Konstanzer Konzilgespräch: Müssen wir auf unseren Wohlstand verzichten?

Debatte dreht sich um Wachstum, Wohlstand und freiheitlichen Demokratien – 23. März 2012 im Konstanzer Konzil

Konstanz. Beim Konstanzer Konzilgespräch 2012 geht es um das Thema „Wachstumswahn“. Unter den Gästen ist auch der frühere Bundeswirtschaftsminister und SPD-Politiker Wolfgang Clement. In der Vorankündigung zur Debatte im Konzil heißt es: „Wachstum ist alles, gerade jetzt in der Krise. Die Nachricht, dass die deutsche Wirtschaft im vergangenen Jahr gegen den weltweiten Trend um drei Prozent gewachsen ist, hat quer durch die Parteien Begeisterung ausgelöst“. Gleichzeitig stelle sich aber auch die Frage, ob es in Zukunft weiterhin Wachstum gibt und welche Auswirkungen null Wachstum auf unser politisches System hätte.

Wachstum als Allheilmittel?

Wachstum bedeute Wohlstand. Wenn die Wirtschaft brumme, sinke die Arbeitslosenzahl, füllten sich die Sozialkassen, stiegen die Steuereinnahmen, müsse der Staat weniger Schulden machen. Mit dem Wachstum wachse auch die Zuversicht, dass es immer so weiter gehe. „Und sich auch ein Schuldenstaat wie Griechenland irgendwann durch Wachstum aus seiner Zwangslage befreien kann“, heißt es einer Medienmitteilung zum Konzilgespräch.

Wachstum verzehrt Wohlstand

Doch gleichzeitig werde die Kritik am „Wachstumsgedanken“ immer lauter. „Das Wachstum der Wirtschaft ist zur Ersatzreligion unserer Gesellschaft geworden“, so der Sozialwissenschaftler Meinhard Miegel. „Längst mehrt dieses Wachstum nicht mehr unseren Wohlstand, sondern verzehrt ihn. Es überlastet die natürlichen Ressourcen, die Umwelt und nicht zuletzt den Menschen.“

Wachstum und unser politisches System

Müssen wir uns von diesem Wachstumswahn befreien – und wenn ja, geht das überhaupt? So lautet nur  eine der Fragen beim Konzilgespräch. „Der Kapitalismus, so wie wir ihn kennen, ist auf Wachstum angelegt. Und ob die freiheitlichen Demokratien auch ohne Wirtschaftswachstum überleben, ist nicht erwiesen. Bislang jedenfalls wagt es kein maßgeblicher Politiker, Wachstum als Prinzip in Frage zu stellen.,“ heißt es in der Mitteilung zum Konzilgespräch weiter. Der ehemalige Wirtschaftsminister Wolfgang Clement verteidigt das Wirtschaftswachstum als Heilmittel. Clement sagt: „Sicherheit im Konjunkturabschwung und in der Globalisierung erreichen wir nur durch eine wettbewerbsfähige und wachstumsstarke Wirtschaft.“

Die Live-Debatte

Im Konzilgespräch stehen voraussichtlich folgende weitere Fragen im Fokus: Wie lange können die westlichen Gesellschaften ihr Glücks- und Heilsversprechen immer weiter wachsenden materiellen Wohlstands überhaupt noch einlösen? Müssen wir Wohlstand künftig anders definieren? Bruttosozialglück statt Bruttosozialprodukt? Heute wird in Deutschland pro Kopf der Bevölkerung mehr als fünf Mal so viel erwirtschaftet wie 1950. Hat sich damit auch unser Wohlbefinden verfünffacht? Wie könnte unser Leben aussehen, wenn es mit dem Wirtschaftswachstum vorbei ist?

Die Gäste

Das 7. Konstanzer Konzilgespräch unter dem Titel „Wachstumswahn – Müssen wir auf unseren Wohlstand verzichten?“ mit Wolfgang Clement, ehemaliger Bundesminister für Wirtschaft und Arbeit, Bernhard Emunds, Professor für Christliche Gesellschaftsethik und Sozialphilosophie, Meinhard Miegel, Sozialwissenschaftler, „Denkwerk Zukunft. Stiftung kulturelle Erneuerung“, Bonn, und mit Moderatorin Ursula Nusser (SWR2) findet am Freitag, 23. März 2012, im Konstanzer Konzil statt. Beginn ist um 20 Uhr. Der Eintritt ist frei.

SWR2 sendet das Konstanzer Konzilgespräch in der Sendung „SWR2 Forum“ am Montag, 26. März 2012, 17.05 Uhr.

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