Konstanzer Theater führt Stück über Reise afrikanischer Flüchtlinge auf

„Ein Schritt voraus“ von Kokouvi Dzifa Galley – Ramsès Alfa und Para Kiala spielen Flüchtlinge

Konstanz. Am kommenden Freitag feiert am Theater Konstanz ein bemerkenswertes Stück Premiere. Es erzählt die Geschichte von zwei Afrikanern, die sich auf den Weg nach Europa, ins vermeintliche Eldorado, machen. Es ist kein Stück über Fremdenfeindlichkeit und keines über das Abenteuer oder die Qualen der Reise. Es geht tiefer. Es handelt von Identitäten und auch davon, dass Europa nicht für alle das verheißungsvolle Land ist.

Bemerkenswerte Inszenierung

Geschrieben hat „Ein Schritt voraus“ kein europäischer Autor, sondern ein Afrikaner, Kokouvi Dzifa Galley. Die Protagonisten sind zwei seiner Landsmänner aus Togo, die Schauspieler Ramsès Alfa und Para Kiala. Bemerkenswert ist die Inszenierung auch, weil das kleine Konstanzer Stadttheater das Stück uraufführt und eine solche Produktionen wagt, auch wenn das Publikum nicht dasselbe ist wie das in großen Städten wie in Berlin oder Hamburg. Der Kontakt zu Kokouvi Dzifa Galley kam während eines Aufenthalts des Konstanzer Theaterintendanten Christoph Nix in Togo zustande.

Extremsituation in der Wüste

Die Geschichte erzählt von einer Reise, die auch Metapher ist. Nestor, der Ältere, gespielt von Ramsès Alfa, ist ein hoch qualifizierter Bauingenieur und er hat genug von Afrika. Er ist reich und er hat Geld veruntreut. Gemeinsam mit seinem Freund Jonas, dem Jüngeren, gespielt von Para Kiala, macht er sich auf den Weg. Die beiden Flüchtlinge werden von Grenzsoldaten aufgegriffen und in der afrikanischen Wüste ausgesetzt. In diesem Niemandsland beginnt für sie eine Odyssee zwischen Entschlossenheit und Verzagen, zwischen der Sehnsucht nach der Heimat und der Hoffnung auf ein anderes, ein besseres Leben. Jonas, für den seine Wurzeln scheinbar, keine große Rolle spielten, wird nach Hause zurückkehren.

Out of Africa

Das kleine Ensemble probte in der Werkstatt unterm Dach. Der Raum ist klein, es ist ein bisschen stickig. Regisseur Dominic Friedel gibt Anweisungen. Das Licht ist aus. Die Reise beginnt in Afrika. Der Ältere betet. Dann brechen sie mit überschaubarem Gepäck auf. Fröhliche, afrikanische Musik kommt aus einem Lautsprecher. Ein paar Sätze in einer afrikanischen Sprach werden fallen.

Männer mit und ohne Wurzeln

Auf der Bühne liegen zehn Klötze aus Styropor. Die beiden Schauspieler simulieren eine Schiffspassage. Sirenen sind zu hören, vielleicht Hundegebell. Die beiden Reisenden werden verhaftet und in der Wüste ausgesetzt. Sie werden aus einem Lastwagen gestoßen. Wohin sollen sie jetzt gehen? Am Anfang sieht es so aus, als ob der Jüngere ganz ohne Wurzeln wäre, iPad und Internet seine Identität ausmachten und er notfalls alleine weiter nach Europa ginge. So ist es aber nicht.

Bild verändert sich

Jonas findet Knochen im Sand. Er glaubt, sie stammten von seinem Bruder, der sich schon früher auf nach Europa machte. Jonas kehrt wieder zurück. Nestor geht verloren – in der Wüste, in Nordafrika oder in Spanien. Er, der vermeintlich „Geweihte“ kann nicht mehr zurück. Das Bild, dass die Reisenden abgeben, verändert sich in der Wüste. Sie bewegen sich – anders als die Protagonisten in „Warten auf Godot“ ständig und kommen doch nicht voran. So oder so ähnlich lässt sich die Handlung bruchstückhaft und oberflächlich skizzieren.

Rückkehr richtig

Unzählige Afrikaner machen sich jedes Jahr auf, um Europa zu erreichen. Der Weg führt durch die Sahara und die Passage kostet bis zu 3500 Euro. Nur, wenn sie erfolgreich sind, können die Afrikaner aus Europa zurückkehren. Viele tun auch nur so. Nicht alle Afrikaner sind gleich und nicht alle wollen dasselbe. Flüchtlinge, die in Afrika hungern, bleiben. Afrikaner, die in Europa studiert haben, kehren auch wieder zurück, weil sie auch gesellschaftliche Anerkennung wollen. Für Jonas ist es eine Mission, mit den Überresten seines Bruders, nach Hause zurückzukehren. Seine Wurzeln sind im wichtig.

Ein Stück auch für Afrika

Der junge togolesische Dramatiker Kokouvi Dzifa Galley ist derzeit in der Theaterszene in Togo erfolgreich. Sein Stück „Ein Schritt voraus“ hat er teilweise in Frankreich geschrieben, wo er ein Stipendium hatte. Es sei ein Stück für die ganze Welt, sagte Kokouvi Dzifa Galley und es sei keines nur für Deutschland oder Frankreich. Es könnte auch in Afrika aufgeführt werden.

Premiere am 2. März 2012 um 20 Uhr in der Werkstatt Inselgasse

Foto: wak/Regisseur Dominic Friedel, Schauspieler Ramsès Alfa, Autor Kokouvi Dzifa Galley und Para Kiala.

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