Konstanzer Kinder im Web 2.0: Was wissen Eltern?

Jugendamt informiert: Neue Medien für Eltern – Denn sie wissen nicht, was ihre Kinder tun

Konstanz. Immer mehr Kinder sind im Web 2.0 unterwegs und deshalb müssen Eltern mit ihren Kindern darüber reden, was im Netz passiert. Das Konstanzer Jugendamt will Eltern, sie selbst nicht so oft online sind, jetzt updaten.

Frisches Wissen für Eltern

Viele Eltern verstehen anscheinend nicht, was ihre Kinder da tun. Die Stadt Konstanz, das Sozial- und Jugendamt, möchte zusammen mit der Initiative „Schau hin!“ Eltern in den kommenden Monaten deshalb mit frischem Wissen versorgen. Dumme Fragen gebe es nicht sagt Irene Jun vom Jugendamt. Sie ist davon überzeugt, dass Eltern Bescheid wissen müssen und Verbote und Filter immer der schlechtere Weg sind. Kinder brauchen Medienkompetenz, sagte Jun. Filter vergleicht sie mit Fernsehverboten. Wer alle Seiten sperrt, die zum Beispiel mit „Sex“ zu tun haben, sperre alles aus, was Jugendliche interessieren könnte, so Jun.

Nicht mehr ohne Web 2.0

Wie wichtig das Web 2.0 ist wissen Irene Jun, ihr Kollege Gunter Lange vom Konstanzer Kinderkulturzentrum Kikuz, Petra Böhrer vom Treffpunkt Peterhausen und Caroline Hansmann vom Jugendtreff Berchen ziemlich genau. Seit einem Jahr war klar, dass es eine Veranstaltungsreihe für Eltern geben sollte, damit die Erwachsenen auf Augenhöhe mit ihren Kindern übers Web 2.0 sprechen können. Der Titel der Reihe heißt „Neue Medien für Eltern“. Gehen wird es um Soziale Netzwerke und Chatrooms, Computerspiele, das Thema Aufklärung online, Smartphones sowie um Kostenfallen, Downloads, Raubkopien und Haftungsfragen. Irene Jun verspricht „praxisnahe Hilfestellungen“ und viele Zeit für Fragen. Geplant sind fünf Abende. Die Reihe beginnt am 24. Februar mit einer Veranstaltung zum Thema „Echte Freunde? Romeo trifft Julia im Chatroom“. Die Buchhandlung Homburger und Hepp ist mit Büchertischen präsent und auch die Stadtbücherei will Literatur zu den Themen bereit stellen.

Jugendarbeit goes online

„Das Handy ist immer dabei“, sagt Irene Jun. Um die Eltern zu erreichen, hat das Sozial- und Jugendamt Flyer drucken lassen. Die Kinder erreichen selbst die Jugendarbeiter eher übers Netz. „Programmhefte sind out“, sagt Irene Jun. Immer öfter stelle sich ihr die Frage, ob die Jugendarbeit mit ihren Veranstaltungen in Facebook sein müsse. Früher habe es Spielnächte mit Brettspielen gegeben. Mittlerweile gibt es im Juze auch schon eine LAN-Party. Jugendliche kämen nicht zu den Treffs, wenn sie nicht online gehen könnten. Auch wenn Irene Jun und Gunter Lange selbst keinesfalls zu den Digital Natives gehören, verteufeln sie das Web 2.0 keinesfalls. Viele Jugendliche nutzen Online-Angebote, um sich über Fragen über die sie nicht mit einem Erwachsenen reden wollen, zum Beispiel Sexualität betreffend, zu informieren.

Schau hin! Was Deine Kinder machen

„Schau hin! Was Deine Kinder machen“ ist eine gemeinsame Initiative des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, des Telekommunikationsunternehmens Arcor, der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten ARD und ZDF sowie der Programmzeitschrift TV Spielfilm. Seit 2003 informiert Schau hin! Eltern und Erziehende über die Angebote elektronischer Medien wie Fernsehen, Internet, Mobilfunk und Computerspiele und bietet ihnen konkrete und praktische Hilfestellung für den kindgerechten Umgang mit den Medien.

In Konstanz sind Vorträge zu folgenden Themen geplant:

Donnerstag, 24. Februar: „Echte Freunde? Romeo trifft Julia im Chatroom“ mit Mediencoach Kristin Langer.

Donnerstag, 24. März: „Killerspiele & Co. Für Kids. Eine verhängnissvolle Affäre?“ mit Medienexperte Thomas Feibel.

Donnerstag, 14. April: „Generation Porno – Aufklärung online?“ mit dem Journalisten und Kenner der Jugendkultur Johannes Gernert.

Dienstag, 10. Mai: „Ablenker, Verführer, Alleskönner. Wieviel Handy braucht der Mensch?“ mit dem Medienberater Hector Sala.

Donnerstag, 9. Juni: „Download, Raubkopien, Kostenfalle Internet. Haften Eltern für ihre Kinder?“ mit dem Kripobeamten Günter Hagen.

Alle Veranstaltungen beginnen um 19 Uhr und finden im Wolkensteinsaal des Kulturzentrums am Münster statt. Es gibt jeweils 200 Plätze. Der Eintritt kostet jeweils 4 Euro.

Foto und Grafiken: „Initiative Schau hin!“

Ein Kommentar to “Konstanzer Kinder im Web 2.0: Was wissen Eltern?”

  1. dk
    4. Februar 2011 at 15:47 #

    Dienstag, 10. Mai: „Ablenker, Verführer, Alleskönner. Wieviel Handy braucht der Mensch?“

    Für alte Leute sicher für Notfälle ein Segen: nach einem Herzinfarkt hatte ein Rentner bei seinen 3 stündigen Spaziergängen zwischen KN-Dettingen-Allensbach sich eines zugelegt und musste erst seine Strecken neu erkunden, wo Mobilfunk überhaupt möglich ist – zwischen Litzelstetten und Dettingen offenbar nicht. Dafür hat er dann seine Frau mitgenommen und die Touren auf 1 Std. verkürzt.

    Mobilfunk (Masten) sind auch etwas 2 schneidig.

    Zu Radfahren in der Stadt möchte man sich nicht äussern, weil es ein höchst-brisanten politischen Thema zu sein scheint.
    Aber für Wald und Wiese ist es echt toll: mehrere Jahre hat man gebraucht, um einige Gruppen beim Joggen herauszufiltern, bei denen eine Begrüssung zwischen „ToDo und MustDo“ ist. Beim Radfahren ergibt sich diese Frage der mitmenschlichen Korrektness gar nicht -> einfach lächelnd vorbeifahren, aber nicht umfahren.

    Als Jogger wurde trotzdem eine Reiterinnen EINMAL BEWUSST NICHT gegrüsst: die kleinen Mädchen mit etwas 10-13 Jahren haben im Chor automatisch gegrüsst, die etwa 20 Jährigen (keine Begleitung der Reitschule) haben irritiert in die Ferne gesehen. Es gab wohl schon früher solche Internet-Kurse über den Begriff „Internet-Freunde“.

    Radfahren ist wohl doch das „Geilste“, sofern man nicht auf 5cm Eis gehörig ausrutscht – zum Glück bei sehr mässigem Tempo.

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