Konstanzer Uni-Asta will keine Studentenwohnungen um jeden Preis

Studenten sieht Neubauten im Chérisy-Areal kritisch – Wohnheim unverträglich und teuer

Konstanz. Die Studierendenvertretung der Universität Konstanz, der AStA, hat sich kritisch zur Nachverdichtung auf dem Konstanzer Chérisy Areal geäußert. Die Studentenvertreter möchten Studentenwohnungen nicht um jeden Preis. Sie fürchten, dass die zusätzlichen Studentenzimmer die Lebensqualität auf dem Areal beeinträchtigen würden und halten auch die Preise für die Zimmer für zu hoch. Das teilte der AStA in einer Pressemitteilung mit.

Bedarf an studentischem Wohnraum steigt

Klar ist, die studentische Wohnungsnot wird sich wegen des höheren Bedarfs an Studentenwohnungen verschärfen, wenn der Doppeljahrgang 2012 in die Hörsäle, Seminarräume und Labore stürmt. Bis zum Wintersemester 2014/15 rechnet die HTWG mit bis zu 5.000 Studierenden. Im Wintersemester 2014/15 könnten sich bis zu 16.450 Studenten an den Konstanzer Hochschulen eingeschrieben haben.

Nicht im Chérisy-Areal

Die Studierenden begrüßten die Initiative der Stadt zum Bau neuer Wohnheime, heißt es in der Erklärung des AStA. Neue Studentenwohnungen im Chérisy-Areal sehen die Studierendenvertreter aber kritisch. Freiflächen müssten erhalten bleiben und das soziale Gefüge dürfe nicht gefährdet werden. Die Studierenden wollten nicht zum „Zankapfel“ werden.

Geschichte der Chérisy-WG’s

Die Studentenvertreter könnten sich offenbar eher eine alternative Lösung vorstellen. Sie denken dabei ein ein Engagement der „Neuen Arbeit“, die ursprünglich aus der Evangelischen Studentengemeinde e. V. hervor ging, die vor rund 30 Jahren die ersten Studentenwohnungen auf dem Areal baute. Die Geschichte der Studentenwohnungen in der Chérisy begann in den 80-er Jahren als Projekt der evangelische Studentengemeinde e.V.. Viele neue Studenten-WG’s sind damals entstanden. Der Kopf der Bewegung war Dieter Bellmann, heute noch Geschäftsführer der „Neuen Arbeit“.

Dieter Bellmann fehlt Unterstützung

Die Eigeninitiative von Studenten und Arbeitslosen, die Wiederverwendung vorhandener Bausubstanz und der Ausbau in Etappen machten es vor 30 Jahren möglich, dass neue Wohnungen in den Altbauten gebaut worden sind. Mit nur 20 Prozent der üblichen Kosten und Subventionen entstanden die ersten 50 improvisierten Wohnungen. Dieter Bellmann, einer der Väter des Projekts, könnte sich vorstellen weiterzubauen – Zuschüsse bekommt die „Neue Arbeit“ dafür aber nicht mehr.

Das Biotop Chérisy-Kaserne

Die Chérisy zeichnet sich bis heute durch eine hohe Lebensqualität aus. Mittlerweile leben mehr als 1200 Menschen aller Altersgruppen und Kulturen auf dem Areal. Einige der Erstbewohner besitzen heute Eigentumswohnungen in Kasernengebäuden. Der Charakter des Quartiers – mit viel Grün zwischen den Blöcken und Durchfahrtsverbot – ist bis heute im Wesentlichen erhalten geblieben.

Zwei Grundstücke noch frei

Unbebaut sind momentan noch zwei größere Grundstücke im Chérisy-Areal. Bauen möchte hier ein privater Investor. Entstehen könnten auf den zwei Bauplätzen 80 bis 100 Bettplätze sowie weitere 100. Die Studierendenvertreter sehen neben der Verdichtung auch das Engagement eines Privaten kritisch. Sie glauben, dass die Studentenzimmer unbezahlbar würden, wenn sich der Mietpreis am Markt orientiert. Finanziell schwache Studenten hätten kaum eine Chance, dort einzuziehen, glaubt der AStA.

Studenten sagen nein

Die Chérisy sei ein einzigartiges Projekt, heißt es in der Pressemitteilung. Sollte das geplante Wohnheim tatsächlich gebaut werden, wäre es eine „schwerwiegende Beschädigung der ganzen Stadt Konstanz“, heißt es in der Pressemitteilung des AStA. Die Studierendenvertreter appellieren an die Gemeinderatsfraktionen, Planer und Beteiligte, eine Alternative für die Nachverdichtung im Chérisy-Areal zu suchen.

