Konstanzer Grüner Till Seiler: Ich tue dies aus persönlichen Gründen

Grüner Landtagsabgeordneter Siegfried Lehmann bedauert den Abgang des Bundestagsabgeordneten

Konstanz. Der Grüne Till Seiler legt sein Bundestagsmandat nieder. Diese Nachricht hat in Konstanz am Dienstagmorgen viele, politische Freunde genauso wie Gegner, überrascht. Der Nachrücker in den Bundestag gibt sein Mandat auf. Er schrieb in einer kurzen Mail: „Ich tue dies aus persönlichen Gründen.“ Siegfried Lehmann, der direkt gewählte Landtagsabgeordnete der Grünen, sagte: „Ich bedauere es.“ Werner Allweiss, früherer Konstanzer Ratskollege von Till Seiler bei der Freien Grünen Liste (FGL) war baff. Ihn hatte die Nachricht noch gar nicht erreicht. Er sagte: „Ich kann das nicht kommentieren, ich kenne die Hintergünde nicht.“

Till Seiler kein Leben als Berufspolitiker

Um 11.23 Uhr verschickte Till Seiler seine kurz Mail, in der er seinen Rücktritt aus persönlichen Gründen ankündigte. Er schrieb, er wolle kein Berufspolitiker sein. Die „Anforderungen“ und „Verpflichtungen“ seien für ihn auf Dauer nicht in Frage gekommen. Erst in diesem Sommer, Mitte September, hatte Seiler sein Konstanzer Wahlkreisbüro in der Conrad-Gröber-Straße eröffnet. Nachdem der Konstanzer Bundestagsabgeordnete Peter Friedrich (SPD) sein Landtagsmandat aufgegeben hatte, um Minister im Landeskabinett zu werden, war Till Seiler der erste grüne Bundestagsabgeordnete aus der Stadt Konstanz. Er war in Berlin nachgerückt, als Bundestagsabgeordnete nach dem Wahlerfolg bei der Landtagswahl nach Stuttgart wechselten.

Grün auf allen Ebenen in Konstanz

Siegfried Lehmann, grüner Wahlkreisabgeordneter in Konstanz, sagte, er sei überrascht gewesen, als ihn der Kreisverband am Dienstagmorgen informierte. Lehmann erklärte, es sei schade für die Grünen in Konstanz. Sie hätten einen grünen Oberbürgermeister, einen direkt gewählten grünen Landtagsabgeordneten und einen grünen Bundestagsabgeordneten. „Mehr kann man sich nicht wünschen“, sagte Lehmann. Die „Anbindung an den Bundestag“ sei wichtig. Lehmann äußerte aber auch Verständnis für Seiler. Er sagte, die Gründe, die Seiler nannte, seien nachvollziehbar.

Gescheitert auch an eigenen Ansprüchen

Das Leben zwischen Berlin und Konstanz sei schwierig, meinte der Landtagsabgeordnete. Lehmann sagte, der politische Apparat laufe. Lehmann hält es für wahrscheinlich, dass Seiler auch an den hohen politisch-moralischen Ansprüchen gescheitert ist, die er an sich selbst stellte. Wer nicht jedes Wochenende mit dem Flugzeug von Zürich nach Berlin jetten wolle, könne kaum mehr ein Privatleben führen. „Diesen Widerspruch muss man erst einmal aushalten“, sagte Lehmann. Anzeichen, dass Till Seiler daran dachte, sein Mandat niederzulegen, habe er nicht bemerkt. Allerdings habe es Probleme mit einer Terminfindung gegeben, weil sich Seiler krank gemeldet hatte. Lehmann dachte an eine Grippe. Tatsächlich hatte Seiler aber offenbar der Verzicht auf sein Mandat umgetrieben, weiß Lehmann seit Dienstagmorgen. Er bedauere es, er müsse Seilers Entscheidung aber akzeptieren. Dass Seiler innerhalb des Kreisverbands wegen politischer Haltungen isoliert gewesen sein könnte, schließt Lehmann aus.

