Konstanzer Rosgartenmuseum über den Mythos und das Geld fürs Startup Zeppelin

Besuch bei Tochter und SchwiegersohneKonstanz. Das Konstanzer Rosgartenmuseum erzählt die Geschichte „175 Jahre Graf Ferdinand von Zeppelin“ Der promovierte Historiker und Museumschef Tobias Engelsing hat viele Informationen zusammengetragen und sie neu geordnet. „Seine Familie hat einen erstaunlichen Aufstieg absolviert“, berichtet der Historiker. Er berichtet, woher das Kapital stammt, mit dem Zeppelin sein Startup finanzierte. Seine Frau hatte ein riesiges Vermögen mit mehreren Schlössern bei Riga und 70 000 Hektar Bauernland geerbt. Das Geld ermöglichte es dem Grafen Zeppelin die Idee eines lenkbaren Luftschiffs überhaupt zu verwirklichen. Wir veröffentlichen einen Text von Tobias Engelsing.

Angeblich der berühmteste Deutsche neben dem Kaiser

Graf Ferdinand von Zeppelin, neben Kaiser Wilhelm II. der berühmteste Deutsche seiner Zeit, galt als „Beherrscher der Lüfte“. Tobias Engelsing erzählt die Geschichte des Aufstiegs einer Familie: „Aber auch Helden haben Mütter, Väter, Geschwister und Ehefrauen: Sein Großvater Ferdinand Ludwig von Zeppelin kam einst als mitteloser mecklenburgischer Adelsspross in württembergische Militärdienste, arbeitete sich hoch und gewann das Vertrauen des Herzogs, dem er schließlich viele Jahre als Diplomat und Außenminister diente.“ Ferdinand Ludwigs Ehefrau, Pauline von Zeppelin, hatte als geborene Freiin von Maucler selbst französische Wurzeln. Als ihr Mann Gesandter am Hofe Napoleons I. war, verstand es die kluge und gebildete Frau, den launischen Korsen für sich einzunehmen.

Die Adelsfamilie

Das Paar hatte sechs Kinder. Drei Mädchen wurden an Schweizer und russische Adelsfamilien verheiratet, ein Sohn wurde Hofmeister der württembergischen Königin, ein anderer scheitere im Jurastudium, wurde österreichischer Soldat und erblindete 1848 als im italienischen Freiheitskampf eine Kanonenkugel sein Gesicht streifte. Der Älteste, Friedrich, ein feinsinniger junger Mann, studierte Jura und wurde Hofmarschall im winzigen Fürstentum Hohenzollern-Sigmaringen.

So kam Zeppelins Vater an den Bodensee

Über die Kontakte des Fürsten lernte der junge Friedrich den Exilhof von Napoleons Stieftochter Hortense auf Schloss Arenenberg am Bodensee kennen. Im Umkreis des Hofes begegnete er einer jungen Schweizerin: Amélie Macaire, Tochter eines Textilfabrikanten in Konstanz, der zudem seit Jahren Hausbankier der Ex-Königin Hortense und ihres Bruders Eugene de Beauharnais war. Die 17-Jährige verliebte sich in den charmanten schwäbischen Hofbeamten. Vater David Macaire sah großzügig darüber hinweg, dass der Bewerber kein Vermögen hatte, brachte er doch als Mitglied des württembergischen Dienstadels gute Beziehungen mit in die Ehe.

Auch bürgerliche Familienbande

Zwei Jahre nach der Hochzeit zwischen Friedrich und Amélie kam 1836 Tochter Eugenie zur Welt. Zur dieser Zeit verlor Friedrich die Lust am eintönigen Sigmaringer Hofleben. Schwiegervater Macaire, der zu den Gründern der Dampfschifffahrt auf dem Bodensee gehörte, den Neubau des Hafens betrieb, als Bankier weitgespannte europäische Netzwerke unterhielt und mit seiner Indiennes-Baumwollfärberei bedeutende Erfolge erzielte, gewann den Schwiegersohn, in das Familienunternehmen einzutreten.

