Konstanzer Intendant Christoph Nix mit eigenem Channel

Konstanzer Theater übers Web 2.0 direkt zum Publikum – Ensemble setzt die Afrika-Brille auf

Konstanz. Kann das ein kleines Stadttheater überhaupt schaffen? Wenn am kommenden Wochenende die neue Spielzeit beginnt, dreht sich auf dem Theater alles um Afrika. Manche finden das riskant. Fest steht schon vor der ersten Premiere am morgigen Freitag, die eine Uraufführung ist, und noch vor dem Theaterfest am Samstag: So viel Aufsehen wie in diesem Herbst hat das Konstanzer Theater schon vor der ersten Aufführung selten erregt. Neu ist auch der Video-Channel auf Youtube, über den Christoph Nix neuerdings direkt zu seinem Publikum spricht.

Durch die afrikanische Brille

Sie ist schwarz wie der Kontinent und wer die „Gläser“ herausbricht, schaut durch die Umrisse Afrikas auf die Welt. Das Konstanzer Ensemble trägt zur Spielzeiteröffnung schwarze Pappbrillen. Christoph Bader, der neue Marketingchef, hat sich von Altbackenem verabschiedet. Auch Christoph Nix, der mit neuer Kurzhaarfrisur zur Pressekonferenz zum Start in die Spielzeit erschienen ist, hat sich mächtig ins Zeug gelegt. Er kann ein bisschen stolz auf sein Team sein: Welches kleine Theater schafft es schon, am ersten Wochenende gleich zwei Uraufführungen, „Die rote Antilope“ in einer Dramatisierung von Mario Portmann und „Herz der Finsternis“ in einer Dramatisierung von Thomas Spieckermann, auf die Bühne zu bringen?

Nix auf der Pole Position

Am Freitagabend, 7. Oktober, eröffnet der SPD-Fraktionsvorsitzende im Bundestag und ehemalige deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier die Spielzeit mit einem Impulsvortrag zum Thema Kultur und Außenpolitik. Beginn ist um 18 Uhr. Am Samstag, 8. Oktober, diskutieren dann Steinmeier und der Autor Henning Mankell um 15 Uhr auf der Theaterbühne über Kultur, Macht und Außenpolitik. Nur noch 60 Karten hat es gestern für die Debatte gegeben. Christoph Nix steht mit dem Konstanzer Theater in diesen Tagen auf der Pole Position.

Kein Freund von Selbstzweifeln

„Kann das ein kleines Stadttheater?“, fragte Nix bei der Medienkonferenz in der Spiegelhalle. Das Konstanzer Theater schaut eine Spielzeit lang auf Afrika – oder es bringt afrikanische Stücke auf die Bühne. Nix erzählt wie er im Jahr 2000 zum ersten Mal zufällig nach Unganda kam. Er sagt: „Eigene Probleme relativieren sich.“ Jetzt sei er „stolz und aufgeregt“, dass das Konstanzer Theater Henning Mankells „Die rote Antilope“ dramatisiert. Mit ihr beginnt die Spielzeit.

Handschlag mit Henning Mankell

Aus dem Prosatext hat das Theater einen Stück mit Dialogen gemacht, es fürs Theater neu geschrieben. „Die rote Antilope“ erzählt die Geschichte eines jungen Afrikaners, den ein schwedischer Insektenforscher aus missverstandener Fürsorge mit nach Europa nimmt. Einen Handschlag mit dem schwedischen Autor habe es gegeben, sagt Nix. Am Samstag wird sich Henning Mankell das Stück in Konstanz anschauen. „Der Autor schaut auf Afrika“, sagt Mario Portmann. „Das Theater schaut auf Mankell.“ Und Mankell schaut sich das Theater an, das freilich auch durchfallen könnte.

Christoph Nix stoppt Andrej Woron

Andrej Woron ist der Regisseur des zweiten Stückes, das am Wochenende in Konstanz seine Uraufführung erlebt. „Herz der Finsternis“, eine Fahrt auf dem Kongo, bringt er auf die Bühne. Thomas Spieckermann hat den mächtigen inneren Monolog Joseph Conrads in eine passende Form fürs Theater gebracht. Woron sagt: „Ich mache den Hemingway.“ Er suche das Abenteuerliche. Der Regisseur ist beim Mediengespräch kaum zu bremsen, er hätte am liebsten alles übers Stück und die Inszenierung erzählt. Christoph Nix unterbricht, entzieht Woron das Wort, grätscht dazwischen. Die Zuschauer sollen schließlich in die Spiegelhalle kommen und selbst schauen. Drehen wird sich im Stück sehr viel um die Frage, was mit Menschen passiert, für die es keine moralischen Regeln mehr gibt? Die Antwort heißte wohl: Er degeneriert.

Konstanz hat sich verändert

Als Letzter betritt Michael von Oppen die Bühne, er inszeniert „Robinson & Cerusoe“. Das Stück ist für Kinder ab 10 Jahre. Er gibt den Komödianten. Ein westlicher Kampfpilot und einer mit fremdartigem Aussehen begegnen sich. Er spricht eine Fantasiesprache. Von Oppen schwärmt ein bisschen von den Schauspielern Georg Melich und Yannick Zürcher. Der Regisseur macht sogar Erwachsenen richtig Lust aufs Stück. Gutes Kindertheater gefällt Erwachsenen immer, erklären die Theaterleute. „Die Stadt und das Haus haben sich verändert“, sagt von Oppen, der früher schon in Konstanz fest am Theater war und inszeniert hat.

Christops Nix mit eigenem Channel

Die Stadt, die Gesellschaft, das Theater, die Medien, die Kommunikationskanäle – alles verändert sich. Mehr als je zuvor nutzt das Theater in dieser Spielzeit auch das Web 2.0. Christoph Nix wird die Kritiker in den Feuilletons von Tageszeitungen und Portale wie Nachtkritik  auch weiterhin brauchen, um den Diskurs zu führen und um sich reiben zu können. Er wendet sich neuerdings aber auch auf dem Youtube Kanal des Theaters direkt und ungefiltert an das geneigte Publikum. 4.54 Minuten dauert seine erste Ansprache. Hören Sie doch mal rein – aus purer Lust aufs Theater.

Hier geht es zur Homepage des Theaters Konstanz.

httpv://www.youtube.com/watch?v=ugxUXzo038w

2 Kommentare to “Konstanzer Intendant Christoph Nix mit eigenem Channel”

  1. dk
    6. Oktober 2011 at 14:45 #

    Am 16.10.2011 können kulturell interessierte Bürger beim Altstadtlauf höchstwahrscheinlich eine Reihe von Kenianer/innen leibhaftig kennenlernen.

    http://www.altstadtlauf.de/

  2. rully
    7. Oktober 2011 at 18:59 #

    ……. mankell setzte sich auf dem weg nach gaza mit erklärten dschihadis ins gemeinsame boot und unterstützt damit deren bekannte antisemitische, frauen-/freiheits-/menschenrechts-feindliche positionen. er hat sich damit selber disqualifiziert.

    ……. steinmeier bestach mit „einfallsreicher“ aussenpolitik, die vor allem die mullahs in teheran qua „kritischem dialog“ hofierte.
    der iran der mullahs steht für terror nach innen und aussen, unterdrückung „seiner“ bevölkerung, seien es frauen, andersdenkende/-glaubende/-liebende.

    jetzt gibt zirkusdirektor nix diesen beiden abgehalfterten gestalten das mediale gnadenbrot……

    wen interessiert sowas?

    don`t believe the hype!

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