Konstanzer Stadtmarketingchef Hilmar Wörnles Saltos ohne Netz

Konstanzer Stadtmarketing wünscht mehr Sicherheit – Stadt soll Fehlbeträge ausgleichen

Konstanz. Als sich der Konstanzer Stadtmarketingchef Hilmar Woernle zum ersten Mal ans Trapez hängte, machte er den Salto Mortale ohne Netz. Die Bilanzsumme der Stadtmarketing GmbH, bei der die Stadt größter Gesellschafter ist, hat sich der Gründung im Jahr 1999 von 250.000 Euro auf aktuell rund 1,2 Millionen Euro erhöht und damit fast verfünffacht. Die Aktivitäten der Stadtmarketing GmbH haben stark zugenommen. Das Risiko ist mit gewachsen. Jetzt hofft Geschäftsführer Hilmar Wörnle, dass ihm die Stadt ein Netz in seiner Manege spannt.

Gesellschafter des Stadtmarketings

Die Stadt Konstanz hält an der Gesellschaft einen Anteil von 50 Prozent des Gesellschaftskapitals. Weitere Gesellschafter sind Nycomed GmbH, Sparkasse Bodensee, Siemens AG Logistikautomatisierung, Pirelli & C. Real Estate Deutschland GmbH, Mainau GmbH, Tourist Information Konstanz GmbH, Förderverein Stadtmarketing Konstanz e.V.und EDEKA Frischemärkte Baur. Haupt-Sponsoren sind: Ingun Prüfmittelbau GmbH, Karstadt Konstanz, Metzgerei Otto Müller, Ruppaner Brauerei, Seerhein Gastronomie und Stadtwerke Konstanz GmbH.

Wörnle will Investitionssicherheit

Gemäß Gesellschaftsvertrag gewährt die Stadt der Stadtmarketing GmbH pro Jahr einen Zuschuss von derzeit 135.400 Euro. Die Bilanzsumme der Stadtmarketing GmbH hat sich seit ihrer Gründung zwar auf rund 1,2 Millionen Euro erhöht, der Zuschuss aber blieb fast unverändert. Durch Genehmigungen und Gebühren fließt sogar ein Teil des Geldes auch noch in die Stadtkasse zurück. Die Aktivitäten des Stadtmarketings erzeugen pro Jahr eine hohe Wertschöpfung, die ein Vielfaches des Zuschusses beträgt. Die Geschäftsführung wünscht sich nun aber mehr Investitionssicherheit auch für Events wie den Flohmarkt oder das Kinderfest, die für das Konstanzer Image wichtig sind.

Stadt will sich engagieren

Die Stadtverwaltung will helfen und schlägt dem Gemeinderat deshalb vor, dass sich die Stadt, falls sich bei einem der Projekte ein Fehlbetrag ergibt, finanziell engagiert und das Minus beim Jahresabschluss ausgleicht. Mit einer Art „Ausfallbürgschaft“ möchte die Stadt Konstanz somit also vermeiden, dass das Stadtmarketing im schlimmsten Fall handlungsunfähig oder gar insolvent werden könnte. Die „erfreuliche Entwicklung“ der Stadtmarketing Konstanz GmbH bedürfe einer Anpassung in der Kooperationsform und im -umfang mit der Stadt Konstanz, heißt es nun in einer Vorlage für den Haupt- und Finanzausschuss.

Risiko auf Private verteilen

Für Großprojekte solle eine größere Risikostreuung aufgebaut werden. Dies könne auch durch die Übernahme von „Privatbetreibern“ erfolgen. Bei Fehlbeträgen für genau definierte Projekte des Stadtmarketings soll beim Jahresabschluss dann eine Entscheidung über einen Verlustausgleich durch die Stadt erfolgen. Ferner soll die Gesellschafterstruktur der Institution erweitert werden und die Wirtschaftsförderung dem Stadtmarketing auf die Finger schauen. In der Vorlage ist von einem einem „Berichtswesen und Controlling“ durch die Wirtschaftsförderung die Rede.

Bürger identifizieren sich

Die Stadtmarketing Konstanz GmbH wurde 1999 gegründet. In den vergangenen 13 Jahren hat sich, so sieht es die Stadt heute, das Stadtmarketing sehr positiv entwickelt und habe mit anderen Institutionen die „wirtschaftliche Positionierung“ und Entwicklung des Wirtschaftsstandortes Konstanz vorangebracht. Die Aktivitäten des Stadtmarketing hätten auch zu einer stärkeren Identifikation der Bürger mit ihrer Stadt geführt.

Sponsoring kommt an Grenzen

Die öffentliche Wahrnehmung der Arbeit der Stadtmarketing GmbH werde stark durch die großen Projekte wie GEWA, Flohmarkt, Kinderfest, Oldtimer und Verkehrsservice geprägt, heißt es in einer Mitteilung der Stadt. Ein hoher Arbeitsaufwand sei nötig, um Unternehmen und Bürger zu beraten sowie für die Entwicklung von Konzepten und die Projektbegleitung. Dies könne nicht mehr über die Projekterträge und den Gesellschafterzuschuss refinanziert werden. Auch gebe es im Rahmen der Drittmittelakquise (Sponsoring) für die Stadtmarketing GmbH Grenzen des politisch Akzeptablen. Bei allen Erfolgen sei zu berücksichtigen, dass die Stadtmarketing GmbH hier als ein starker Mitbewerber für andere spenden- und sponsoringabhängige Institutionen in Konstanz gesehen werde.

Ein Kommentar to “Konstanzer Stadtmarketingchef Hilmar Wörnles Saltos ohne Netz”

  1. Fafnir
    16. April 2012 at 16:15 #

    Das Engagement des Stadtmarketings in Ehren. Aber ich kann nicht auf Anhieb sagen, wofür das Stadtmarketing eigentlich steht. Werbung für die Stadt? Für Touristen, für Unternehmen? Bespaßung der Einwohner? Selbstbeschäftigung? Weihnachtsmärkte verbessern? Verkehrskadetten aufstellen? Und was macht eigentlich die Wirtschaftsförderung? Gehört das nicht besser zusammen? Die vom Stadtmarketing haben zwar ein paar tolle Ideen, aber gemäß den Projektbeschreibungen auf deren Webseite hört sich vieles leider nach heißer Luft an und ist irgendwie unnütz. Weniger ist mehr. Dann bleibt auch das finanzielle Risiko überschaubar. Die Leute dort sind bestimmt gut, aber wenn das Risiko zu groß wird, sollten die einen Gang zurückschalten. Denn wenn die Stadtkasse bei Fehlbeträgen einspringen soll, braucht man eigentlich keine GmbH mehr. Können überhaupt Wirtschaftsförderung und Stadtmarketing dafür sorgen, daß Unternehmen nach Konstanz kommen und die Wirtschaft gefördert wird, wenn die Rahmenbedingungen nicht stimmen? Firmen hauen doch aus Konstanz reihenweise ab oder machen einen großen Bogen um die Stadt.

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