Umstrittene Aussagen zu B 33

In seinem Wahlkreis war Seiler auch Ablehnung entgegen geschlagen. Der Konstanzer Oberbürgermeister Frank erklärte Anfang Juli ausdrücklich, er hoffe nach wie vor auf eine zügige Umsetzung des Projekts B 33. „Ich höre von vielen Menschen, dass sie sich sehnlichst eine baldige Beseitigung des Nadelöhrs zwischen Allensbach und Konstanz erhoffen. Man spürt deutlich: die ganze Region wartet darauf, dass die Straße nach nunmehr über 30 Jahren endlich fertig gestellt wird“, so der OB. Damit widersprach der grüne OB dem grünen Bundestagsabgeordneten Till Seiler. Der hatte gesagt, er lehne die derzeitige Ausbau-Planung entschieden ab, da diese unter anderem Belange von Umwelt- und Naturschutz nicht ausreichend berücksichtige. Siegfried Lehmann sagte, es geben bei den Grünen durchaus eine kritische Haltung gegenüber einem zu groß dimensionierten Ausbau der B33. Seiler habe sich „im Rahmen der politischen Spannweite“ befunden.

Der Patzer mit der Abi-Zeitung

Nicht einer Meinung war Lehmann als grünes Mitglied des Landtags und Vorsitzender des Bildungsausschusses mit Seiler hingegen in einem anderen Punkt. Der grüne Bundestagsabgeordnete Till Seiler musste sich schließlich für seine in einer Abi-Zeitung des Ellenrieder-Gymnasiums gemachte Aussage entschuldigen. In einem Frage-Antwort-Spiel hatte Seiler auf die Schüler-Frage nach dem besten Mittel gegen nervige Schüler gesagt: „Wenn ich kein Pazifist wäre, würde ich sagen: erschießen (eignet sich auch für nervige Kollegen, Eltern, Schulleiter etc.)“. Darüber hatte die Lokalzeitung im Juli ausführlich berichtet und die Äußerung skandalisiert. „Das ist eine Aussage, die man als Lehrer nicht machen kann“, sagte Lehmann. Seiler hatte plötzlich an seiner eigenen Person erfahren, welch hohe Ansprüche an einen Abgeordneten gestellt werden.

Till Seiler und der Papst

Den nächsten Eklat gab es dann, als sich Till Seiler im September kritisch über den Papstbesuch äußerte. Im August hatte er noch an der Christopher Street Parade in Konstanz teilgenommen. Der Konstanzer Bundestagsabgeordnete hatte dann wenig überraschend erklärt, dass er wie einige andere Abgeordnete auch, während der Rede von Papst Benedikt XVI. im Deutschen Bundestag am 22. September nicht anwesend sein wollte. Zugleich hatte der Grünen-Politiker die papstkritischen Bündnisse „Der Papst kommt“ sowie „Freiburg ohne Papst“ unterstützt. Mitglieder der Konstanzer CDU hatten sich darüber empört.

CDU protestierte bei Kretschmann

Siegfried Lehmann hingegen war und ist mit Seiler einer Meinung. Die Sexualethik der katholischen Kirche hält auch Lehmann mit Blick auf Afrika und die Aids-Problematik nicht für vermittelbar. Auch Ministerpräsident Winfried Kretschmann hatte die beiden Konstanzer CDU-Fraktionsmitglieder Roger Tscheulin und Wolfgang Müller-Fehrenbach im Sommer abblitzen lassen. Kretsch, wie ihn seine Freunde nennen, wollte den grünen Konstanzer Bundestagsabgeordneten Till Seiler nicht rügen, weil er die Initiative „Freiburg ohne Papst“ unterstützt hatte. Der grüne Ministerpräsident erinnerte die beiden Konstanzer CDU-Herren daran, dass jeder seine Meinung frei äußern dürfe – auch Till Seiler.

Grüne kämpfen erst Recht

Für Seiler nachrücken wird ein Grüner aus dem Wahlkreis Heilbronn. Die Oberbürgermeisterwahl 2012 in Konstanz dürfte nach dem Angang Seilers nun für die Grünen sogar eine noch größere Bedeutung haben. Die Grünen würden alles daran setzen, einen aussichtsreichen Bewerber ins Rennen zu schicken, sagte Lehmann. Die Bedeutung von Konstanz, als Stadt die vor bald 16 Jahren als erste einen grünen OB gewählt hatte, sei den Grünen bewusst.

Hier geht es zur ersten Meldung über den Rückzug von Till Seiler.

Foto: wak

Ein Kommentar to “Konstanzer Grüner Till Seiler: Ich tue dies aus persönlichen Gründen”

  1. Karottenstreichler
    22. November 2011 at 19:03 #

    Kurzer Ausflug in die große Politik !!!

    Na ja. So wie er sich in Konstanz aufgeführt hat wird der in Berlin
    keine Freunde gefunden haben.

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