Konstanzer Grüner: Schweizer Atomausstieg 2034 zu spät

Schweizer Bundesrat will auf drei geplante neue Atomkraftwerke verzichten

Konstanz. Der Konstanzer Landtagsabgeordnete Siegfried Lehmann zeigt sich erfreut über den voraussichtlichen Ausstieg der Schweiz aus der Nutzung der Atomenergie: „Die Empfehlung der Regierung ist eine historische Zäsur in der Energiepolitik der Schweiz. Es freut mich sehr, dass der Schweizer Bundesrat die Option Kernenergie aus seiner Energiestrategie gestrichen hat.“ Lehmann kritisiert jedoch die lange Dauer des Ausstiegs: „Ein Ausstieg bis 2034 ist mit den sicherheitstechnischen Erfordernissen an die Atomkraftwerke nicht in Einklang zu bringen. Dieser Zeitraum sollte dringend überdacht werden.“

Abschalten der AKWs bis 2034

Der Bundesrat der Schweiz hatte am 25. Mai 2011 angekündigt, dem Parlament vorzuschlagen, aus der Atomenergie auszusteigen. Der Atomausstieg soll den Verzicht auf den Bau der derzeit in Planung befindlichen drei AKW-Neubauten und weiterer neuer Atomkraftwerke umfassen. Die in Betrieb befindlichen AKWs sollen bis 2034 abgeschaltet werden. „Damit der Atomausstieg auch in der Schweiz unumkehrbar wird, muss das schweizerische Parlament nun in einem Kernenergiegesetz festschreiben, dass in der Schweiz keine neuen Atomkraftwerke mehr gebaut werden können. Die bestehenden fünf Atomkraftwerke sollten nach einem verbindlichen Zeitplan vom Netz genommen werden“, erklärt der Landtagsabgeordnete Lehmann.

Schweizer AKWs 1969 bis 1984 in Betrieb gegangen

Die voraussichtliche Laufzeit der Atomkraftwerke bis 2034 kritisiert Lehmann: „Die schweizerischen Atomkraftwerke sind zwischen 1969 und 1984 in Betrieb gegangen. Der rot-grüne Atomausstieg sähe für vergleichbare Kraftwerke in Deutschland eine Abschaltung bis 2021 vor, was ich mir auch für die Schweiz erhoffen würde.“ Insbesondere das grenznahe Atomkraftwerk Beznau besorgt Lehmann: „Beznau muss so schnell wie möglich vom Netz. Die Sicherheitsvorschriften für die restlichen schweizerischen Atomkraftwerke müssen verschärft werden, denn heute ist immer noch ein Maß an nuklearer Unsicherheit gesetzlich erlaubt, das nach Fukushima nicht mehr vertretbar ist.“

AKWs Beznau I und II mit weltweit älteste

Während das schweizerische AKW Leibstadt mit rund 25 Jahren Betriebsdauer noch zu den neueren AKWs gehört, weisen die AKWs Beznau I und II Betriebsdauern von rund 40 Jahren auf (Inbetriebnahme 17.07.1969 bzw. 23.10.1971) und gehören damit auch im weltweiten Vergleich zu den ältesten noch betriebenen Anlagen. Anlass zur Sorge geben insbesondere die Vorfälle im AKW Beznau in den Jahren 2007 und 2008, insbesondere ein Vorfall im Jahr 2007, der als INES 1 eingestuft wurde. Hier zeigt sich, dass mit zunehmendem Alter der Anlagen die Fehleranfälligkeit steigt. Lehmann fordert daher: „Aus der Atomkatastrophe von Fukushima müssen ohne unnötige Verzögerungen schonungslos die Lehren gezogen werden.“

2 Kommentare to “Konstanzer Grüner: Schweizer Atomausstieg 2034 zu spät”

  1. Bolle Knallquist
    26. Mai 2011 at 17:06 #

    Die Weltbegücker von den Konstanzer Grünen sollen am besten die Kavallerie losschicken und in der Schweiz einmarschieren.

    Da die Grünen ja so gerne Hysterie streuen, hier einmal die Definition von INES 1: „Störung. Abweichung vom normalen Betrieb der Anlage (Nichtbehebung der Problemquelle könnte allenfalls zu einem höherstufigen Folgeereignis führen)“.

    INES 2 ist dann der berühmte „Störfall“. Zwar ebenfalls kein Grund zur Panik. Bei Grünen Antinaturwissenschaftlern und Bildungsverweigerern allerdings ein beliebtes Schlagwort, um im Volk für Unruhe zu sorgen. Obwohl da überhaupt nichts Dramatisches passiert.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Internationale_Bewertungsskala_f%C3%BCr_nukleare_Ereignisse

  2. rhein main
    28. Mai 2011 at 08:57 #

    Endlich mal eine gute Entscheidung der Bundesregierung, wenn diese auch durchgesetzt wird. Die FDP scheint allerdings wieder dabei zu sein, sich selbst abzuschaffen. Die soll sich zu einem konkreten Datum äussern, damit sie sich aus dem Tal bewegt. Raus bis spätestens 2021: Die Ethikkommission plädiert auch im neuen Entwurf ihres Abschlussberichts für einen Atomausstieg innerhalb von zehn Jahren oder weniger. In der Koalition droht ein schwerer Konflikt, die FDP sperrt sich inzwischen vehement gegen ein konkretes Datum.

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