Konstanzer Stadtwerke haben in Wirtschaftskrise zu teuer getankt

Linke Liste kritisiert angeblich riskante „Spekulationsgeschäfte“ der Stadtwerke – Vorwurf ist laut Insider falsch

Konstanz. Die Stadtwerke Konstanz hätten sich auf riskante SWAP-Spekulationen eingelassen. Ergebnis sei ein Verlust von zwei Millionen Euro. Die Linke Liste Konstanz fordere, dass solch fragwürdige Wetten auf Marktentwicklungen, die in aller Regel auf Kosten der Bevölkerung gingen, umgehende eingestellt würden. Das steht so in einer Pressemitteilung der Linken Liste Konstanz. Nur einen Schönheitsfehler hat die aufsehenerregende Nachricht. Der Vorwurf ist so nicht richtig. Das sagten gestern Abend zwei Insider unabhängig von einander. 

Linke Liste plaudert aus nicht-öffentlicher Sitzung

Zwei Millionen Euro Verlust hätten die Stadtwerke Konstanz im vergangenen Jahr mit so genannten SWAP-Geschäften eingefahren. Diese Zahl plauderte die Linke Liste Konstanz aus einer nicht-öffentlichen Sitzung des Gemeinderats aus. Es seien Verluste, für die Konstanzer Bürger als Stadtwerke-Kunden und Steuerzahler wohl einstehen müssten. „Über diese hoch spekulativen Geschäfte – offensichtlich wurden Zahlungsverpflichtungen beim Sprit-Kauf getauscht, spekulierten die Stadtwerke auf günstige Dieselpreise für Bus und Fähre“, heißt es. Der Gemeinderat sei über den vermeintlichen Skandal nur in nicht-öffentlicher Sitzung informiert worden.

Wirtschaftskrise machte Strich durch Rechnung

Nach Informationen von See-Online schlossen die Stadtwerke tatsächlich eine Vereinbarung zu Absicherung des Dieselpreises. Das gilt aber nicht als spekulativ. Es handelt sich eher um eine gängige Praxis. Wäre der Preis nach oben geschnellt, hätten die Stadtwerke den Sprit für ihre Busse, Schiffe und Autofähren etwas günstiger als zum Marktpreis einkaufen können. Alles andere wäre ein unkalkulierbares Risiko, sagte ein Insider. Das sei so im Aufsichtsrat besprochen worden. Wegen der Weltwirtschaftskrise war der Sprit am Markt aber 2009 zum Nachteil der Stadtwerke günstiger zu haben als zum beim Deal festgelegten, abgesicherten Preis. Deswegen kauften die Stadtwerke den Treibstoff in Krisenjahr teurer ein.

Keine Alternative zu Dieselpreisabsicherung

Ein Insider sagte See-Online, die Stadtwerke hätten aber gar keine andere Wahl als ihren Dieselpreis „abzusichern“. Ansonsten wäre es aufgrund schwankender Preise am Markt gar nicht möglich, Bus- und Fährepreise im voraus festzulegen. Die Preise müssten dann jeweils kurzfristig angepasst werden. Die Finanzplanung der Stadtwerke würde in diesem Fall einem Kartenhaus gleichen. Selbst eine externe Prüfungsgesellschaft riet den Stadtwerken, ihren Dieselpreis abzusichern. Verluste habe es nicht wirklich gegeben – der „abgesicherte“ Dieselpreis war ja bereits in die Kalkulation von (höheren) Fahrpreisen eingegangen, so ein Insider. Kritisch nachgefragt hatten im Gemeinderat übrigens die Freien Wähler.

Linke Liste Konstanz: Steuergelder verzockt

In einer Pressemitteilung kritisiert die Linke Liste Konstanz nun nicht nur die angebliche „Geheimniskrämerei“ von Stadtwerken und Stadtverwaltung, wenn es um Verlustgeschäfte gehe, sondern auch die Art dieser Geschäfte. „Steuergelder dürfen nicht für Spekulationen verzockt werden“, moniert die LLK. Auf den Einwand von Stadtwerke-Geschäftsführer Konrad Frommer, dabei handele es sich um „überall übliches Geschäftsgebaren“ kontert die LLK mit dem Hinweis: Gerade in jüngster Vergangenheit hätten zahlreiche Kommunen mit „derart üblichen Geschäften, seien es nun Cross-Border-Leasing- oder Derivatgeschäfte, Millionen-Verluste eingefahren“. Wenn das als „üblich“ eingestuft werde, müsse um die Geschäftsfähigkeit der Stadtwerke Konstanz gefürchtet werden.

Dieselabsicherung wie Versicherung

Pforzheim, Stuttgart, Würzburg, Gelsenkirchen, Hagen oder Friedrichshafen – dort ist die Zeppelin-Stiftung betroffen – klagen aktuell über Millionen-Verluste durch SWAP-Deals. Dort immerhin, so die LLK, werde über die Probleme offen und öffentlich diskutiert. Eine Art der Problemlösung, die auch in Konstanz auf der Tagesordnung stehen sollte, meint die LLK. Blödsinn, sagte dazu ein Insider. Die Dieselpreisabsicherung sei wie eine Versicherung. „Wenn es nicht brennt, kostet eine Feuerversicherung nur“, so ein Insider. Im Falle der Dieselpreisabsicherung sei es nichts anderes.

Foto: wak

2 Kommentare to “Konstanzer Stadtwerke haben in Wirtschaftskrise zu teuer getankt”

  1. Bruno Neidhart
    2. Februar 2011 at 10:41 #

    Wie wenn die Linken vom „Wirtschaften“ viel verstehen würden! Die meisten L-Systeme haben bekanntlich längstens „abgewirtschaftet“. Es handelt sich in der Sache nicht um „Wetten auf Marktentwicklungen“, sondern um Kalkulationsgrundlagen. Solche „Deals“ sind in vielen Kommunen wohl üblich. Man kann das natürlich „demokratisch“ in Frage stellen und dazu Mehrheiten suchen. Das „Whistleblowing“ ist in diesem Zusammenhang allerdings ein zweifelhaftes politisches Feld mit arg populistischem Flair.

  2. Kontrolleur
    2. Februar 2011 at 16:53 #

    Sehr lustig. Die linke Rasselbande empört sich über das „Verzocken von Steuergeldern“. Aus! Ge! Rechnet! Die Finanzexperten der Linken Liste Konstanz müssen es ja wissen. Völlig losgelöst von den eigenen bescheidenen Fähigkeiten ist ein kräftiger Stoß ins Populistenhorn allemal einem seriösen Statement vorzuziehen.

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