Konstanzer Südkurier startet mit Bazahlschranke

suedkurierKonstanz. Der Südkurier im Web ist nicht mehr vollständig kostenfrei. Das Medienhaus bietet ein neues Angebot, das den Namen „SK Plus“ trägt. Mitglieder dieser Community erhalten, wie der Südkurier schreibt, ein „erweitertes Angebot an Nachrichten, Information, Interaktion und Service“. Die Regionalzeitung verspricht ihren zahlenden Online-Lesern einen Mehrwert, den Nicht-Zahler nicht haben sollen. 

Versuche mit Bezahlschranken

Immer mehr Verlage experimentieren mit freundlich ausgedrückt kostenpflichtigen Gateways zu ihrem journalistischen Angebot oder aber weniger euphemistisch gesagt mit Paywalls oder Bezahlschranken. Wer beispielsweise gelegentlich einen Beitrag in der NZZ online lesen möchte, kann das weiterhin kostenfrei tun. Die ersten 20 Seitenaufrufe sind gratis. User, die mehr lesen möchten, sollen aber bezahlen. Die Macher der NZZ kämpften, wie der Bund berichtet, nach Einführung der Bezahlschranke zunächst mit einem Minus bei den Lesern. Die Zahlen sollen aber besser werden.

So macht’s die taz

Die Berliner taz können sich Leser im Netz hingegen weiterhin kostenlos anschauen. Allerdings fragt die taz bei jedem Seitenaufruf: „Ist Ihnen dieser Artikel etwas wert?“. Die User haben drei Möglichkeiten, darauf zu reagieren: „JA, ich will freiwillig für taz.de zahlen, NEIN, jetzt nicht oder Ich zahle schon regelmäßig.“

Südkurier OB-Wahl Flop

Im vergangenen Jahr hatte der Südkurier bereits einen Testballon gestartet. Ausgerechnet während des OB-Wahlkampfes 2012 bot die Heimatzeitung ihren Online-Lesern kostenpflichtige Inhalte an. Wer Beiträge über die OB-Wahl lesen wollte, sollte zahlen.

Regionalzeitung ködert mit Mehrwert

Etwa ein Jahr später unternimmt die Zeitung nun einen neuen Anlauf. Da die Zahl der Abonnenten von Printzeitungen schrumpft, müssen Verlage dringend neue Geldquellen erschließen. Der Südkurier preist sein neues Angebot so an: „Die Homepage suedkurier.de wurde im Zuge der Einführung von SK Plus komplett überarbeitet und neu konzipiert. Neben einem Mix aus Nachrichten, Unterhaltung und Tipps finden registrierte Mitglieder unter der Marke SK Plus ab sofort eine große Themenvielfalt exklusiver Inhalte und Vorteile.“ Die Heimatzeitung verspricht „kompetenten Journalismus aus der Region für die Region.“ Anders ausgedrückt: Premium Content soll auch in Konstanz nicht mehr verschenkt werden. Ob der Südkurier die Latte Premium Content überspringt, sie reißt oder gar unten durch hopst, werden die Nutzerzahlen zeigen. Wer bezahlte Inhalte lesen will, kann sich auf der Homepage anmelden. Zahlen geht dann über Lastschrift, Kreditkarte oder Paypal.

Nachrichtenportale probieren’s

Wer schon Abonnent des Südkurier ist, zahlt fürs neue Angebot 99 Cent im Monat. Alle anderen wären mit 9,90 Euro dabei. Nach Angaben des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) sollen mittlerweile etwa 40 deutsche Nachrichtenportale den Content im Web ganz oder teilweise bezahlpflichtig gemacht haben.

Viele wollen nachziehen

Geld verlangt zum Beispiel die Welt Online. Zudem will der Axel-Springer-Verlag auch für bild.de demnächst eine Hürde aufbauen. Online-Ausgabe von „Bild“ soll nur noch teilweise kostenfrei sein. Auch Verlage wie die Süddeutsche Zeitung und die FAZ wollen noch in diesem Jahr folgen.

Gratis-Kultur sehr etabliert

Dass journalistische Inhalte, Recherche und Aufbereitung von Nachrichten, insbesondere fundierte Hintergrundberichte oder Reportagen und ansprechende Pressefotos Geld kosten, ist klar. Ob es die Zeitungsverlage aber noch schaffen, das Ruder herumzureißen und die Gratis-Kultur zu beenden, ist wenigstens fraglich. User haben sich daran gewöhnt, Häppchen zu konsumieren und weiterzuklicken. Eine Chance haben Bezahlangebote, wenn überhaupt, nur, wenn sie herausragenden, exklusiven Content bieten. Einer Süddeutschen Zeitung ist das zuzutrauen, ob es kleine Regionalzeitungen, die Redaktionen zusammengeschrumpft haben, schaffen, müssen sie erst noch beweisen. Rächen wird sich nun auch, dass Werbung im Web zu häufig verschleudert worden ist – und zum Beispiel günstige und zielgruppengenaue Facebook Werbung für die Verlage eine echte Konkurrenz ist.

Frage des Preises

Freiwillige soziale Bezahlangebote wie Flattr haben sich nicht durchgesetzt.Vielleicht hängt der Erfolg von Bezahl-Angeboten, wie sie die NZZ oder auch große deutsche Zeitungen anbieten, auch mehr als viele Verlage ahnen mit einem fairen Preis zusammen: Im Klartext: Die Chancen, dass sich User für ein einziges Informationsangebot entscheiden und dafür so viel wie für ein Printabo bezahlen, stehen schlecht. Viel wahrscheinlicher dürfte es da schon sein, dass Leser online zum Beispiel Süddeutsche und taz oder FAZ lesen wollen – für vielleicht jeweils 9,90 Euro pro Monat.

2 Kommentare to “Konstanzer Südkurier startet mit Bazahlschranke”

  1. Lars Möller
    16. Juni 2013 at 14:20 #

    Es gibt genügend Alternativen zur Südkurierseit. Die Seite ist ohnehin schon derart mit Werbungzugemüllt das schon die Funktionalität sehr leidet. Typische Abzockerei.

    Werden die User auf dieser Seite wohl sehr wenige werden!

  2. Marc Moeller
    10. Dezember 2013 at 09:01 #

    Die Südkurier Seite verliert mit dieser kurzsichtigen Aktion fast vollständig an Attraktivität. War der Informationsgehalt dieser Seite von vorneherein schon begrenzt und nur durch Informationen zu lokalen, maximal regionalen Themen gerechtfertigt, ist es damit nun nach 6 Artikel (mit mehreren Browser immerhin x mal 6) gänzlich vorbei. SüdkurierPlus bietet keinen „Mehrwert“, sondern nur das was vorher schon vorhanden war (und das war nicht unbedingt besonders viel), lediglich der Nichtzahler bekommt weniger. Jemand, der ein tatsächliches Interesse an den Lokalthemen hat, wird sich jetzt vielleicht ab und zu die Printausgabe kaufen, und vielleicht ist das das Kalkül.

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