Konstanzer Krankenhaus-Holding: Der Stockacher Patient

Kreisräte streichen Zuschuss für Stockach zusammen – Martin Stuke glaubt an Zukunft des Stockacher Hauses

Konstanz. Der Kreistag von Konstanz hat ja zu einer Krankenhaus-Holding gesagt. Alle Krankenhausstandorte im Kreis sollen erhalten bleiben. Auch den Stockacher Patienten hat der Kreis noch nicht aufgegeben.

Stuke glaubt an Standort Stockach

Das Stockacher Krankenhaus mit seinen ab 2011 nur noch 55 Betten bleibt vorerst bestehen. PricewaterhouseCoopers PWC hatte das anfangs anders gesehen aber, als die Lösung im Kreis politisch durchfiel, nachgelegt. Die Beratungsgesellschaft PWC hält seither schwarze Zahlen im Kreis Konstanz selbst bei einer flächendeckenden Klinikversorgung sogar mit fünf Häusern für möglich. Martin Stuke, Geschäftsführer des Krankenhauses Stockach, ist folglich zuversichtlich und glaubt, dass das Stockacher Haus eine Zukunft hat.

Letzte „Ausfahrt“ vor Privatisierung

Landrat Frank Hämmerle gab das Gutachten bei PWC in Auftrag. Zuletzt war die Beratungsgesellschaft überraschend zum Schluss gekommen, dass nun doch alle Krankenhäuser im Kreis Konstanz überleben könnten. Anfangs hatte es dagegen noch geheißen, ein neues zentrales Krankenhaus in der Mitte des Kreises wäre die kostengünstigste Lösung. Politisch wäre das aber niemals durchsetzbar gewesen. Jetzt geht der Trend auch deswegen zur Holding. Die Holding dürfte die letzte Chance sein, die Kliniken im Kreis in öffentlicher Trägerschaft zu erhalten.

Verlust soll sich in Gewinn verwandeln

53 Prozent der Holding will in Zukunft der Landkreis halten. Mit je 20 Prozent wären Konstanz mit seinem Klinikum und dem St.-Vincentius-Krankenhaus sowie Singen mit dem Zentralklinikum und den Krankenhäusern in Engen und Radolfzell dabei. Mit sieben Prozent soll sich Stockach mit seinem Krankenhaus an der Holding beteiligen. Der neue Verbund könnte, wenn alle zustimmen, zum 1. Januar 2012 Wirklichkeit werden. Der aktuelle Verlust bei den Krankenhäusern von 2,2 Millionen Euro im Jahr 2009 soll sich in einen Gewinn von 3,2 Millionen Euro verwandeln.

Weniger Geld für Stockach

Ob ernsthaft alle Beteiligten daran glauben, dass tatsächlich alle Häuser überleben und es mit den roten Zahlen kreisweit vorbei ist, ist aber fraglich. Offenbar gibt es doch Zweifel an der Zukunft des Stockacher Hauses. Vorgesehen war, dass der Kreis in den kommenden drei Jahren jeweils 250 000 Euro nach Stockach überweist. Auf Antrag der CDU reduziert sich nun der Zuschuss im zweiten Jahr aber bereits auf 125 000 Euro und im dritten sogar auf 75 000 Euro.

Wirtschaftlich unsinnige Entscheidung

Ein Kenner der Szene sagt see-online, es sei unsinnig, für das Stockacher Haus Geld auszugeben. So müssten in den kommenden Jahren, von 2011 bis 2013, allein 1,9 Millionen Euro in Brandschutz, Lichtrufanlagen und Sicherheitsstrom investiert werden. Das Defizit 2011 liege bei 700.000 Euro, 2012 und 2013 jeweils bei etwa einer Million Euro. Das Krankenhaus mit 70 Betten – und ab 2011 mit nur noch 55 Betten – habe in der Chirurgie gerade einmal eine Auslastung von 45 bis 50 Prozent und in der Inneren von 50 bis 55 Prozent.

Martin Stuke widerspricht

Martin Stuke, Geschäftsführer des Krankenhauses, möchte diese Angaben aber so nicht stehen lassen. Er sagte, positiv seien die Entscheidung für dezentrale Strukturen im Kreis und Dienstleistungsbeziehungen zwischen den Häusern. Er sprach von einer „Leistungssteigerung“ in Stockach und dass sich das Haus positionieren wolle. Auch Stockach möchte sich demnach eine Nische suchen und überleben. Das Haus habe die Zahl der Patienten von 2100 auf 2450 gesteigert. Die Verweildauer sei rückläufig. Stuke spricht von einer positiven Fallzahlenentwicklung. Die Auslastung sei nicht das Thema. Das Defizit in diesem Jahr liege bei 380.000 Euro.

Falsch gerechnet

Die von einem Kenner der Szene genannten Zahlen seien nicht korrekt. Denn fälschlicherweise sei die gesamte Investitionssumme in Höhe von 1,9 Millionen Euro eingerechnet worden. Das sei aber nicht richtig. Stuke rechnet mit einer Förderung und auch damit, dass Konstanz als aktueller Verbundpartner Geld zuschießt. Bürgermeister und Gemeinderat in Stockach stünden uneingeschränkt hinter dem Haus.

Am Tropf der Holding

Klar ist aber: Auch am Tropf der Holding dürfte der Patient Stockach keine besonders gute Prognose haben. Landrat Frank Hämmerle, der sich des Patienten Krankenhäuser im Kreis annahm, machte bereits bei einem Mediengespräch vor eineinhalb Wochen klar, dass in Zukunft der bezahle, der Sonderwünsche habe und bestelle. Die Holding muss wirtschaftlich arbeiten. Der Kreis zahlt weniger. Stirbt die Holding, dürfte Stockach sowieso als erstes Haus im Kreis Konstanz vor dem Aus stehen: Dass ein privater Krankenhausträger das kleine Haus übernimmt, ist unwahrscheinlich.

Zum Thema Krankenhaus-Holding:

http://www.aktuelles-bodensee.de/23533/kreis-konstanz-krankenhaus-holding-soll-klinken-retten/

Foto: qay PIXELIO www.pixelio.de

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