Konstanzer Uni entzog Physiker Doktortitel zu Recht

2004 beschloss Universität den Doktorgrad wegen Unwürdigkeit zu entziehen – VGH Mannheim gibt Hochschule Recht

Konstanz. Die Universität Konstanz hat einem Physiker, der in den USA manipulierte Studien veröffentlicht haben soll, den Doktortitel zu Recht entzogen. Das hat der baden-württembergische Verwaltungsgerichtshof (VGH) in Mannheim entschieden. Der Promotionsausschuss der Konstanzer Universität entzog dem Wissenschaftler den Doktortitel nachträglich wegen Unwürdigkeit – der Physiker klagte dagegen.

Freiburger Gericht hatte anders geurteilt

Der VGH korrigierte damit das Urteil des Freiburger Verwaltungsgerichts vom September 2010. Das Verwaltungsgericht Freiburg hatte die Entziehung des Doktortitels damals für unzulässig erklärt.

Steiler Aufstieg des Physikers in den USA

Der Kläger erwarb nach absolviertem Physikstudium an der Universität Konstanz im Jahr 1997 den Grad eines Doktors der Naturwissenschaften. Anschließend war er vier Jahre für eine US-amerikanische Forschungseinrichtung tätig und in dieser Zeit an über 70 wissenschaftlichen Publikationen beteiligt, die teilweise als „bahnbrechend“ gewürdigt wurden.

Hinweise auf Datenmanipulation und tiefer Fall

Nach Hinweisen auf mögliche Datenmanipulationen setzte die Forschungseinrichtung 2002 eine Kommission ein, die in ihrem Abschlussbericht zu dem Ergebnis kam, dass dem Kläger in 16 der 24 untersuchten Veröffentlichungen eindeutige Verstöße gegen die Grundsätze wissenschaftlichen Arbeitens nachzuweisen seien, insbesondere Datenmanipulationen und Datensubstituierungen (sog. „Beasley Report“). Der Kläger und seine Mitautoren zogen die angezweifelten Publikationen daraufhin zurück.

Konstanzer Doktorarbeit nicht beanstandet

Im Herbst 2002 befasste sich auch eine Kommission der Universität Konstanz mit den gegen den Kläger erhobenen Vorwürfen und untersuchte seine an der Universität gemachten und im wesentlichen mit seiner Dissertation zusammenhängenden Forschungsarbeiten. Hierbei stellte sie zwar handwerkliche Fehler, jedoch kein wissenschaftliches Fehlverhalten im Sinne einer bewussten Datenmanipulation fest.

Entzug des Doktorgrads wegen Unwürdigkeit

Angesichts der Ergebnisse des „Beasley-Report“ beschloss der Promotionsausschuss der Universität dennoch im Jahr 2004, dem Kläger den Doktorgrad wegen Unwürdigkeit zu entziehen. Er vertrat die Auffassung, der Kläger habe durch sein zweifelsfrei nachgewiesenes wissenschaftliches Fehlverhalten in Kauf genommen, dass die notwendige Vertrauensbasis innerhalb des Wissenschaftsbetriebs sowie die Glaubwürdigkeit von Wissenschaft in der Öffentlichkeit beschädigt werde. Hierdurch habe er sich der Führung des Doktorgrades als unwürdig erwiesen. Der Begriff der Unwürdigkeit sei wissenschaftsbezogen zu verstehen.

Kläger kam mit Widerspruch nicht durch

Auf den Widerspruch des Klägers führte die Universität eine weitere umfängliche Prüfung durch, die aber nicht zu einer Änderung der Entscheidung führte. Mit Bescheid vom 19.10.2009 wies sie den Widerspruch zurück.

Wende in Freiburg

Die Entscheidungen der Universität hat das Verwaltungsgericht Freiburg aufgehoben, weil die nachträgliche Unwürdigkeit, die das Landeshochschulgesetz für den Entzug des Doktorgrades voraussetze, nicht allein mit wissenschaftlichem Fehlverhalten nach der Promotion begründet werden könne. Die Berufung hatte das Freiburger Gericht im September 2010 wegen grundsätzlicher Bedeutung zugelassen.

Juristen definieren „Unwürdigkeit“

Der Verwaltungsgerichtshof (VGH) hat nun darüber zu entschieden haben, wie der Begriff der „Unwürdigkeit“ im Sinne des § 35 Abs. 7 des Landeshochschulgesetzes auszulegen ist.

Foto: Universität Konstanz

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