Konstanzer SPD-Landtagskandidatin bei Überfall verletzt

Übergriff auf SPD-Landtagskandidatin in ihrem Büro in Konstanz – Ermittler sprechen von politisch motivierter Straftat

Konstanz. Am Dienstagabend gegen 19 Uhr ist die Kandidatin der SPD für den Wahlkreis Konstanz, Zahide Sarikas, in ihrem Büro in der Kreuzlinger Straße in Konstanz überfallen worden. Die 46-Jährige wollte eine halbe Stunde später an einem Podiumsgespräch im Konstanzer Wolkensteinsaal teilnehmen, zu dem die Konstanzer Umweltverbände eingeladen hatten.

 

Angreifer stieß Landtagskandidatin nieder

Über den Tatablauf wissen die Ermittler bisher nur, dass der Angreifer den kleinen Raum, den die SPD als logistisches Zentrum, Büro und Lager nutzt, betreten hat. Der bislang unbekannter junge Mann verwickelte die Landtagskandidatin zunächst in ein Gespräch mit politischem Inhalt. Schließlich bedrohte er die türkischstämmige Landtagskandidatin der SPD und stieß sie nieder. Aufgrund der Gesamtumstände sei von einer politisch motivierten Straftat auszugehen. Das teilten Polizei und Staatsanwaltschaft mit.

Zahide Sarikas bei Übergriff verletzt

Zahide Sarikas erlitt Verletzungen und musste ärztlich betreut werden, heißt es in der Mitteilung von Polizei und Staatsanwaltschaft. Aus SPD-Kreise war gestern Abend noch zu hören, dass die Kandidatin unter Schock stehe und sich im Krankenhaus befinde. Ein Mitarbeiter des Wahlkampfteams hatte Zahide Sarikas bei der Veranstaltung des BUND entschuldigt. Der Wahlkampfhelfer hatte Sarikas Abwesenheit mit dem Hinweis auf einen Todesfalls in ihrem Freundeskreis erklärt.  Das war offenbar aber nur die halbe Wahrheit. Tatsächlich sei eine enge Freundin von Sarikas überraschend gestorben, hieß es aus dem SPD-Wahlkampfteam. Diese Nachricht hatte Sarikas am Tag des Überfalls erreicht. Nicht kommen konnte sie aber, weil sie zu diesem Zeitpunkt Opfer eines brutalen Überfalls geworden war.  Noch am Abend richtete die Kriminalpolizei Konstanz eine Sonderermittlungsgruppe ein.

Zahide Sarikas in Ostanatolien geboren

Zahide Sarikas ist 46 Jahre alt, geboren in Elbistan in Ostanatolien in der Türkei. Sie hat eine Ausbildung zur Erzieherin gemacht und arbeitet im Döner-Restaurant ihrer Familie in der Kreuzlinger Straße mit. Das Restaurant befindet sich nur wenige hundert Meter vom Büro entfernt. Zusammen mit ihrem Mann und ihrem Sohn wohnt Zahide Sarikas in einer Mietwohnung in Konstanz-Staad.

Wahlkampfthema Integration

Das wichtigstes Wahlkampfthema der gebürtigen Kurdin ist das Thema Integration. Zuletzt hatte sie bei einer Podiumsdiskussion im Berchengebiet erzählt, wie sie mit 14 Jahren als Gastarbeiterkind nach Deutschland kam. Seit 32 Jahren lebt sie hier. „Die 14 Jahre in der Türkei sind enorm groß“, sagte sie bei der Diskussion. Sie sei in den Augen vieler noch immer eine Fremde. „Ich bin eigentlich hier zu Hause“, so Zahide Sarikas an dem Abend. 30 Prozent der Konstanzer Bevölkerung habe einen Migrationshintergrund. Bei den unter 18-Jährigen seien es 46 Prozent und bei den unter Dreijährigen 50 Prozent.

Gegen islamistischen Hassprediger positioniert

Im Dezember hatte sich Zahide Sarikas klar gegen einen geplanten Auftritt des Missionars und islamistischen Hasspredigers Pierre Vogel positioniert. Sarikas: „Ich halte Prediger wie Vogel für gefährlich, er propagiert Abgrenzung und religiöse Intoleranz”, so Zahide Sarikas. Es reiche nicht aus, nur seine Auftritte zu behindern. Demokraten müssten sich offensiv mit den Inhalten auseinandersetzen ahtte Sarikas gefordert. Sie hatte den Aufruf „Dialog statt Hass“ gegen Vogel initiiert.

 

4 Kommentare to “Konstanzer SPD-Landtagskandidatin bei Überfall verletzt”

  1. Ute Hauth (Kandidatin Piratenpartei)
    16. März 2011 at 09:43 #

    Zuerst: Gute Besserung an Zahide, die hoffentlich bald wieder gesund ist.
    Zweitens: Egal wer, es ist absolut schockierend, wenn es aus welcher Motivation auch immer zu einem gezielten körperlichen Angriff auf eine Kandidatin kommt.
    Ich drücke die Daumen, dass der Täter möglichst umgehend gefasst werden kann.

  2. Lothar Herzog
    16. März 2011 at 10:50 #

    Das darf doch nicht wahr sein. Die Vertreterin einer demokratischen
    Partei wird in Konstanz überfallen.
    Es gibt Grenzen die man nicht überschreiten sollte, darf. Dazu ist es
    nun gekommen. Ich frage mich immer wieder. Ist körperliche Gewalt
    wirklich das letzte Mittel.
    Gute Besserung Frau Sarikas.

  3. Beobachter
    16. März 2011 at 11:55 #

    „Über den Tatablauf wissen die Ermittler bisher nur, dass der Angreifer den kleinen Raum, den die SPD als logistisches Zentrum, Büro und Lager nutzt, betreten hat. Der bislang unbekannter junge Mann verwickelte die Landtagskandidatin zunächst in ein Gespräch mit politischem Inhalt. “

    Na, ein bißchen mehr werden die Ermittler schon wissen. Was war der politische Inhalt des Gesprächs? Ein Rechter wird es wohl nicht gewesen sein, sonst wären Polizei, Politik und Medien nicht so zurückhaltend mit der Täterbeschreibung.

  4. Religionsbehörde
    16. März 2011 at 20:59 #

    Die Sympathisanten von Pierre Vogel befinden sich derzeit tatsächlich in Aufruhr. Und zwar seit dem Attentat in Frankfurt. Danach gab es ein großes Treffen in ihrer Hochburg Mönchengladbach. „Zufälligerweise“ wurde Pierre Vogels Busenfreund Sven Lau an diesem Tag „von Nazis überfallen“ . Pierre Vogel sprach danach von „Mordanschlag“, „Lynchen“ usw. und bat die Umma um Unterstützung für den Kampf gegen den Unglauben. Vor ein paar Tagen haben sie gegen die Bürger und Presse in der Stadt gehetzt. Die Szene scheint momentan ziemlich aufgewühlt zu sein. Jetzt hat sich ihr Imam gerade abgeseilt und macht sein eigenes Ding.

    Hier wurde alles über Pierre Vogel und die Salafisten akribisch gesammelt:

    http://religionsbehoerde.wordpress.com/tag/salafisten/

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