Hier geht’s zur Mitteilung des AStA im Wortlaut 20111123_PM_Cherisy

4 Kommentare to “Konstanzer Uni-Asta will keine Studentenwohnungen um jeden Preis”

  1. Fafnir
    29. November 2011 at 07:14 #

    Saturiert und im Eigenheim angekommen, hat man halt nicht mehr viel übrig für bunte Studentenwohnungen gegenüber. Man will nun seine Ruhe haben. Unter Nachverdichtungen sollen andere leiden. Das Kreuzberg-Syndrom ist, wenn einstige Querulanten und Hausbesetzer zum Spießer werden.

  2. Dominik
    29. November 2011 at 15:35 #

    Dieser Vorgang ist sehr bedauernswert. Ich bin selbst Student in Konstanz und kenne die Nöte vieler Studierender, die durch den Wohnungsmangel gezwungen sind zu pendeln oder auf Notunterkünfte oder überteuerte Kellerappartements auszuweichen.

    Man würde also grundsätzlich erwarten, dass die Studierendenvertretung (was der AStA eigentlich sein sollte), dieses Bedürfnis erkennt und für jegliche Schaffung von Wohnraum eintritt. Bezahlbaren Wohnraum wird es in Konstanz erst geben, wenn der Wohnraummangel beseitigt ist. Erstes Ziel einer Studierendenvertretung müsste also die Beseitigung dieses Mangels sein. Jedenfalls theoretisch..

    Die Wirklichkeit, das zeigt dieses Bespiel leider deutlich, sieht jedoch anders aus:

    „Unbebaut sind momentan noch zwei größere Grundstücke im Chérisy-Areal. Bauen möchte hier ein privater Investor. Entstehen könnten auf den zwei Bauplätzen 80 bis 100 Bettplätze sowie weitere 100. Die Studierendenvertreter sehen neben der Verdichtung auch das Engagement eines Privaten kritisch. […] Einige der Erstbewohner besitzen heute Eigentumswohnungen in Kasernengebäuden. Der Charakter des Quartiers – mit viel Grün zwischen den Blöcken und Durchfahrtsverbot – ist bis heute im Wesentlichen erhalten geblieben.“

    Wenn eine Studierendenvertretung statt der Interessen „ihrer“ Studenten lieber die Interessen von Bewohnern und Wohnungseigentümern verfolgt, ist das mehr als traurig. Nicht minder erschreckend ist, dass der AStA durch eine solche Blockadehaltung selbst dazu beiträgt, dass sich der Wohnraum in Konstanz weiter verknappt und bezahlbare Mieten dadurch weiter in die Ferne rücken. Die eigene Weltanschauung, die privatwirtschaftliches Engagement kritisch sieht, wird hier über die Interessen derjenigen gestellt, die man eigentlich vertreten sollte. Sehr, sehr schade!

  3. Symeon
    29. November 2011 at 16:24 #

    @Dominik: Das ist der falsche Ansatz, von dem du ausgehst: Die Wohnraum-Frage ist eine soziale Frage. Und eine soziale Bewegung funktioniert nur dann, wenn man sie nicht gegen andere soziale Bewegungen ausspielt. Wenn Wohnraum dazu führt, dass eine Stadt insgesamt teurer wird und sie sich kein Studi leisten kann, dann haben wir als Studis auch nichts gewonnen. Dieses Elite-Denken frei nach dem Motto „Ich selbst kann meine Miete zahlen“ und was die anderen für Probleme haben (also Arbeitslose und Studis mit weniger Einkommen als man selbst) interessiert mich nicht, führt am Thema vorbei und ist – mit Verlaub – echt ekelhaft.

    Wenn das Studentenwerk sich damit brüstet, dass es im Sonnenbühl Ost eine neue Qualität geschaffen hat, die Zahl der Wohneinheiten allerdings gleich bleibt während die Mieten steigen, führt das auch genauso am Thema vorbei, wie deine Argumentation: Es sorgt nämlich schlussendlich dafür, dass Wohnraum insgesamt nicht bezahlbar wird und verschärft damit die Konkurrenz um Wohnraum, die der u-AStA (als offizieller AStA äußert man sich nicht politisch, da man es per Gesetz nicht darf!) entschlacken will. Wenn Wohneinheiten mit teureren Mieten entstehen, steigt der Gesamtmietspiegel, der dann von VermieterInnen mit billigeren Wohneinheiten dazu veranlasst, eine Mietanpassung vorzunehmen (heißt nichts anderes als dass sich die Wohnungen in der Stadt verteuern; auch das Studentenwerk spielt dieses Spielchen mit). Da die meisten Studis über kein festes Einkommen verfügen und auch nicht über einen tariflich gesicherten Arbeitsplatz, ist das Handeln des u-AStA also logisch.

