Konstanzer Theater trägt Zebra und Antilope

Christoph Nix unter vollen Segeln nach Afrika – Zwei Berner schaffen neues „Bühnenbild“

Konstanz. In der neuen Spielzeit trägt das Konstanzer Theater Zebra, Antilope und Kuhfell und begibt sich auf Seereise. Das neue Bühnenbild geschaffen haben die Schweizer Grafikdesigner Philippe Deriaz und Michael Philipp. Teil des neuen Corporate Designs ist – neben den Fellen – auch das neue Logo. Ab sofort ist das Theater Konstanz unter vollen Segeln auf dem Weg nach Afrika.

Kuh trifft Zebra

Frisch, puristisch, übersichtlich und ansprechend wirkt der neue Auftritt des Theaters. Die CI, neudeutsch für Corporate Identity, kommt modern daher. Zu besichtigen ist die neue Linie in Flyern genauso wie im dicken Programmheft. Martina Kraus schiebt das Heft für die Spielzeit 2011/2012 über den Tisch. „Afrika – in weiter Ferne so nah“, steht auf der Titelseite in weißen schmalen Lettern auf einem rotem Streifen, der die Seite in eine nördliche und eine südliche Hälfte teilt. Ansonsten trägt auch das Programmheft Fell – oben, im Norden Kuh und unten, im Süden Zebra – alles schwarzweiß.

Neue Linie eine „Augenweide“

Christoph Bader, der neue Marketingchef, wirkt smart und er macht keinen Hehl daraus, dass ihm die neue Linie gefällt. Unbemerkt vom Publikum fand ein großer Ideenwettbewerb statt. Mehrere Büros beteiligten sich. Den Zuschlag bekamen „Die Augenzeugen“, ein kreatives, junges Berner Büro. Die Schweizer takelten auf. Im sechsten Jahr seiner Intendanz setzt Christoph Nix nun mit Unterstützung der Grafikdesigner aus Bern Segel und er trägt während der Exkursion nach Afrika Fellchen. Philippe Deriaz und Michael Philipp von „Die Augenzeugen“ mögen es ansonsten zurückhaltend, die Schrift läuft schmal und großflächige, aussagestarke Schwarzweißfotos spielen eine größere Rolle. Auch das Screendesign der noch ein bisschen unfertigen, übersichtlichen Website stammt von den beiden Bernern. Für die technische Umsetzung zeichnete Seitenbau verantwortlich.

Theater segelt im Web 2.0

Christoph Bader, der einen Bachelor in Germanistik und Wirtschaftswissenschaften und einen Master in Kulturmanagement mitbringt, ist erst seit Anfang September an Bord und internetaffin und er mag es crossmedial. Auf der neuen Website präsentieren sich Stadttheater, Werkstatt und Spiegelhalle mit kurzen Anreißern zu ihren neuen Stücken. Wer mehr vom Text als nur den Teaser lesen möchte oder gleich ein Ticket online kaufen möchte, braucht nur einmal zu klicken. In der neuen Spielzeit ist – und das ist unübersehbar – auch das Theater endgültig im Web 2.0 angekommen. Demnächst zeigt es kurze Trailer, stellt Fotogalerien online, bietet den Medien Fotos zum Download an und verlinkt Pressestimmen. Die Kommunikation erfolgt immer öfter in beide Richtungen: Wer mag, klickt auf den Facebook- oder Twitterbutton und hinterlässt spontan einen Kommentar entweder auf der Facebookseite – die immerhin 1.282 Fans und damit schlappe 400 mehr als die Seite Junges Konstanz gegen Alkoholverbot hat – oder twittert dem Theater seine Meinung.

Von Fell zu Fell

Wechselnde Felle von Monatsleporello zu Monatsleporello und damit fast auch Stück zu Stück, so oder so ähnlich sagt es Martina Kraus, die für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Sie hätte auch von Fell zu Fell sagen können – Hirsch und Löwe, Kuh und Zebra und natürlich (rote) Antilope auf dem Flyer zum Stück „Die Rote Antilope“. Es gibt einen schicken, roten Theaterbutton, das Theater hat das Schiff mit vollen, weißen Segeln plakatiert, das Logo auf Postkarten gedruckt und ebene jene roten Buttons produziert. Wie viele möchte Christoph Bader nicht sagen. Er findet es nicht so wichtig. Nur so viel: Im Stadtbild wollte das Theater auch während der Theaterferien präsent bleiben.

Theater auf Reaktionen gespannt

Reaktionen auf das neue Bild der Bühne, das Corporate Design, gibt es noch nicht. Martina Kraus und Christoph Bader zucken noch mit den Schultern. Demnächst aber dürfte das erste Feedback bei ihnen ankommen. Am zweiten Oktoberwochenende heißt es wieder „Willkommen an Bord“. Das Theaterpublikum kehrt zurück. Der Termin – scheinbar noch in weiter Ferne ist schon nah.

Über den Münsterplatz quer durch Afrika

Bevor die Reise quer durch Afrika, eine einjährige Expedition durch den „Schwarzen Kontinent“, mit gleich drei Premieren an einem einzigen Wochenende beginnt, macht das Theater erst einmal so richtig Wirbel auf dem Münsterplatz. Wie alle Jahre wieder lädt die Theatercrew zum Theaterfest. Es steigt am 8. Oktober. Zwei der Premieren am Eröffnungswochenende sind dieses Mal sogar Uraufführungen.

