Konstanzer HTWG-Studierende holen in internationalem Architektur-Wettbewerb erste Preise

Solar-Decathlon-Europe geht in die heiße Phase – Entscheidung über Gesamtsieg fällt am Samstag

Konstanz. Amerikas, Asiens und Europas beste Häuser stehen in Madrid. Eines der innovativsten, zukunftsfähigsten, alltagstauglichen und herausragenden Modelle kommt aus Konstanz. Die HTWG ist schon jetzt stolz auf ihre „Ecolarier“: In zwei von zehn Disziplinen haben die Studierenden mit ihrem selbst entworfenen Nullenergiehaus bereits den ersten Platz belegt. In der Gesamtwertung des internationalen Architekturwettbewerbs „Solar Decathlon Europe“ in Madrid liegt das Team derzeit auf Platz drei. Die Entscheidung über den Gesamtsieg fällt am Samstag.

 Amerikas, Asiens und Europas beste Häuser stehen in Madrid

Knapp 20 Hochschulen weltweit haben sich zur Teilnahme am diesjährigen Architektur-Wettbewerb Solar-Decathlon Europe 2012 qualifiziert, darunter das Team der Hochschule Konstanz Technik, Wirtschaft und Gestaltung (HTWG). Rund 40 Studierende haben in intensiver Vorarbeit ein Haus entworfen, das modernen gesellschaftlichen, ökologischen und ökonomischen Ansprüchen genügt. In einem kaum vorstellbaren Kraftakt haben sie in acht-Stunden-Schichten innerhalb von zwei Wochen ihr „ECOLAR Home“ in der Villa Solar in Madrid aufgebaut. Nun heißt es Daumen drücken: In zehn Disziplinen stellen sich die Konstanzer „Ecolarier“ mit ihrem Haus dem Wettbewerb der Häuser von Hochschulteams aus Amerika, Asien und Europa.

Nutzbarkeit, Architekturqualität, Innovation und Marktfähigkeit

Der „Solar Decathlon Europe“ wird alle zwei Jahre von der spanischen Regierung mit Partnern ausgelobt. In zehn Kategorien müssen sich die „eingereichten“ Häuser bewähren. Dazu zählen beispielsweise Energiebilanz, Konstruktion und Verarbeitung, aber auch Nutzbarkeit, Architekturqualität, Innovation und Marktfähigkeit. Gefordert ist die Entwicklung eines nachhaltigen Wohnkonzepts für zwei Personen, das sich durch energieeffiziente Technik und die Eigenproduktion von Solarenergie auszeichnet und schließlich mehr Energie erzeugen kann als seine Bewohner verbrauchen.

In zwei Disziplinen haben Konstanzer die Nase vorn

Bereits zwei der Disziplinen hat das Konstanzer „Team ECOLAR“ gewonnen. In der Kategorie „Konstruktion und Verarbeitung“ und „Innovation und Marktfähigkeit“ hob die Jury das ECOLAR Home auf den ersten Platz. In der Kategorie „Architektur“ erreichten die Konstanzer Platz vier. In der Gesamtwertung belegt das Konstanzer Haus derzeit den dritten Rang, zur Freude auch von Architekturprofessor Thomas Stark, der an der HTWG energieeffizientes Bauen lehrt und als internationaler Fachmann auf dem Gebiet den Stein zur Wettbewerbsteilnahme ins Rollen gebracht hat.