    Außerdem: Es ist längst nicht so, dass nur das Chérisy-Areal zur Wohnbebauung in Frage kommt. Infrage kommen ganz andere Flächen (dazu sollte man mal im AK Soziales des AStA vorbeischauen, bevor man so tut als wüssten die nicht, was sie tun). Stadt, Bund und Land haben über die BiMA unlängst dafür gesorgt, dass die ehemaligen Gottfried-Keller-Wohnheime für das Studentenwerk nicht mehr bezahlbar sind. EIn ziemlich perfider Mechanismus. Dass jetzt Beamtenwohnungen draus werden, liegt meines Wissens an der Gesetzeslage (soweit ich weiß, muss eine Stadt gewissen Gruppen einen Vorang einräumen). Wenn die Gesetzeslage jedoch eine Spaltung der Gesellschaft vornimmt, dann sollte das eine Studierendenvertretung nicht auch noch tun.

    Wenn der u-AStA das nämlich das tut, wird 1.) eher noch zum Handlanger der Wohnungsnot (siehe Privatinvestitionen auf der Chérisy; Kinderspielplätze sind auch nichts unwesentliches sondern waren sicherlich auch Bestandteil deiner Kindheit und Kinder können sich nunmal realpolitisch am wenigsten wehren), 2.) unglaubwürdig und 3.) erstickt sie sich im Keim selbst, da sie auf Rückhalt in der Bevölkerung nicht bauen kann.

  4. Dominik
    29. November 2011 at 17:56 #

    @Simeon: Ich werde mal versuchen auf sachlicher Ebene zu bleiben. Eine Diffamierung der Kritik als „Ausspielen sozialer Bewegungen“ oder „Elite-Denken“ halte ich für nicht sehr hilfreich.

    „Wenn Wohnraum dazu führt, dass eine Stadt insgesamt teurer wird und sie sich kein Studi leisten kann, dann haben wir als Studis auch nichts gewonnen. “

    Hier findet sich der erste Irrtum: Wohnraum in Konstanz ist nicht teuer, weil neuer (ggf. an „falscher“ Stelle oder durch einen „falschen“ Bauherren) geschaffen wird, sondern weil es seit vielen Jahren zu wenig Wohnraum gebaut wird. Diese Knappheit wird sich in Zukunft durch steigende Studierendenzahlen noch erheblich verschlimmern. Dieses Problem wird sich erst dann lösen lassen, wenn mehr Wohnraum (insb. kleine Wohneinheiten) in Konstanz gebaut werden. Daher ist m.M.n. grundsätzliche jedes Wohnbauprojekt mit kleinen Wohneinheiten von einer Studentenvertretung grundsätzlich und ideologiefrei zu begrüßen! Während sich zwar durch Neubauten kurzfristig die Mietpreise erhöhen, können diese langfristig jedoch nur dann sinken, wenn das Angebot konstant wächst.

    Es ist nicht Augabe einer Studierendenvertretung stadtplanerisch tätig zu werden. Damit überschreitet sie m.M.n ihre Kompetenzen. Ihre Aufgabe ist die Sammlung, Bündelung und Artikulierung der studentischen Bedürfnise und Interessen.

    Viel sinnvoller wäre es, wenn man als Studierendenvertretung drei klare Forderungen an die Stadt formulieren würde:

    1. Aufgrund der studentischen Wohnungsnot fordert der u-AStA die Stadt auf, schnell neues Bauland freizugeben
    2. Freies Bauland soll vorrangig zur Schaffung kleiner Wohneinheiten genutzt werden
    3. Aufgrund großen Leerstandes von Gewerbeflächen soll die Umwidmung vorhandener Gewerbeflächen angestrebt und Bauland wiederum vorrangig für Wohnbau genutzt werden.

    Das wäre konstruktiv. Das wäre Interessensvertretung. Das wäre konkret.
    Mit der Ablehnung des Neubaus von Wohneinheiten trägt man allerdings stattdessen zur Verknappung und damit Verteuerung des Wohnraumes bei (insb. mittel- und langfristig!).

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