Konstanzer Lehrer verliert Konvents-Notenliste Abijahrgang 2012

Personenbezogene Daten landeten auf der Straße – Oberstudiendirektor Peter Beckmann spricht von „Katastrophe“

Konstanz. Ein Konstanzer Gymnasiallehrer hat eine Liste, die die Noten von 102 Schülerinnen und Schülern samt Durchnschnittsnote enthielt, verloren. Der Lehrer wollte die Konvents-Notenliste mit den alphabetisch geordneten Schülernamen offenbar in einem Papiercontainer entsorgen. Das DINA -4-Blatt mit den personenbezogenen Daten ging aber verloren und landete im öffentlichen Raum. Oberstudiendirektor Peter Beckmann, Leiter des betroffenen Ellenrieder-Gymnasiums, war entsetzt. Er sagte, er nehme den Fall sehr ernst. Er sprach von einer „Katastrophe“.

Sensible Schülerdaten lagen auf der Straße

Ein Unbeteiligter hatte das Blatt gefunden und sich gewundert, dass personenbezogene Daten auf dem Zettel standen. Die sensiblen Schülerdaten lagen sozusagen auf der Straße. Jeder Finder hätte nachlesen können, welche Note Schüler des Abiturjahrgangs 2012 im Fach Chemie oder in Spanisch haben und ob sie am Religionsunterricht teilnehmen oder sich für Ethik entschieden haben. Auch Verhaltens- und Mitarbeitsnoten von 102 Schülern sind in der Übersicht aufgelistet.

Schulleiter identifizierte nach Hinweis schuldigen Lehrer

Oberstudiendirektor Peter Beckmann hat den Fall mittlerweile nachvollziehen können. Nach einem Hinweis von See-Online hat er an seiner Schule recherchiert. Er sagte, ein Lehrer habe die Liste, auf der das Datum 26. Januar vermerkt ist, mit nach Hause genommen. Allen Kollegen sei klar, dass mit so einer solchen Liste sensibel umgegangen werden müsse. Da Lehrer aber keinen „abschließbaren“ Arbeitsplatz in der Schule hätten, sei es auch nötig, Unterlagen mit nach Hause zu nehmen. Aufgrund von handschriftlichen Vermerken konnte Beckmann den Lehrer identifizieren, dem die Liste abhanden gekommen war.

Liste mit vertraulichen Daten sollte ins Altpapier

Der Lehrer sagte Beckmann, er habe aufgeräumt und habe die Liste zusammen mit anderem Papiermüll in einen Altpapiercontainer werfen wollen. Dabei muss das Blatt mit den vertraulichen Daten verlorengegangen sein. Möglicherweise habe auch jemand wieder Papiere aus dem Container geholt, so Beckmann. Nicht auszuschließen sei es auch, dass das Blatt beim Leeren des Containers herausgefallen sein könnte, meinte der Schulleiter. Auf die Frage, weshalb der Lehrer weder einen Aktenvernichter benutzte noch das DINA-4-Blatt mit den personenbezogenen Daten wenigstens in kleine Fetzen zerrissen hatte, bevor er es entsorgte, wusste Beckmann keine Antwort.

Ellenrieder-Gymnasium prüft Sicherheitsvorkehrungen

Beckmann sagte, er nehme den Fall zum Anlass, die Sicherheitsvorkehrungen am Konstanzer Ellenrieder-Gymnasium, was den Umgang mit sensiblen Daten betrifft, noch einmal zu überprüfen. Möglicherweise hat der Vorfall auch Folgen für den betreffenden Lehrer. Die Liste mit den sensiblen Daten, die ein Leser See-Online übergeben hatte, befindet sich mittlerweile wieder im Besitz der Schule.

Foto: wak

9 Kommentare to “Konstanzer Lehrer verliert Konvents-Notenliste Abijahrgang 2012”

  1. Kontrolleur
    11. Februar 2011 at 15:40 #

    Eine was? Eine Katastrophe? Weil ein Notenblatt irgendwo auf dem Flur herumschwirrte? Seit wann sind Schulnoten “sensible Daten”? Hysterisches Aufbauschen von Nichtigkeiten scheint wohl so eine Art Zivilisationskrankheit zu sein.

    Übrigens: Ein Blick in die Facebook-und Schüler-VZ-Accounts der Oberstufenschüler am Ellenriedergymnasium bringt mehr Details und Intimitäten zum Vorschein, als jeder Stasi-Oberst jemals zu träumen gewagt hätte! Und da können mindestens 600 Millionen Leute reingucken. Nicht nur die Putzfrau.

    Noch was: Wer gute Noten hat, kann sich über eine öffentliche Bekanntgabe freuen und wer schlechte Noten hat, soll sich zu recht schämen.

