Konstanzer Stadtverwaltung 1933 in Nazi-Stukturen doch viel verstrickter

Antrittsvorlesung von Privatdozent Dr. Jürgen Klöckler über Stadtverwaltung in Nazi-Zeit– Auch Alt-OB Bruno Helmle geriet bei Forschungsarbeit in den Fokus

Bruno HelmleKonstanz. Wie haben sich in Deutschland öffentliche Verwaltungen im Frühjahr 1933 verhalten? Dieser Frage geht der Historiker Privatdozent Dr. Jürgen Klöckler in seiner Antrittsvorlesung „Selbstbehauptung durch Selbstgleichschaltung“ an der Universität Konstanz nach. Offenbar war Klöckler bei seiner wissenschaftlichen Arbeit überraschend auch auf den Namen Bruno Helmles gestoßen. Die Rolle des früheren Konstanzer Oberbürgermeisters in der Nazi-Zeit müsste wissenschaftlich beleuchtet werden, hieß es seitens Konstanzer Historiker. „Selbstbehauptung durch Selbstgleichschaltung. Die Konstanzer Stadtverwaltung im Nationalsozialismus“ ist nun Titel der Vorlesung Klöcklers am Montag, 23. Januar, 2012, um 20.15 Uhr an der Universität Konstanz in Hörsaal A 703.

Stadtverwaltung nicht nur Mitläufer

Klöckler kommt zum Ergebnis, dass die Kommunalverwaltungen der Stadt Konstanz selbst zum aktiven Teil nationalsozialistischer Machtausübung wurden und nicht – wie bislang vermutet – „widerspruchslose Vollstrecker“ des übergeordneten Willens der großen wie kleinen „Führer“ im Reich und in der Provinz waren, heißt es in einer Medienmitteilung der Konstanzer Universität. In einem beispiellosen Akt der Selbstanpassung, so wird Klöckler ausführen, kooperierten sie mit den neuen Machthabern mit dem Ziel der Krisenüberwindung durch Schaffung stabiler Herr-schaftsstrukturen. Die in ihren Ämtern verharrenden Funktionseliten der Beamten seien durch ideologische Selbstgleichschaltung Teil des polykratischen NS-Herrschaftssystems geworden. So hätten sie durch Initiative von unten zur Radikalisierung der NS-Politik nicht unwesentlich beigetragen.

Ergebnisse der Habilitationsschrift

Jürgen Klöckler, Leiter des Stadtarchivs Konstanz, geht in seiner Antrittsvorlesung im Wesentlichen auf die Ergebnisse seiner Habilitationsschrift „Die Konstanzer Stadtverwaltung im Nationalsozialismus. Zur Radikalisierung von Verwaltungshandeln durch Selbstgleichschaltung und administrative Normalität im polykratischen NS-Herrschaftssystem“ ein.

Foto: Archiv Leipold

 

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