Konstanzer „Maultaschenpreis“ geht an schikanierendes Unternehmen

Gewerkschaftern, Journalisten und Lokalpolitiker zeichnen Mitarbeiter drangsalierende Arbeitgeber aus

Konstanz (wak) Er schmeckt sauer wie eine Zitrone, ist stachelig wie ein Kaktus und vergeben wird er zum ersten Mal am Dienstag, 27. Juli. Der neu gestiftete Konstanzer „Maultaschenpreis“ will eine Ausrufezeichen setzen und wird an ein besonders unfreundliches Unternehmen verliehen. Wer der Preisträger wird, steht bereits fest. Verraten haben die Stifter des Preises biher aber nur, dass das Unternehmen in Konstanz sitzt. Die Medien sind zur Preisübergabe eingeladen.

Anlass war der Konstanzer Maultaschen-Fall

Am kommenden Dienstag ist es soweit, dann wird zum ersten Mal der Konstanzer Maultaschenpreis verliehen. „Der Anlass für diesen Preis war der nicht hinnehmbare Umgang  der Konstanzer Spitalstiftung mit einer langjährigen Mitarbeiterin, die wegen Diebstahls einiger Maultaschen fristlos entlassen wurde“, begründet Holger Reile, Journalist und für die Linke Liste Konstanz Mitglied des Konstanzer Gemeinderats. „Darüber wurde bundesweit kritisch berichtet“, so Reile.

Hauptpreis geht an Konstanzer Unternehmen

Eine Gruppe von Gewerkschaftern, Journalisten und Lokalpolitikern aus dem Landkreis Konstanz hat darauf nach Mitteilung des Mitinitiators darauf hin hin beschlossen, jährlich den „Konstanzer Maultaschenpreis“ zu vergeben. „Ausgezeichnet“ werden damit Arbeitgeber, die ihre Beschäftigten drangsalieren, schikanieren und/oder ausbeuten, heißt es in einer Mitteilung. „Wer prämiert wird und warum, erfahrt Ihr am 27.7.2010, 10.30 Uhr  im Konstanzer DGB-Haus in der Beyerlestraße“, teilen die Stifter des Preises mit. Anschließend gehe es zur Preisübergabe, bei der die Intiatoren die Medien gern dabei hätten.Der Hauptpreis gehe an ein Konstanzer Unternehmen. See-Online berichtet akuell weiter am Dienstag.

6 Kommentare to “Konstanzer „Maultaschenpreis“ geht an schikanierendes Unternehmen”

  1. normalo
    25. Juli 2010 at 12:46 #

    Ich finde diese destruktive Haltung traurig. Hier werden Unternehmen und ihre Leitungen als böse dargestellt und völlig ausgeblendet, dass sie ganz sicher auch gute Seiten haben.

    Wie wäre es, anstelle nur eines „Hass-Preises“ parallel auch einen „Lob-Preis“ zu vergeben, bei dem ein vorbildliches Unternehmen ausgezeichnet wird. Oder passt das nicht in das Schema, mit dem zwei eigentlich zusammen arbeitende Gruppen – die Unternehmer und die Mitarbeiter – gegeneinander aufgestachelt werden sollen?

    Gute Nachrichten von Unternehmen werden nicht so gerne verbreitet. So hat See-Online aus der mir vorliegenden Pressemitteilung zur Auszeichnung der Konstanzer Studenteninitiative die Informationen herausgekürzt, dass die Initiative von Nycomed großzügig finanziell unterstützt wird und auch dass die Rotarier hier mit Rat, Tat und Geld helfen. Warum wurde das gestrichen?
    http://www.see-online.info/2010/07/kostenlose-nachhilfe-fur-sozial-benachteiligte-kinder-in-konstanz/

    Ich finde es sehr traurig, dass hier tendenziell berichtet wird, denn eigentlich hatte ich See-Online als etwas freier gesehen als zum Beispiel das klar linksorientierte Seemoz.

  2. wak
    25. Juli 2010 at 12:58 #

    Dieser Absatz wurde gestrichen, da zwar Nycomed als Unternehmen, das sich engagiert, gelobt wurde aber die Pressemitteilung zum Beispiel keine Angaben darüber enthielt, wie groß das finanzielle Engagement ist. Uns ging es darum, zu zeigen wie sich Studenten engagieren. Sie tun das Richtige im Falschen. In keinem anderen Land hängt der schulische Erfolg so sehr von der sozialen Herkunft ab wie in Deutschland. Da fällt es natürlich schwer, darüber zu berichten – diese Passage haben wir auch gestrichen – wie ein Vertreter der Landesregierung die Initiative lobt, die nur aufgrund des katastrophalen Versagens der Bildungspolitik überhaupt nötig ist. Wir veröffentlichen Pressemitteilungen von Unternehmen gern, wenn sie einen Nachrichtenwert haben. Wir möchten aber nicht, dass Unternehmen mit Hilfe unserer Zeitung kostenlos moderne Werbung machen.

