Konstanzer Intendant Christoph Nix fröstelt dem Sommertheater entgegen

Christoph Nix und Tim KramerKonstanz/Überlingen. Das Sommertheater ist zurück in Überlingen. Am Freitag kommender Woche feiert das Hauptstück „Der fröhliche Weinberg“ Premiere. Zum ersten Mal reisten die Konstanzer Schauspieler 2003 um oder auch über den See. 

Intendant vermisste Heizung

Am Dienstag dieser Woche hatte das Theater Konstanz zu einem Pressegespräch in die ehemalige Kapuzinerkirche nach Überlingen geladen. Der Konstanzer Theaterintendant Christoph Nix fröstelte vor dem Bühnenbild des „Fröhlichen Weinbergs“ – man kann es nicht anders sagen – dem Sommertheater entgegen. Nix beschwerte sich in der letzten Juniwoche denn auch über die fehlende Heizung in der Kapuzinerkirche. So ist es in diesem verrückten Sommer 2013. Die probenden Schauspieler müssten frieren, sagte Nix.

Temperatursturz von 20 Grad

In der vergangenen Woche, als das Thermometer vorübergehend 34 oder 35 Grad Außentemperatur zeigte, hätten die Akteure die Kühle im ehemaligen Kirchenschiff wohl genossen. Wenn am Freitag kommender Woche der „Fröhliche Weinberg“ Premiere in der Überlinger Kapuzinerkirche hat, ist mit dem Theater voraussichtlch auch der Sommer zurück. Wenigstens hoffen das alle miteinander und sicher auch der Förderverein Sommertheater, der in den Pausen die Zuschauer gern zu einem Glas Prosecco in den schönen Überlinger Badgarten bittet.

Nicht nur fröhlich

Die Konstanzer haben für ihr Gastspiel auf der anderen Seite des Sees ein fulminantes Programm im Gepäck. Die Überlinger seien in den vergangenen Jahren immer anspruchsvoller geworden, sagte Christoph Nix. Das Hauptstück, „Der Fröhliche Weinberg“ von Carl Zuckmayer ist eine Komödie aber deswegen wird es an der Sommerspielstätte nicht banal. „Es ist nicht nur fröhlich“, erklärt der Intendant. Regie führt Tim Kramer, seit der Spielzeit 2007/2008 Schauspieldirektor am Theater St. Gallen.

Der Stoff

Der Weingutbesitzer Gunderloch hat sich entschlossen, die Hälfte seines Weinberges zu verkaufen und die andere Hälfte seiner Tochter Klärchen und dem zukünftigen Schwiegersohn zu vermachen. Aber er stellt eine ungewöhnliche Bedingung für seine Einwilligung in ihre Heirat: Der potenzielle Schwiegersohn soll seine Zeugungskraft schon vor der Hochzeit unter Beweis stellen.

Das Politische

„Der fröhliche Weinberg“ machte 1925 den jungen Carl Zuckmayer auf einen Schlag bekannt. „Das Stück verbindet eine vergnügliche, mal derbe, mal poetische, jedenfalls nie banale Komödienhandlung mit kräftigen Seitenhieben auf politischen Fanatismus und Engstirnigkeit jedweder Couleur“, schreibt das Theater Konstanz im Sommertheater Programmheft. „Der Fröhliche Weinberg“ hat eine gesellschaftspolitische Relevanz, indem das Stück den Zuschauern die Folgen politischer Naivität und die Wichtigkeit von Kunst, Bildung und Aufklärung vor Augen führt. So ähnlich sagte es Christoph Nix. Dramaturg Thomas Spieckermann  wies schließlich noch darauf hin, dass die Darstellung der Burschenschaften Zuckmayer in ernsthafte Schwierigkeiten brachte.

Der Sex

Das andere große Thema ist die Frage, ob es jenseits von 50 Jahren noch Liebe und Erotik geben darf. Das „romantische Liebespaar“ im Stück ist über 50. „Ich habe das Gewicht mehr auf diese Beziehungsgeschichte gelegt“, kündigte Tim Kramer an.

Zwölf Produktionen

Mit insgesamt zwölf verschiedenen Produktionen ist die Theatercrew unterwegs. Die Theaterleute möchten das Publikum mit einer Melange aus kleinen Stücken entzücken. Junge Schauspieler zeigen ihr Soloprogramm und auch alte Bekannte wie Paul Amrod und Frank Lettenewitsch oder zum letzten Mal Schauspieler und Kabarettist Herwig Lucas sind dabei. Das Publikum hat also die freie Wahl: Neben „Der fröhliche Weinberg“ locken „Werther!“, das „Glauser Quintett“ oder „Comedian Harmonists Today“. Und natürlich werden die Konstanzer in der elften Saison in Überlingen in den hochsommerlichen Tagen bis zum 3. August auch ein Stück für Kinder „um Himmels Willen, Ikarus!“ auf die Bühne in der Villa Kunterbunt bringen.

Viele Spielorte

Die Spielorte variieren: „Nipplejesus“ gibt es in der Städtischen Galerie, „Der letzte Raucher“ im Torhaus und „Zehn Frauen möcht ich sein“ im Foyer des Kursaals. Dort erwartet das Publikum auch „Amrod spielt Amrod“, während „Deutsche Töne – Kästner, Tucholsky, Ringelnatz“ durch die Kapuzinerkirche schwirren.

Wir lieben Euch

„Wir lieben Euch“, rief Christoph Nix aus. Nach elf Jahren, in denen die Konstanzer ihr ganzes Equipment samt Scheinwerfern mit über den See bringen, müsse Überlingen in der Spielstätte endlich auch etwas tun, so der fröstelnde Nix, der freilich ohne die Politik auskommen musste. Die Überlinger Oberbürgermeisterin war gerade für ein paar Tage außer Haus und aus der Stadt und der neue Konstanzer Sozial- und Kulturbürgermeister Andreas Osner ist noch nicht im Amt.

Sponsoren sind die Klinik Buchinger Wilhelmi und die Volksbank Überlingen sowie die Stadt Überlingen.

httpv://www.youtube.com/watch?v=1WscEqdJP-g

Karten gibt es hier http://www.sommertheater-ueberlingen.de/karten.html

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