  2. Grizzly
    11. Februar 2011 at 15:43 #

    Insbesondere Träger sensibler, also personenbezogener Daten (Papier, DVDs etc., nicht die Lehrer) gehören erst dann in den Müll, wenn sie vorher den Weg durch den Aktenvernichter gegangen sind.

    Solche Helferlein werden für wenig Geld zum käuflichen Erwerb angeboten. Die Schulleiter sollten ihre Lehrkörper anhalten, solche Shredder zu benützen. Wahrscheinlich hören aber doch wieder nicht alle zu…

  3. wak
    11. Februar 2011 at 15:57 #

    @Kontrolleur Wer genau liest, ist im Vorteil. Das Blatt lag in einer öffentlichen Straße. Sie wären also damit einverstanden, dass Ihre Schulzeugnisse, etwaige Hochschul- oder Arbeitszeugnisse so durch die Gegend flattern?

  4. Kontrolleur
    11. Februar 2011 at 16:21 #

    Werte Frau Kässer, es geht um ein (!) Blatt. Mit Noten von Schülern (!). Weder handelt es sich um Schulzeugnisse, Hochschulzeugnisse und Arbeitszeugnisse. Noch flattern diese aktenweise durch die Gegend. Und selbst wenn es so wäre, würde mich das nicht sonderlich aufregen, da ich mich derzeit über ganz andere Dinge aufregen muss.

  5. wak
    11. Februar 2011 at 16:26 #

    Es handelt sich um ein Blatt mit sämtlichen Noten und Namen von mehr als 100 Schülern tabellarisch aufgelistet. Es macht einen Unterschied, ob Personen ihre Daten freiwillig online stellen oder ob sie aufgrund von Schludrigkeit in einer Stadt herumflattern.

  6. alter ellenriederer
    11. Februar 2011 at 19:55 #

    Was für eine Nullnummer von Nachricht. Gibts nichts Wichtigeres, über das man berichten kann? Herr Beckmann sollte jedem seiner Lehrkräfte einen abschließbaren Schrank hinstellen, fertig.

  7. Grizzly
    12. Februar 2011 at 18:42 #

    @Kontrolleur/@alterellenriederer
    Getretene Hunde heulen, sagt man ;-)

  8. alter ellenriederer
    14. Februar 2011 at 00:47 #

    @grizzly: Wenn du meinst, kannst du hier ruhig weiter schulmeistern. Mich störts wenig. Aber auch du wirst Fehler machen…

  9. FaZaMo
    20. Februar 2011 at 22:26 #

    “Kontrolleur sagt:
    Freitag, 11. Februar 2011 um 15:40

    Noch was: Wer gute Noten hat, kann sich über eine öffentliche Bekanntgabe freuen und wer schlechte Noten hat, soll sich zu recht schämen.”

    Ich habe den Eindruck, dass Sie überhaupt nichts von Menschen verstehen.
    Eine zu krasse Aussage dafür, dass ich nur ein paar Zeilen Ihrerseits gelesen habe?
    Nun ja, ich treffe sie mit folgender Begründung:

    Schulnoten sind dazu da, um herauszufinden was einem liegt und was einem nicht liegt.
    Ich bin der Meinung, dass kein Schüler sich für eine 4 in Englisch oder eine 5 in Mathe schämen sollte.
    Denn man kann nicht überall gut sein, so ist das Leben, so ist der Mensch!
    Man hat seine Schwächen und Stärken. Und genau diese Einstellung, vonwegen man müsse sich dafür schämen, dass man etwas nicht sonderlich gut kann, setzt die Jugend einem enormen Druck aus.

    Sie wollen, dass wir später Ihre Rente zahlen? Dann lassen Sie uns das machen, was wir gut können und stecken sie uns nicht in eine Schublade für das, was wir nicht können.
    Diese Art mit Schülern umzugehen, verwirrt sie und lässt sie depressiv und willenslos werden.
    Wie sehr wird man beispielsweise bewundert wenn man ein Matheass ist? Man wird angebetet, weil man sowas wie Ingenieur werden oder Finanzökonomie studieren kann.
    Und was ist mit den Sprachbegabten? Sie leißten auch ihren Teil in der Gesellschaft. Oder mit denen, die in Religion bzw. Ethik gut sind und eher auf sozialer Ebene arbeiten möchten, weil es ihnen eher liegt?

    So viele Schüler versinken in Selbstmitleid, weil sie als schlechte Schüler gelten, nur weil sie in 3 oder 4 Fachbereichen nicht ihre Berufung gefunden haben.
    Lassen Sie uns unsere Willenskraft – lassen Sie uns einfach sein.

    PS:
    Ich denke, dass der Lehrer ziemlich nachlässig war.
    Ich weiß zwar nicht wer es war und es ist mir auch ziemlich egal, aber wir sollten eines nicht vergessen: auch er ist nur ein Mensch, mit Fehlern und Schwächen – sowie mit Stärken.

    Liebe Grüße,

    Ellenriederin aus der 13.

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