduiertenschule Chemische Biologie. Kalim erschloss in seiner Forschungsarbeit die Grundlagen für eine mögliche Heilmethode autoimmuner Krankheiten, die mit größerer Präzision die Ursachen von Autoimmunerkrankungen aushebelt als bisherige Medikamente, daher schonender für den Organismus ist und voraussichtlich weniger Nebenwirkungen nach sich ziehen wird. Dies betrifft Krankheiten wie Arthritis und die entzündliche Darmerkrankung, aber auch Multiple Sklerose.

Nature Medicine veröffentlicht Forschungsergebnisse

Kalims Forschungsergebnisse wurden in der renommierten Zeitschrift Nature Medicine veröffentlicht und eine weitere Veröffentlichung ist eingereicht. Seine Grundlagenforschung dient als Basis für die Entwicklung eines zukünftigen Medikaments gegen Autoimmunerkrankungen.

Immunproteasom im Fokus

Kalim ergründet in der Arbeitsgruppe des Konstanzer Immunologen Prof. Dr. Marcus Groettrup die Funktion und die Wechselwirkungen des so genannten Immunproteasoms – eines Enzymkomplexes, der für die Entstehung von Antigenen im menschlichen Körper zuständig ist und somit einen Pfeiler in der Immunabwehr des Körpers darstellt. Groettrups Arbeitsgruppe identifizierte das Immunproteasom als Regulator derjenigen Botenstoffe, die das Krankheitsbild von Autoimmunerkrankungen im menschlichen Körper hervorrufen. Eine gezielte Hemmung des Immunproteasoms verhindert somit die Entstehung von Autoimmunerkrankungen – und zwar ohne zugleich das Immunsystem so zu schwächen, wie es durch bestehende Therapiemethoden geschieht.

Besser als bisherige Behandlungsmethoden

Kalim entwickelte und testete in seiner Arbeitsgruppe einen so genannten „Small Molecule Inhibitor“, einen Hemmstoff für das Immunproteasom. „Ich untersuchte auf molekularer Ebene, was diese autoimmunen Erkrankungen verursacht und wie der Hemmstoff mit den Prozessen der Immunabwehr interagiert“, erklärt Kalim. Er konnte nachweisen, dass der Inhibitor zu einem Rückgang des Krankheitsbildes führt – und zwar effizienter als bisherige Behandlungsmethoden. „Der große Vorteil gegenüber bestehenden Behandlungsmethoden ist, dass wir nicht das gesamte Immunsystem ‚herunterfahren’, um die Autoimmunerkrankung zu bekämpfen, sondern mit Präzision nur exakt jene Teile des Immunsystems ausschalten, die für die Krankheit verantwortlich sind“, erklärt Kalim.

Wissenschaftler sprechen englisch

„Ich profitiere in meiner Arbeit stark von der Konstanzer Graduiertenschule Chemische Biologie“, lobt Kalim das Konstanzer Forschungsumfeld. An der Graduiertenschule, deren Mitglied Kalim seit 2008 ist, schätzt er vor allem die interdisziplinäre Wechselwirkung zwischen Biologie und Chemie, die hier vermittelt wird. Der Blick auf benachbarte Forschungsfelder, aber auch der Kontakt zu internationalen Spitzenforschern im Rahmen des Konstanzer Doktorandenprogramms wurde zu einer Grundlage für Kalims eigenen Forschungserfolg: „Die Interaktion mit externen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern war mir eine große Hilfe, um in meiner eigenen Forschung voranzukommen“, sagte er. Das rein englischsprachige Programm der Graduiertenschule räumte dabei für den indischstämmigen Nachwuchswissenschaftler Kommunikationshürden bereits im Vorfeld aus.

Stadium der Grundlagenforschung

Für seine Forschung am Immunproteasom wurde Prof. Dr. Marcus Groettrup mit seiner Arbeitsgruppe in diesem Jahr mit dem Janssen-Preis für Grundlagenforschung ausgezeichnet. Die bestehenden Ergebnisse sind ein Ausgangspunkt für eine vertiefte Erforschung der biologischen Mechanismen des Immunproteasoms. Mit Blick auf die künftige Forschung bekräftigt auch der Doktorand Kalim: „Was wir derzeit sehen, sind die Effekte des Immunproteasoms auf die Immunreaktion. Die tiefergehenden Mechanismen dahinter müssen noch eingehender erforscht werden.“

Foto: Uni Konstanz

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