Konstanzer Industriegeschichte

Doch dem Schöngeist behagten die dampfenden Bleichkessel, schuftende Frauen und Kinder in den Fabrikräumen des ehemaligen Dominikanerklosters in Konstanz (heutiges Steigenberger Inselhotel) nicht. In der harten Welt der frühindustriellen Warenwelt fand sich der junge Graf nicht zurecht. Inzwischen war 1838 auch der erste Sohn Ferdinand, der spätere Luftschiffpionier, geboren worden. Zum Weihnachtsfest 1840 hängte Schwiegervater Macaire seinem „Fritz“, wie Graf Zeppelin senior in der Familie genannt wurde, die Eigentumsurkunde für das kleine, im nahen schweizerischen Kreuzlingen gelegene Landschloss Girsberg an den Weihnachtsbaum.

Zu Weihnachten das Landschloss Girsberg

Fortan lebte die kleine Familie, zu der 1842 noch der jüngste Sohn Eberhard kam, auf dem Landgut. Vater Fritz leitete die kleine Gutswirtschaft und widmete sich, was damals in Adelskreisen gänzlich unüblich war, selbst der Erziehung und Bildung seiner Kinder. Ein junger evangelischer Theologe wurde als Hauslehrer angestellt, der den Kindern ein intensives, am Lehrstoff des Gymnasiums orientiertes Pensum vermittelte. Stetige Gewissenserforschung und protestantische Arbeitsethik prägten die Erziehung der Kinder. Sowohl Ferdinand als auch seine Schwester Eugenie und Bruder Eberhard blieben ihr Leben lang von diesem Leistungsdenken und von evangelischer Frömmigkeit geprägt.

Von der Bildung und der Hasenjagd

Neben der schulischen und sittlichen Bildung wurde im Hause Zeppelin viel gelesen. Die beiden Söhne wurden angehalten, Sport zu treiben, der Vater nahm sie auf ausgedehnte Wanderungen mit und sie lernten auf der Hasenjagd den Umgang mit der Schrotflinte.

Zeppelins Mutter starb jung

Die familiäre Idylle zerbrach, als die Mutter der Kinder nur 36jährig nach qualvoller Leidenszeit in Montpellier an Tuberkulose starb. Vater Fritz brach daraufhin die Zelte am Bodensee ab: Er sah für seine halbwüchsigen Kinder dort weder berufliche Chancen noch die Möglichkeit, standesgemäß zu heiraten. Denn eines hatten diese Adligen mit Migrationshintergrund früh gelernt: Wer es in der konstitutionellen Monarchie Württemberg zu etwas bringen wollte, musste gut ausgebildet sein, Fremdsprachen sprechen und über exzellente Beziehungen zum Hof verfügen. So lange er lebte kümmerte sich Vater Fritz von Zeppelin um die richtigen Netzwerke für seine Kinder. Eugenie wurde 1860 mit dem schwäbischen Baron Wilhelm von Gemmingen verheiratet. Sie, die sittenstrenge und zugleich warmherzige, humorvolle Schwester, blieb ein Leben lang das moralische Gewissen der Familie und eine wichtige Beraterin ihrer Brüder. Ferdinand absolvierte die Ludwigsburger Kriegsschule und wurde Berufsoffizier, mit wohlwollender Förderung durch den König. Der Jüngste, Eberhard, studierte Jura und trat in den diplomatischen Dienst Württembergs ein.

Eine gute Partie für „Ferdi“

Dieser Zeppelin, ein standesbewusster und adelsstolzer Konservativer, erweitere den europäischen Gesichtskreis der Familie, als er die junge baltische Baronesse Sonja von Wolff heiratete, die er in der Stuttgarter Hofgesellschaft kennen gelernt hatte. Deren Cousine Isabella fand Gefallen am älteren Bruder Ferdinand. Als der etwas linkische „Ferdi“ endlich den Mut fand, um ihre Hand anzuhalten, hatte er die Gefährtin seines Lebens gefunden und zugleich eine außerordentlich gute Partie gemacht: Isabella sollte rund 20 Jahre später Erbin des sagenhaft großen Vermögens ihres kinderlos verstorbenen Bruders Heinrich werden, der über mehrere Schlösser bei Riga und 70 000 Hektar Bauernland geherrscht hatte. Die Erträge aus diesem Vermögen trugen nach 1890 wesentlich dazu bei, dass Graf Ferdinand von Zeppelin seine Idee eines lenkbaren Luftschiffs überhaupt verwirklichen konnte.