 Alltagstaugliche innovative Häuser

Die Spannung steigt täglich, denn noch kann sich die Platzierung verschieben – nicht nur durch noch ausstehende Bewertungen. Permanent werden beispielsweise Luftfeuchtigkeit und Raumtemperatur im Haus gemessen. Täglich müssen die Studierenden Aufgaben absolvieren, um die Alltagstauglichkeit des Hauses unter Beweis zu stellen. Sie müssen die Waschmaschine laufen lassen, zwei Mal am Tag eine heiße Dusche simulieren, den Backofen eine Stunde lang auf 220 Grad heizen. Währenddessen werden Stromverbrauch, ja sogar die Temperatur im Kühlschrank und die Lichtstärke auf einer Arbeitsplatte gemessen. „Wir müssen zeigen, dass unser Haus funktioniert“, erläutert Bettina Grosshardt, Architekturstudentin an der HTWG. Parallel dazu läuft der Ausstellungsbetrieb. Tag für Tag begrüßen die Hochschulteams Besuchergruppen auf dem Ausstellungsgelände gegenüber des spanischen Königspalastes. Fachleute wie Architekten, Ingenieure und Studenten wie aber auch Familien kommen auf das Gelände, um die innovativen Häuser der Studierenden zu besichtigen, erzählt Bettina Großhardt. Damit die Statisten im Haus wie auch die Führerinnen und Führer professionell agieren, hat auch die Theatergruppe EventProduktion der HTWG sich in das Projekt eingebracht und die Akteure besucht.

 Haus in modularer Bauweise

Das Konzept des Konstanzer Wettbewerbsbeitrags lässt sich mit „ecolar“ beschreiben: Um dem Anspruch höchster Flexibilität zu genügen, entstand das Haus in modularer Bauweise. Die jeweils vier auf vier Meter großen Quader sind ökologisch, ökonomisch konzipiert. Entsprechend dieser Leitprinzipien haben sich die Konstanzer den Namen „Team ECOLAR“ gegeben – zusammengesetzt aus dem englischen eco-logic und so-lar und eco-nomic und modu-lar. Die Studentin Bettina Grosshardt erläutert: „So kann das Haus sich ändernden Lebensbedürfnissen angepasst werden – ganz nach dem Motto ‚ändert sich dein Leben, ändert sich dein Haus‘.“ Standardisierte Elemente werden je nach Nutzungsanspruch unterschiedliche Raumkonfigurationen ermöglichen – bei gleichzeitig hohem Wohnkomfort.

Studienprojekt der HTWG Konstanz

Das Faszinierende: In das Projekt, eines der größten Studierendenprojekte in der Geschichte der HTWG, sind Studierende aller Fakultäten eingebunden. So haben sie selbst beispielsweise Lüftungsanlagen, Kühlung und Heizung, Wasserversorgung und die futuristischen Multifunktionsschränke konzipiert und eingebaut. Hierfür ist die Kompetenz von Elektrotechnikern genauso gefragt wie von Informatikern, von Bauingenieuren und Maschinenbauern. Kommunikationsdesigner rücken die Arbeit ins rechte Licht und auch die Werkstätten der Hochschule unterstützen die Baumaßnahmen.

50 Sponsoren unterstützten Studenten

Doch das Haus wäre nie realisiert worden, hätten die Studierenden nicht mehr als 50 Sponsoren gewinnen können. Sie sollen vor allem nach der Rückkehr aus Madrid etwas von dem innovativen Solarhaus haben. Die Studierenden werden das Haus dann wieder auf dem Campus der HTWG aufbauen, wo es für Schulungen und weitere Forschungen genutzt werden soll.

  HTWG-Hochschulfernsehsender in Madrid

Auch ein Team des HTWG-Hochschulfernsehsenders „Fischersbraut“ ist nach Madrid gereist. Die Fischersbraut-Sendungen sind zu sehen unter: www.fischersbraut.de.

Ständig aktualisierte Infos gibt es zudem auf den Facebook-Seiten von Fischersbraut (www.facebook.com/Fischersbraut) und dem Team Ecolar (www.facebook.com/TeamECOLAR).

Mehr Informationen zum Wettbewerb unter: www.sdeurope.org und unter www.ecolar.de

Bild: Beim Aufbau in der Villa Solar ist das Haus der Konstanzer Studierenden im Vordergrund in der Mitte (mit Elektroroller im Eingang) zu sehen.

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