Konstanzer Theater inszeniert sexuellen Missbrauch

Am Wochenende Wiederaufnahme von „In einem finsteren Haus“ und „Tiefer Gehen“ – Frauen helfen sich selbst

Konstanz. Das Konstanzer Stadttheater zeigt im März gleich zwei Stücke, die sich mit dem Thema sexueller Missbrauch beschäftigen. Als Wiederaufnahme präsentiert das Theater am Sonntag, 13. März, in der Werkstatt Neil LaBute Stück „In einem finsteren Haus“, bei dem es um sexuellen Missbrauch in der Kindheit geht. Bereits am Samstag 12. März, steht eine Vorstellung von „Tiefer Gehen“ in der Tiefgarage Inselgasse auf dem Spielplan . Wegen eines Unfalls des Schauspieler Johannes Merz musste das Stück in den vergangenen Wochen mehrfach abgesagt werden. Trotz der Enttabuisierung des Themas sind viele Betroffene noch immer auf sich allein gestellt – in Konstanz haben sich Frauen zu Selbsthilfegruppen zusammen geschlossen.

 

Sexueller Missbrauch in der Kindheit

Die Wiederaufnahme von „In einem finsteren Haus“steht am 13.März und am 3. April jeweils um 20.30 Uhr in der Werkstatt Inselgasse auf dem Porgramm. Das Theater Konstanz zeigte das neueste Stück des US-amerikanischen Erfolgsautors Neil LaBute „In einem finsteren Haus“ als deutschsprachige Erstaufführung in der Spielzeit 2009 / 2010. Die erfolgreiche Inszenierung kommt jetzt an neuer Spielstätte, in der Werkstatt Inselgasse, an einigen wenigen Terminen erneut zur Aufführung. In einem spannenden Psychokrimi enthüllen zwei Brüder die Geschichte ihrer Kindheit und reden zum ersten Mal über den sexuellen Missbrauch, der an ihnen vollzogen wurde.

Innenwelten eines Sexualverbrechers

Ein außergewöhnlicher Abend an einem außergewöhnlichen Ort erwartet Besucher des Stücks „Tiefer gehen“. „Ich habe Euch das genommen, was Euch auf Erden am liebsten war. Das ist bestimmt von mir nicht zu verantworten, wenn ich Euch bitte: Bitte verzeiht!” Das Stück zeigt einen Blick in die Innenwelten von Sexualverbrechern. Es stellt die Perspektive des Täters in den Fokus. Es geht um Fragen wie: Woher kommt der innewohnende, nicht zu besiegende Drang nach Gewalttaten? Woher die Erregung, wenn dem Opfer Angst und Hilflosigkeit in den Augen steht? „Tiefer gehen“ lässt Täter zur Wort kommen, will beleuchten, nicht entschuldigen. Zuschauer sollten sich nicht nur wegen der Kälte warm anziehen. Zu sehen ist das Stück am 12. März um 20 Uhr. Treffpunkt ist an der Theaterkasse. Weitere Termine: 25. und 27. März jeweils um 20 Uhr.

Gesellschaftliches Tabu-Thema sexueller Missbrauch

Dass das Theater die Stücke auf die Bühne bringt, fällt mit der Enttabuisierung des Themas sexueller Missbrauch zusammen. 10 bis 15 Prozent aller Frauen und 5 bis 10 Prozent aller Männer sind – je nach Schätzungen – in ihrer Kindheit sexuell missbraucht worden. Viele Fälle bleiben noch immer unbemerkt. Missbrauch wurde lange verdrängt – auch auf Grund gesellschaftlicher Tabus, aus Scham oder Angst vor Konsequenzen. Vor wenigen Wochen gründeten sexuell missbrauchte Frauen in Konstanz eine neue Selbsthilfegruppe. Während Opfer vor zehn oder 15 Jahren noch mit dem Thema weitgehend alleine gelassen worden sind, ist sexueller Missbrauch heute kein Tabuthema mehr. Über das Internet haben es Betroffene leichter, sich zu informieren, auszutauschen und zu vernetzen. Trotzdem sind viele Opfer noch immer vor allem auf sich gestellt. So sagte eine Frau aus einer Selbsthilfegruppe See-Online, dass Krankenkassen Betroffenen zu wenig Therapien bezahlen würden. Mehr Infos für betroffene Frauen gibt es auch auf der Website der Selbsthilfegruppe Innifer.

Szenenfoto Tiefer Gehen Foto: Stadttheater Konstanz

Hier geht es zu einem Beitrag über das Stück „Tiefer gehen“.

Fotos: Stadttheater Konstanz

 

 

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