Konstanzer Niederburg – das lebendige Dorf in der Stadt

Metzger und Bäcker gib es nicht mehr – aber ganz viel Atmosphäre

Konstanz. Die Niederburg ist der älteste Konstanzer Stadtteil. Sie möchte „Dorf in der Stadt“ sein. Das Quartier ist speziell, lebendig und auch ein bisschen exklusiv. Die Gassen sind gepflastert, die Bausubstanz ist historisch, die Mauern propper, die Zimmerdecken sind niedrig und die Träume der Bewohner groß. Der Zusammenhalt in der Niederburg ist beachtlich und die „Gassenfreitage“ sind beliebt. Der Förderverein Niederburg e.V. tut alles, um die Niederburg zu einem „in“-Stadtteil zu machen.

Ein Quartier hat sich gewandelt

Die mittelalterlichen Häuser kleben in schmalen Gassen zwischen Rheinsteig, der die Niederburg vom Seerhein trennt, der vierspurigen Laube, dem belebten Münsterplatz und der Konzilstraße aneinander. An Hausfassaden ranken sich Pflanzen empor. Früher gab es noch Metzger und Bäcker und auch jede Menge Gewerbe. Der berühmteste Bäcker Richard Gandor wurde später Schauspieler und spielte in Filmen mit. Irgendwann sind Kunsthandwerker, Spezialitätenhändler, Asialaden und Kneipen in die ebenerdigen Ladengeschäfte gezogen. Es gibt Ateliers, Galerien in Innenhöfen und an vielen Ecken stehen ein Tisch und Stühle im Freien. In einem Friseurgeschäft schneidet ein Libanese Männern die Haare. Im Moment ist in der ganzen Niederburg kein einziger Laden frei. Das sagen die Mitglieder des Fördervereins Niederburg Vital e.V..

70 Aktive gehören zum Förderverein

Wer sich in der Niederburg hält, ist kein Filialist und muss ein Quentchen mehr Qualität bieten. Der Förderverein Niederburg Vital, der einmal als Projektgruppe des Stadtmarketings gestartet war, ist angetreten, um Marketing für die Niederburg zu betreiben und mehr Besucher in das „Dorf in der Stadt“ zu locken. Vor drei Jahren gehörten Andreas Fritz, Daniel Frey, Ria Welle, Roy Braunwarth, Simone Albert, Simone Dürr, Uli Fritz und Wolf Starke zu den Gründungsmitgliedern. Sie haben beschlossen, sich selbst zu helfen. Im vierten Jahr seines Bestehens hat der Verein 70 Mitglieder, unter ihnen 45 Gewerbetreibende, acht Bewohner sowie 17 Gönner in Venezien, Australien oder Neuseeland. So ganz genau wissen es die Niederbürgler nicht. Die Bodanstraße ist weit weg von der Niederburg und von der dortigen Frequenz und vom warmen Regen zum Beispiel eines Verkaufssonntags fallen auf die Niederburg nicht einmal ein paar Tropfen.

Lebendiges Dorf in der Stadt

Demnächst will sich die Niederburg unter www.niederbugr-vital.de im Internet präsentieren. Wer das Leben im Stadtteil spüren möchte, sollte aber besser spontan zu einem Gassenfreitag kommen. 2010 waren es geschätzt jeweils 700 Besucher. Jürgen Waidele spielte umsonst und darußen. Zu sehen waren Bauchtanz, Magisches Micro Theater, eine Feuershow oder Tänzer, die einen argentinischen Kampftanz vorführten. Statt eines Rattenfängers hatte ein Mäusebefreier seinen Auftritt. Andreas Fritz verwandelte den Innenhof der Weinhandlung Franz Fritz in eine Open-Air-Galerie und bat zur Weinverkostung. Die Cocktailbar zeigte eine Salsa- und Rueda-Show und die Schwarze Katz eine Feuershow. Die Fahnenschwinger der Niederburg trafen auf The Bagpipe Association of Konstanz, die die Musik ihrer Dudelsäcke durch mittelalterliche Gassen schallen ließen. Bewohner bauten Tischflohmärkte auf und alle zwei Jahre steigt ein Kulturfest am Münster. An Weihnachten dekorierte die Niederburg die Gassen mit Herrnhuter Sternen, die jeweils einen Paten haben. Auf dem Münsterplatz steht eine Tanne und an den Fassaden der Häuser  blitzen kleine Christbäume. Der Zusammenhalt und das Engagement sind groß.

Vorfreude auf Gassenfreitage und Bücherflohmärkte

Wenn es um den Ausblick auf die Aktivitäten dieses Jahres geht, stehen da die Programpunkte Ausgelassenheit, Überbrückendes, Himmlisches, Grenzenloses, Papierhaftes und Notenmäßiges. Erstmals soll es am 16. Juli und 17. September Bücherflohmärkte geben. Konstanz hat seinen großen Flohmarkt – und die Niederburg zwei besondere mit allem, was auf Papier ist. Die nächsten beiden Gassenfreitag sind für den 6. Mai und den 3. Juni geplant. Viele, die an den langen Abenden bis 22 Uhr schauen, staunen und sich vergnügen, kommen wieder, sagen die Händler und Gewerbetreibenden. Die Gassenfreitage erhöhen die Frequenz.

Der Traum von der vierten Brücke über den Rhein

Und dann wäre da noch der große Traum der Niederburg. Bewohner, Händler und Gewerbetreibende würden es gern sehen, wenn eine Fußgängerbrücke parallel zur alten Rheinbrücke die Niederbug mit Peterhausen verbinden würde. Das Quartier würde näher an den Rhein rücken, und mehr Menschen würden durch die Gassen schlendern. Seit der Fahrradverkehr auf dem Radweg an der Konzilstraße oder über die Fahrradbrücke in die Schottenstraße geleitet werde, sei die Frequenz geringer geworden. Dabei könnte die Niederburg mit ihrer einzigartigen Atmosphäre auch Fremde faszinieren.

Foto: wak

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