Konstanzer Jugendliche bringen 9/11 auf die Bühne

Jugendclub des Jungen Theaters vollzieht Perspektivenwechsel – Was geschah 2001 wirklich mit der Welt?

Konstanz. Der Tag des 11. September 2001 hat mit dem Anschlag auf das World Trade Center in New York die Welt verändert. Erwachsene wissen, wo sie in dem Moment waren. Heute erst 15-oder 18-Jährige sagen, sie seien aus dem Kindergarten oder der Grundschule nach Hause gekommen, als im Fernsehen die Bilder der einstürzenden Türme zu sehen waren. Am Samstag, 2. Juli, bringt der Jugendclub des Jungen Theaters Konstanz den Tag auf die Bühne der Spiegelhalle. Das Publikum ab 14 Jahre erlebt die Ereignisse vom 11. September als Theaterproduktion und sieht sie aus der Perspektive der Nachgeborenen.

64 Jugendliche arbeiten mit

Zehn Jahre danach hat sich der Jugendclub des jungen Theaters Konstanz eine Spielzeit lang mit diesem Thema beschäftigt. Die 64 Jugendlichen – so viel wie noch nie – zwischen 13 und 22 Jahren aus Radolfzell, Überlingen, Wahlwies, Konstanz und der Schweiz probieren seit Oktober 2010 drei Mal in der Woche und haben auf Basis von Recherchematerial, Interviews und Moscheen-Besuchen ihr eigenes Stück zum 11. September 2001 entwickelt.

Frage nach den Profiteuren

Die jungen Menschen haben in den Fokus stellt: Wie konnte so etwas Schreckliches passieren? Wer hat von diesem Ereignis profitiert? Was hat sich in unserer Welt seit dem 11. September verändert? Was ist gut und was ist böse? Und: Können wir in dieser Welt unsere Träume leben? „9/11“ begibt sich auf die Suche nach Antworten auf diese Fragen; „zuweilen mit Hang zur Komik und schwarzem Humor als auch mit bedingungsloser Hingabe und jugendlichem Leichtsinn“, meint das Theater.

Abschied von Felix Strasser

Der frühere Leiter des Jugendtheaters Felix Strasser, der das Stück inszeniert und sich mit ihm auf unbestimmte Zeit vom Konstanzer Theater verabschiedet, meint, es sei das beste der Spielzeit. Er sagte, er sei von der Arbeit der Jugendlichen, die mit dem Anschlag auf das World Trade Center aufgewachsen sind, sehr beeindruckt. An Wänden hängen Zeitungsausschnitte von damals.

Jugendliche erinnern sich

Paul (18), der das Zeppelin Gymnasium besucht, sagt, er mache zum ersten Mal mit. Er sei damals gar nicht so geschockt gewesen. Levin (14) erinnert sich, dass er aus dem Kindergarten nach Hause kam und seine Mutter sagte, die Welt gehe unter. Josef (17) aus Überlingen erzählt, dass er die Bilder nicht im Fernsehen gesehen hat und er nicht sonderlich entsetzt war. Sarah (14) besucht das Ellenrieder Gymnasium weiß, dass sie mit Playmobil spielte und ihre Mutter furchtbar mit den Armen herum „gefuchtelt“ habe. Fabiano (19) fuhr mit der Mutter zum Arzt und hörte die Nachricht im Radio. Nikolai (16) saß in einem Bus. Die Familie zog damals gerade um. Elina (15) hat nur ein vages Bild im Kopf. Theo (15) erinnert sich, dass sie Mutter fragte, was da denn für ein schrecklicher Film laufe. Julia (14) erinnert sich nicht und Mervan (15) erzählt, dass die Flaggen an seiner Schule auf Halbmast hingen. Molina (16) hat erst später einen Spielffilm gesehen und verstanden. Jezi (19) kam aus dem Urlaub zurück, Julia (19) sagt, sie habe es nicht verstanden. Chiara (18) wurde von der Schule abgeholt und fand es total schlimm. Lukas (18) hat nicht verstanden, dass sich seine Mutter sorgte und Tabea (16) weiß noch, dass sie mit einer Freundin spielte. Ingi (17) kam vom Querflötenunterricht und durfte nicht fernsehen.

Fragen stellen auf dem Theater

Regisseur Felix Strasser erzählt von einer Umfrage in Konstanz: Wer kennt Mohamed Atta? Die Antworten waren sehr unterschiedlich. Das Stück beginnt denn auch mit einem Prolog im Foyer. Was ist passiert? Die zweite Frage lautet: Wie konnte das passieren? Die dritte Frage heißt: Wer hat davon profitiert Lobbygruppen? Mächtige? Christen? Der Islam? Der Heilige Krieg? Die Figur des Präsidenten? Verschwörungstheorien wollten die jungen Recherchierenden nicht auf den Leim gehen.

Veränderter Blickwinkel

Ihre Fragen sind andere als die der Erwachsenen, sagt Strasser. Er spricht von einem Perspektivenwechsel. Das Stück, in dem auch viel Musik vorkommt, sei hoch emotional. Mehrere Dramaturginnen, die bei der Probe vorbei schauten, hätten das bestätigt. Die Konstanzer sind nicht die ersten, die sich mit dem Stoff beschäftigen. Viele haben seither außer den Originalbildern längst auch den Dokumentarfilm 11. September von Jules und Gedeon Naudet, „Flug 93“ oder Oliver Stones „World Trade Center“ gesehen. Real sind Kriege und der Terror. Was die Konstanzer Jugendlichen aus dem Anschlag machten, ist in den kommenden Wochen auf dem Theater zu sehen. Für Kinder unter 14 Jahre sei die Produktion nicht geeignet, meint Felix Strasser. Andere könnten auch mehrmals kommen, wenn sie mögen.

Die Premiere am Samstag um 20 Uhr ist ausverkauft. Weitere Termine sind: 05.07., 06.07., 08.07., 09.07., 10.07., 12.07., 13.07., 15.07., 16.07., 17.07.11, jeweils um 20.00 Uhr

Inszenierung Felix Strasser, Sarit Streicher, Maximilian Enderle |

Konzeption Felix Strasser, Sarit Streicher, Caroline Gutheil, Maximilian Enderle,

Hanna Brunner | musikalische leitung Stefan Leibold | Dramaturgie Caroline

Gutheil | Produktionsassistenz Hanna Brunner | Ausstattungsassistenz Lisa Nießgespielt vom Jugendclub junges theater konstanz

 

Fotos: wak

 

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