  3. normalo
    25. Juli 2010 at 13:46 #

    Zitat: „Wir veröffentlichen Pressemitteilungen von Unternehmen gern, wenn sie einen Nachrichtenwert haben. Wir möchten aber nicht, dass Unternehmen mit Hilfe unserer Zeitung kostenlos moderne Werbung machen.“

    Die Unterstützung durch Nycomed ist sicher kein Kleckerlesbetrag. Fragen Sie halt nach, ehe Sie einfach rausstreichen. Das wäre für mich guter Journalismus.

    Hier engagiert sich ein Unternehmen lokal. Das ist aller Ehren wert. Der Generalverdacht, dass solche Unternehmen das doch eh nur machen, um „kostenlos moderne Werbung“ zu bekommen, zeugt in meinen Augen von einer Schwarz-Weiß-Denke, die – wenn alle so denken würden – dazu führen würde, dass kein Unternehmen noch Lust hätte, irgendwas zu unterstützen. Denn der Satz „Tu Gutes und sprich darüber“ enthält viel Wahrheit.

    Allein die reißerische Überschrift dieses Artikels „Konstanzer „Maultaschenpreis“ geht an schikanierendes Unternehmen“ empfinde ich als dermaßen destruktiv, dass ich mich frage, wie die Initiatoren hier denn etwas Gutes daraus entstehen lassen wollen. Oder geht es nur ums Anprangern, nicht aber um Konstruktivität?

    Also einerseits ein Unternehmen pauschal schlecht machen, aber andererseits lieber nicht berichten, wenn sich ein Unternehmen für die Gute Sache engagiert, denn es könnte ja einen Hintergedanken haben. Das ist tendenziös. Schade.

  4. wak
    25. Juli 2010 at 14:02 #

    lieber normalo, ich verstehe die aufregung nicht ganz. klar könnte ich etwas nachrecherchieren, wenn es mich interessieren würde. hat es aber in diesem fall nicht, es ging mir nur um die studenteninitiative und nicht um nycomed. wir entscheiden worüber wir berichten und worüber nicht. das machen alle zeitungen so. Ich gehe mal davon aus, dass Sie für das pharmaunternehmen arbeiten – wird denn nycomed mit dem maultaschenpreis ausgezeichnet? ich habe darüber keinerlei informationen. wir gehören nicht zu jenen, die den preis vergeben, wir berichten nur. dass journalisten berichten ist unverzichtbar. ich erinnere nur an die XXL Schleckers und den einsatz von zeitarbeitern bei Schlecker. nachdem die medien berichteten, vollzog die drogeriemarktkette eine kehrwende. ja, ich bin gespannt, wer von gewerkschaftern, journalisten und lokalpolitikern in konstanz den maultaschenpreis überreicht bekommt und mit welcher begründung. wir berichten übrigens auch nicht tendenziös, sondern kritisch.

  5. normalo
    25. Juli 2010 at 14:27 #

    Falsch vermutet, ich arbeite nicht für Nycomed und habe auch keine persönliche Beziehung dorthin. Und wenn der „Maultaschenpreis“ an dieses Unternehmen geht, lache ich mich tot. Das wäre, nach allem, was diese Firma für die Stadt getan hat, ein Witz. Wahrscheinlich wird aber die Spitalstiftung „ausgezeichnet“, um einen publikumswirksamen Start hinzubekommen. So etwas kommt dann ja in die Zeitung und auch hier in See-Online.

    Ich bestreite gar nicht, dass es schwarze Schafe gibt und auch dass Missstände aufgedeckt werden müssen. Aber warum wird denn auf der anderen Seite nicht die Gelegenheit wahrgenommen, ein Unternehmen, das sich engagiert, zu erwähnen? Tut das so weh?

    Nach meinem Verständnis von Journalismus ist es nicht das höchste Ziel, immer noch das Haar in der Suppe zu finden. Aber damit stehe ich wohl recht allein. Leider habe ich die Erfahrung gemacht, dass diejenigen, die am lautesten motzen (Bitte nicht falsch verstehen: Damit meine ich nicht Sie), am wenigsten für die Gemeinschaft auf die Beine stellen.

    Aufregung ist das im Übrigen nicht, sondern eher Ärger über Nörgelei und Destruktivität.

  6. Fenedig
    25. Juli 2010 at 19:11 #

    Das ist ein „gefundenes Fressen“ für Herrn Reile! Die Annahme kann nicht falsch sein, dass er zu den „Preisstiftern“ gehört – oder zumindest in enger Verbindung zu ihnen steht. So ist es halt mit diesem wackeren Linken: In der Regel mehr Allotria als konstruktive Politik und Gemeinsinn. Man kann eine Stadt auf verschiedene Arten in Schlagzeilen zu bringen versuchen und immer wieder schlecht machen, sogar wenn sie nicht direkt betroffen ist. Wenn ein stetiger Antreiber solcher Inszenierungen dann noch im Gemeinderat sitzt, stellen sich da schon Fragen.

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