„Die Rote Antilope“ im großen Haus

Im großen Haus heißt es am 7. Oktober um 20 Uhr: Vorhang auf für „Die Rote Antilope“ nach einem Stoff von Erfolgsautor Henning Mankell in einer Dramatisierung von Mario Portmann. Das Stück, das das Publikum auf eine Zeitreise zurück ins Jahr 1878 nimmt, wird in Konstanz uraufgeführt. Es erzählt die Geschichte eines jungen Afrikaners, den ein schwedischer Insektenforscher aus missverstandener Fürsorge mit nach Europa nimmt. Der Eingeborenenjunge Molo verzweifelt an dem kalten Land. Die Sehnsucht nach der Wüste, seiner Heimat, wird unerträglich. Molo muss zurück – und dafür muss er lernen über Wasser zu gehen.

Spiegelhalle reist auf dem Kongo

Ebenfalls eine Uraufführung ist das „Herz der Finsternis“ nach Joseph Conrad in einer Dramatisierung von Thomas Spieckermann. Regie führt Andrej Woron, der nach dem überwältigenden Erfolg von Woyzeck aufs Neue die Spielzeit in der Spiegelhalle eröffnet. Diesmal setzt er Joseph Conrads grandiose Erzählung in Szene, die eine packende Reise auf dem Kongo und gleichzeitig einen Blick hinein in die finstere Seele der Kolonialzeit beschreibt. Premiere ist am 8. Oktober um 20 Uhr.

Junges Theater präsentiert „Robinson & Crusoe“

Das Junge Theater präsentiert „Robinson & Crusoe“. Regie führt Michael von Oppen. Bei der Premiere am 9. Oktober begegnen sich im Stück von Nino D’Introna und Giacomo Raviccio zwei Verunglückte auf einer winzigen Insel im Ozean. Sie sind sich fremd. Sie sind sich feind. Einer überwindet den Anderen. Und umgekehrt. Bis sie erkennen, dass sie sich nur gemeinsam aus der misslichen Lage befreien können. Sie nähern sich an. Sie versuchen sich zu verstehen. Sie jagen gemeinsam eine Maus, sie spielen gemeinsam PingPong, sie schreiben gemeinsam einen Brief und verschicken ihn als Flaschenpost. Das Stück ist für Kinder ab 10 Jahre. Die Aufführung beginnt um 18 Uhr.

Foto: wak

 

Ein Kommentar to “Konstanzer Theater trägt Zebra und Antilope”

  1. dk
    24. September 2011 at 15:39 #

    Eigentlich war man kritisch gegenüber dem Kulturbetrieb eingestellt, weil man sich an eine „Bedürfnis-Pyramide“ aus der Ökonomie als Grundlage wirtschaftlichen Handelns erinnerte:
    zuerst ganz unten als breiter Sockel die „Grundbedürfnisse“ zur Existenzsicherung erfüllt und später (sofern HappyEnd) die schlanke Spitze als „Luxusbedürfnisse“ (z.B. die Kultur).
    So etwas kann passieren, wenn man im Zeitalter der sozialen Reformen noch Wirtschaft studiert.

    Vor einigen Wochen hat man sich erinnert, dass Kultur sehr vorteilhaft ist: es gab historische Zeiten, wo man andere als „Barbaren“ und „Wilde“ umschrieben hatte und diese sich selbst beim Aufeinandertreffen über dt. Barbarei gewunderten haben. Zum Glück gab es aber ausreichend Gebildete, die sich mit die europäische und dt. Kultur befassen und Neugierde mit Respekt nach dem Konflikt bewahren konnten.

    Mitte der 70er Jahre hat ein Geschichtslehrer erzählt, wie er West-Berlin und dabei auch mit Tages-Visa den Osten besuchte. Darunter auch Postdam mit seinen historischen Bauten (sofern noch vorhanden). Er begründete dies mit der Bedeutung für die dt. Geschichte seit der Napoleons Zeit und wies andere Unterstellungen zurück.
    Nebenbei erwähnt er, dass in der DDR die Kultur einen viel grösseren Stellenwert hat und scheinbar zur festen Freizeit-Gestaltung gehört (mangels ausreichender Alternativen).
    Umgekehrt hatte der Staat die Museen stark subventioniert (ähnlich wie die Grundnahrungsmittel) und eher auf Propaganda verzichtet, wobei der sozialistische Sponsor regelmässig Erwähnung fand. Die grossen gesellschaftlichen Zusammenhänge wurden eher in Medien und Unterricht ausführlichst vermittelt.

    Es ist schön, wenn sich andere Kontinente über europäische Kultur erfreuen können und ein vielseitiges Bild geschaffen wird, was in Krisenzeiten positive Bilder, Sympathien und ein milderes Urteil fördern kann.
    Möge das Theaterschiff gut in Afrika stranden und auch wieder zurück finden (und dabei nicht mit einem afrikanischen Flüchtlingsschiff verwechselt werden).

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