Konstanzer Fall Bruno Helmle betrifft auch Partnerstädte

Helmle ist Ehrenbürger der Partnerstadt Fontainebleau – SPD will Partnerstädte informieren

Bruno HelmleKonstanz. Der Fall der Konstanzer Alt-Oberbürgermeisters Bruno Helmle, der die Öffentlichkeit bis in die 90-er Jahre über seine NS-Vergangenheit getäuscht hat, betreffe auch die Konstanzer Partnerstädte. Helmle bliebt trotz seiner Verstrickungen ins NS-System bis 1980 Oberbürgermeister in Konstanz. Erst eine 2012 vorgelegte Forschungsarbeit deckte auf, dass Helmle durch seine Tätigkeit als Finanzbeamter an der Judenverfolgung beteiligt gewesen ist und persönlich profitiert hat.

Jürgen Puchta schreibt Brief an OB

Die Diskussion, ob Alt-OB Bruno Helmle nach den Erkenntnissen über seine berufliche Tätigkeit in der Nazi-Zeit und seine systematischen Verschleierungs- und Täuschungsversuche in der Nachkriegszeit noch als Ehrenbürger der Stadt tragbar ist, betrifft auch die Konstanzer Partnerstädte. Darauf hat der Vorsitzende der SPD-Fraktion im Gemeinderat, Stadtrat Jürgen Puchta, in einem offenen Brief an Oberbürgermeister Frank hingewiesen.

Partner sollen von Helmle-Fall nicht aus Medien erfahren

Helmle sei Ehrenbürger der Partnerstadt Fontainebleau. Die Partnerschaft mit der französischen Stadt wurde während der Amtszeit Helmles begründet. Durch zahlreiche Austausche und Begegnungen dürfte der Name Helmle auch in den Partnerstädten noch gut bekannt sein. Puchta regt daher an, die Partnerstädte in geeigneter Form über das Gutachten und die aktuelle Diskussion in Konstanz zu benachrichtigen. Es wäre nicht im Sinne guter Partnerschaft, wenn die Nachrichten über die Helmle-Diskussion die Partnerstädte über zufällige Medienberichte erreichten, so Puchta.

Ein Kommentar to “Konstanzer Fall Bruno Helmle betrifft auch Partnerstädte”

  1. dk
    10. März 2012 at 18:56 #

    Persönlich habe ich einige Leute kurz kennen und als Persönlichkeiten schätzen gelernt, wo die Bedeutung von „Ehre“ zwar fühlbar wurde, aber das Wort nie in Anspruch genommen wurde und eine Ehrung eher abgelehnt worden wäre (unabhängig vom politischen System). Der Protestantismus wird dann auf 2 Gebote (statt 10) verkürzt: immer aufreicht bleiben und mit sich im Reinen sein. Die moralischen Ansprüche in einer polarisierten Gesellschaft wirken seltsam: wer täglich anklagt, kann nur ein ultra-weisses Seelenleben haben; häufig wirkt es eher federleicht.

    Eine Legende als Bsp.:
    Ein Kirchenförster hatte in der NS-Zeit einen Berufskollegen als Freund, der bei Jagd-Veranstaltungen dank Hundebetreuung scheinbar höhere Kontakte hatte. Dieser hatte ungewollt angefragt, ob dieser Kirchenförster in den Krieg ziehen muss. „Nein, wenn er einen seinen Mitarbeiter dafür schickt“, war die Antwort. Er darauf: „Wegen mir muss keiner im Krieg bleiben.“ Seine kleine, sehr zerbrechliche Frau wurde nur zu leichter Arbeit in der Kriegswirtschaft herangezogen. Er kam wieder zurück, sehr viele andere aus dem Umfeld nicht: ein kleines Wunder. Es gab danach auch eine grosse Anzahl hochgebildeten Russen, die nicht nur Nazi-Feindbilder mit entsprechenden Reaktionen im Kopf hatten. Sogar ein Heirats-Antrag konnte problemlos verneint werden; vielleicht hat man es manche Frau viele Jahre später bereut. Alles ohne Goethe-Institut.

    Der Brauch für grosse Familienfeiern se und Pflege des Familien-Stammbaums ist in den neuen BL noch verbreitet. Manche Themen eignen sich wenig für Polemik, Provokation, usw. Der Begriff „Medien-Demokratie“ wirkt manchmal etwas abwegig: man sehnt sich an Stammtische zurück. Das Internet ist nicht der Sündenbock für falsche Marktanalysen.

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