Konstanzer Protesttheater mit Felix Strasser: Gezi-Park ist überall

Wann warst Du zum letzten Mal auf einer Demo und hast den Tyrannen bekämpf? Felix Strasser hat mit der Evenproduktion an der Hochschule Konstanz mit seinem Shortcut-Revolusical wieder einmal ein Ausrufezeichen gesetzt. Auch die letzte Aufführung des Protesttheaters, das eine Collage aus Friedrich Schiller, Stéphane Hessel und dokumentarischen, authentischen Schnipseln auf die Bühne brachte,  war ausverkauft. Schade nur, dass es die letzte gewesen ist.

Durchs Protestcamp

Das Pubilikum betrat den Rosengarten, den Felix Strasser in den Gezi-Park verwandelt hatte. Statt durch ein Foyer zu schlendern, streunte das Publikum anfangs vorbei an Feuern, die  in Ölfässern loderten, an handgemalten Schildern mit Prostestparolen, Einmannzelten und Podesten, auf denen Redner ihren Unmut verbalisierten. Einer hockte auf dem dicken Ast eines Baumes. Wohnungsnot, Käfighaltung, Inklusion, Tyrannei, Kampf und Occupy-Atmosphäre. So ging es eine ganze Zeit.

Collageartiges Stück

Schließlich öffneten sich die Türen zum Theaterraum. Einer wollte eine Rede halten. Das Publikum drängte hinein und verteilte sich auf die Plätze. Das Spiel auf der Bühne begann. Das Ensemble startete mit einer Video-Umfrage. Was ist ein Tyrann? Wie kann man ihn bekämpfen? Und wieso? Die Wirklichkeit hatte ihren Platz in dem Theaterraum. Felix Strassers Eventproduktion zeigte eine Melange aus Schillers Ballade „Die Bürgschaft“, Stéphane Hessels „Empört Euch!“, Songs auch von John Lennon, viele live vorgetragen, einem Video-Blog über das scheinbar unbeschwerte Leben, die Leichtigkeit und Oberflächlichkeit oder – anders ausgerdrückt – einfach ausdrucksstarkes Theater. Tötet den Tyrannen.

Treue – gibt’s das?

Die Stoty ist schnell erzählt: Da ist Damon, ein einsamer Kämpfer, der aus der Masse herausragt. Er will den Tyrannen töten, scheitert und der Tyrann will ihn zur Strafe kreuzigen. Damon muss noch einmal kurz weg zur Hochzeit der Schwester. Als Geisel begibt sich im Tausch der Freund in die Fänge des Tyrannen. Wenn es Damon nicht rechtzeitig zurück schafft, tötet der Tyrann den Freund. Damon könnte sein eigene Leben retten, kehrt aber zurück. Es ist eine Geschichte von Freundschaft und Treue, eine Frage der Moral. Der Tyrann ist beeindruckt und will am Ende der Dritte im Bunde sein – wie bei Schiller.

Bravo Felix Strasser!

Gibt es Moral? Felix Strasser hatte uns durchs Protestcamp, den Gezi-Park in den Theatersaal geführt. Ideale und Gerechtigkeit, Freundschaft und Treue. Das Eintreten für Ziele und die bessere Welt. Die ästhetisch Erziehung des Menschen und die Ethik. Kriegen wir das nur noch in unseren kleinen privaten Leben hin oder auch im Großen? Oder nicht mal mehr im Privaten? Wo fängt es an politisch zu werden? „Ihr fragt Euch ernsthaft, wie ihr als Einzelne die Massen bewegen könnt, während es Euch gelingt, eine spontane Schnapsidee wie das Biernominierungsspiel millionenfach auf den sozialen Netzwerken zu verbreiten“, heißt es im Stück. Die Eventproduktion hat Anstösse gegeben. Felix Strasser, den wir noch gut mit „9/11“ in Erinnerung haben, das Stück das er mit dem Jugendclub des Theaters Konstanz auf die Bühne der Spiegelhalle brachte, möge noch viele solche Stücke inszenieren.

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