Konstanzer Stadttheater zeigt Kleist-Stück über Wutbürger

Premiere von Michael Kohlhaas am 2. April in der Spiegelhalle

Konstanz. Als das Konstanzer Theater entschieden hat, Kleist zu spielen, war der Wutbürger noch nicht in aller Munde. Der Anlass, Michael Kohlhaas auf die Bühne zu bringen, war ein anderer. 2011 feiert die Welt den 200 jährigen Todestag von Heinrich von Kleist. Ein guter Grund, einen Blick auf die Kleist’schen Texte zu werfen und ihre Aktualität zu überprüfen, fand das Theater. Regisseur Mario Portmann nimmt sich den Michael Kohlhaas vor und untersucht mit einer eigenen Fassung den dramatischen Sprengsatz, der in diesem Text liegt. Premiere von Michael Kohlhaas ist am 2. April um 20 Uhr in der Spiegelhalle.

Zum Stück

Was passiert, wenn der Kleinbürger den Schrebergarten verlässt, die Flinte schultert und für seine Gerechtigkeit kämpft? Kleists Text, 1810 erstmals vollständig veröffentlicht, erzählt die Geschichte eines rechtschaffenen Pferdehändlers, dem eines Tages ein übler Streich gespielt wird und dessen Gerechtigkeitsempfinden daraufhin ins Wanken gerät. Weil sich die korrupte Justiz nicht auf seine Seite stellt und für die Widergutmachung seiner Schmach einsetzt, bleibt ihm scheinbar nichts anderes übrig, als selbst den Übeltäter, den Wenzel Junker von Tronka, zu fangen und zu bestrafen. Eine wilde Hetzjagd beginnt, in der Städte in Brand aufgehen, Unschuldige sterben und die Gerechtigkeit empfindlich in Frage gestellt wird: wie weit darf der Einzelne gehen, sein Recht einzufordern?

Zur Inszenierung

Neben Protestlern um Stuttgart 21, revolutionären Wikileaks-Rächern sowie Ägyptern und Lybiern, die auf die Straße gehen, um Regime zu stürzen, sind die Ausuferungen eines Michael Kohlhaas nur eine weitere Steigerung. Mario Portmann rollt mit seinem Schauspielensemble den Fall Kohlhaas dramatisch auf und untersucht szenisch und musikalisch wie vieler Schritte es bedarf, ein geordnetes und bürgerliches Ambiente in Revolution und Terror umschlagen zu lassen. Eine Studie, die aktueller kaum sein könnte, in einer Inszenierung, die den Text und die Gewaltwut sinnlich greifbar und fassbar macht.

Inszenierung Mario Portmann;|Ausstattung Stefan Testi;| Musik & Klang Jan Beyer, Jörg Wockenfuß;| Korrepetition Stefan Leibold; Choreografie Julieta Figueroa; Dramaturgie Kerstin Daiber; Theaterpädagogik Sarit Streicher. Mit Alissa Snagowski; Ralf Beckord, Otto Edelmann, Andreas Haase, Thomas Fritz Jung, Georg Melich

Weitere Termine: 10.00 Uhr: 06.04., 11.04., 12.04., 13.04; 19.30 Uhr: 03.05., 05.05.; 20.00 Uhr: 07.04., 09.04., 15.04., 16.04., 19.04., 20.04., 21.04., 23.04., 28.04., 29.04.; 07.05., 08.05.2011;

Foto: Bjørn Jansen Stadttheater Konstanz

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