Konstanzer Museumschef und seine sechs Küchenbullen

Beim Museumsfest ist es im Innenhof des Rosgartenmuseums angerichtet

Konstanz (wak) Mutmaßlich ist der Konstanzer Museumschef Tobias Engelsing ein Feinschmecker. Sonst hätte er es kaum geschafft sechs berühmte Küchenbullen für ein Catering beim Museumsfest am Samstag, 24. Juli, zu gewinnen. Manfred Hölzl „Konzilgaststätten“, Klaus Neidhart „Silencehotel Gottfried, Moss“, Michael Noll, „Blauer Affe, Bodman-Ludwigshafen“, Jürgen Veeser, „Zum Adler Wahlwies“, Maurizio Canestrini „Pinocchio Konstanz“ und Hubert Neidhart, „Grüner Baum, Moos“ bekochen die Gäste. Die Köche kommen nicht mit leeren Händen, sondern mit kulinarischen Köstlichkeiten, die einen Bezug zur Geschichte der Bodensee-Küche haben.

Historisches und Utensilien im Museum

Die Geschichte der Bodenseeküche erzählt die Ausstellung „Welt im Topf“ nach, die derzeit m Kulturzentrum Wessenberg zu besichtigen ist. Der promovierte Historiker Engelsing hat allerhand Küchenutensilien und Küchengeschichten zusammengetragen und gleich auch noch ein Begleitbuch zur Sonderausstellung geschrieben. In der Ausstellung erzählt Engelsing Ess-Geschichte der Armen, der Bürger und der Noblen und berichtet von den internationalen Einflüssen, die die Bodenseeküche prägten. Die Genügsamen ernährten sich in früheren Zeit von Haferbrei und Suppe, während sich im Kloster Salem im 16. Jahrhundert ein Ferkel am Spieß drehte. Die kulinarische Zeitreise führt im Kulturzentrum ins 18. und ins 19. Jahrhundert. 1824 erschien das erste Konstanzer Kochbuch mit Bodensee-Fischgerichten – wobei Fisch lange Zeit ein Armenessen war. Die, die es sich leisten konnten, ließen sich rund um den See gut bürgerlich bekochen. Engelsing stellt eingeweckte Mirabellen aus und offeriert Bodensee-Fleischpastete vom Konstanzer Traditionsmetzger Otto Müller.

Essbare Bodenseeküche im Innenhof des Museums

Manfred Hölz möchte „St. Galler Bartwürste“, „Konstanzer Art“, bruzeln. Dazu reicht er aus alten Getreidesorten, aus Roggen, Gerste und einem Hauch Haferflocken, gebackenes Brot. Klaus Neidhart bringt von der Höri einen Strauß Höri-Gemüse und Büller mit. Die Höri-Zwiebel, Gurke, Apfel und Dill verartbeitet er zu einer Art Sülze, die er im Weckglas offerierte. „So machten die Leute früher, bevor es Kühlschränke gab, Lebensmittel haltbar“, erzählt Engelsing. Michael Noll setzt einen Bodeneee-Apfel auf eine gegrilte Kalbsleber mit Most-Vinaigrett. Leber war das Fleisch der armen Bauern. Jürgen Veeser erzählt die Geschichte von Ravioli und Maultaschen neu. Maurizio Canestrini steht mit seinen italienischen Nudeln für die internationale Küche. Bekanntlich zogen schon zu Zeiten des Konstanzer Konzils (1414-1418) italienische Bäcker mit ihren Pizzaöfen über die Alpen, wovon die Ausstellung „Welt im Topf“ erzählt. Hubert Neidhart verköstigt die Museumsfestbesucher mit Kaiserschmarrn und erinnert an habsburgische Zeiten in Konstanz.

Museumsfest Rosgartenmuseum Konstanz: Samstag, 24. Juli, 11 bis 17 Uhr.

Ausstellung „Welt im Topf“: Noch bis 31. Oktober im Kulturzentrum am Münster. Während des Museumsfest kostenlose Kurzführungen.

Literaturhinweis: Tobias Engelsing: Die Welt im Topf Kleine Kulturgeschichte der Bodenseeküche, inkl. Rezepheft, Begleitkatalog zur gleichnamigen Sonderausstellung, 224 Seiten, durchgängig farbig, reich bebildert, Einzelpreis 19,90 Euro (29 CH Franken)

ISBN Nr. 978-3-929786-25-1

Fotos: Tobias Engelsing (oben) und wak/ Hubert Neidhart verarbeitet Bülle.

Wir freuen uns über Ihren Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Hinterlassen Sie hier Ihren Kommentar. Bleiben Sie bitte nett. Ihre E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.