„Ferdi“ zurück am Bodensee

Während Ferdinand bis zu seiner jähen Verabschiedung aus dem aktiven Militärdienst nach einer schriftlich vorgetragenen Kritik an seinen preußischen Vorgesetzten eine gleichförmig verlaufende Karriere als Berufsoffizier absolvierte, kehrte sein jüngerer Bruder Eberhard an den Bodensee zurück: Dort war 1867 der letzte Macaire gestorben und ein Familienmitglied sollte die Nachfolge im kleinen Firmenimperium antreten. 1874 stellte der neue Chef, Graf Eberhard von Zeppelin, die nicht mehr lukrative Indiennes-Färberei ein. Gemeinsam mit seinem Bruder erkannte er, was der Zeitgeist verlangte: Aus dem alten Dominikanerkloster auf einer Insel vor der Stadt Konstanz gestalteten die Brüder mit Hilfe des renommierten Stuttgarter Star-Architekten Otto Tafel das erste Luxushotel am Bodensee. Bald schon war das vornehm ausgestattete Haus direkt am Seeufer Lieblingshotel mehrerer gekrönter Häupter und Mitglieder des europäischen Hochadels. Der sommers auf der Mainau residierende badische Großherzog kam zu Gast und lud die Zeppelins zu sich ein.

Heimkehr des jungen Paares

Dritte Generation investierte

Die dritte Generation der württembergisch gewordenen Zeppelins hatte sich, wie der Großvater, den Zeitverhältnissen angepasst: Sie hatten teils bürgerliche Berufe ergriffen, wurden Unternehmensgründer, legten ihr Geld in Eisenbahnprojekten und Industriebeteiligungen in ganz Europa an und unterhielten ein europaweites Beziehungsnetz, das ihnen und ihren Nachkommen zu Gute kommen sollte.

1900 die erste Zigarre am Himmel

Und einer von ihnen stieg nach zehnjährigen Versuchen an einem warmen Julitag des Jahres 1900 mit einer silbern glänzenden Zigarre in den Himmel über dem Bodensee auf. Ferdinand von Zeppelin ist bis heute der berühmteste Spross seiner Familie, aber nicht der einzige, der Beachtliches geleistet hat.

Über die Bilder

Die Großelterngeneration: Ferdinand Ludwig von Zeppelin war Zuwanderer aus Mecklenburg nach Württemberg. Dort avancierte er vom einfachen Soldaten zum Außenminister. Das Familienporträt zeigt ihn mit seiner Frau Pauline und den ersten beiden ihrer insgesamt sechs Kinder.

Heimkehr des jungen Paares: Ferdinand und Isabella von Zeppelin (im Fenster) werden nach ihrer Heirat 1869 auf dem Schweizer Familiensitz Schloss Girsberg von Vater, Geschwistern und Tante empfangen.

Hier geht’s zum Programmflyer Zeppelin_Flyer

Fotos: Archiv Brandenstein-Zeppelin, Archiv Luftschiffbau Zeppelin GmbH, Archiv , Rosgartenmuseum Konstanz

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  1. Konstanzer Rosgartenmuseum lädt zum Museumsfest: Schlemmen, Stöbern, Staunen | See-Online.info - 19. Juli 2013

    […] Innenhof geschlemmt werden. Die Städtischen Museen bieten Führungen durch die Sonderausstellungen „Die Zeppelins – Eine Adelsfamilie am Bodensee“ und „Einfach himmlisch! Die Malerin Marie Ellenrieder. 1791 – 1863“ an und geben Einblick in […]

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