Konstanzer Uni-und HTWG-Studenten haben scharf gerechnet

AStA macht neuen Rettungs-Vorschlag fürs Studiticket

Konstanz (wak) Der Allgemeine Studierendenausschuss der Universität und der HTWG Konstanz (AStA) haben einen neuen Vorschlag zur Rettung des Studententickets gemacht. Möglicherweise ist es der letzte, den die Studentenvertreter den Konstanzer Stadtwerken unterbreiten, die das Ticket verteuern möchten. Ende des Sommersemesters läuft die bisherige Regelung aus. Einigen sich die Parteien nicht, könnte das Studiticket, das den Studenten zu verbilligtem Busfahren und den Stadtwerken zu fixen Einnahmen verhilft, ein Auslaufmodell sein.

Einnahmensteigerung größer als Kostensteigerung

Erst in ihrem bisher letzten Angebot hatten die Stadtwerke den Studenten offenbar die Kosten, die der Busbetrieb verursacht, aufgeschlüsselt. Die Studentenvertreter rechneten nach und stellten fest: Die Einnahmensteigerung habe weit über der Kostensteigerung gelegen. Während die Kosten um 22 Prozent in die Höhe gingen, betrugt das Plus bei den Einnahmen 45 Prozent. Das hat zumindest der AStA ausgerechnet. Jetzt haben die Studenten den Stadtwerken ein Angebot unterbreitet, bei dem die Einnahmesteigerung der Stadtwerke noch immer über der Kostensteigerung liegen würde.

Studiticket für 40 Euro pro Semester

Konkret sieht das Alternativangebot so aus: Der Ticketpreis läge bei 40 Euro. Den Solidarbeitrag, den alle Studenten bezahlen müssen, egal ob sie den ÖPNV nutzen, veranschlagten sie mit 12,50 Euro für Uni-Studenten und 10 Euro für HTWG-Studenten. Studenten der Campusuniversität sollen deswegen eine höhere „Umlage“ zahlen, weil sie häufiger den ÖPNV nutzen als HTWG-Studenten, deren Hochschule zentral am Seerhein liegt. Am Abend fahren alle Studenten dank des Solidarbeitrags kostenlos mit dem Bus.

Aufgabe für Rechenfüchse

Würden die Stadtwerke akzeptieren könnten sie 2010/2011 (ab dem Wintersemester) mit 12,50 Euro x 10.000 Uni-Studenten plus 10 Euro x 3.900 HTWG-Studenten plus 40 Euro x 7.700 Ticketkäufer x 2 Semester rechnen. Das ergäbe 944.000 Euro. Von 2004 bis 2010 würde das eine Einnahmensteigerung von 25,9 Prozent ergeben, sagen die Studenten. Von 2003 bis 2010 seien die Gesamtkosten des Busbetriebs dagegen nur um 22,4 Prozent gestiegen. Das wäre weniger.

Studenten kritisieren Ignoranz der Stadt

Mittlerweile haben die Studenten das Thema Studiticket auf die politische Ebene gehoben. Den Studenten platze so langsam der Kragen, sagte Fabian Parsch vom AStA der Uni. Er kritisiert die „Ignoranz, die die Stadt gegenüber einem Achtel ihrer Einwohner“ zur Schau stelle. Parsch nannte „hohe Eintrittspreise für die Schwimmbäder, aktive Behinderung studentischer Kultur, unsinnige Alkoholverbote“. Das Studiticket sei der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht habe.

Prekäre Situation vieler Studenten

Ganz unrecht hat Parsch wohl nicht. Beim Hochschulvergleich des „International Student Barometer” schnitt Konstanz „A good place to be“ (mehr unter http://www.aktuelles-bodensee.de/2010/04/29/uni-konstanz-„a-good-place-to-be“/) zwar gut ab, die befragten Studenten hatten aber hohe Kosten für die Unterbringung beklagt. Dass die finanzielle Situation der Studierenden weiterhin nicht rosig ist, hatte zuletzt auch die 19. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks (mehr dazu http://www.studentenwerke.de/) gezeigt. Weiterhin bestimmt die soziale Herkunft, ob junge Erwachsene an einer Hochschule studieren oder nicht. Der Anteil von Arbeiterkindern an Universitäten steigerte sich nicht in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten nicht etwa signifikant und mittlerweile kommen sogar Mittelstandsfamilien an ihre finanziellen Grenzen, wenn Kinder ein Studium aufnehmen.

Was nun, Herr Frank?

Vom Oberbürgermeister Horst Frank, dem die Studenten einen Brief geschrieben haben, erwarten die Studierenden-Vertreter nun Auskunft darüber, wo die Stadt Geld für ihre Studenten ausgibt. Die Studierenden, die ihren Erstwohnsitz in Konstanz haben, möchten wissen, wie sie von der Anstrengungen der Stadt profitieren. Die Studenten-Vertreter vermuten offenbar vielmehr, dass die Stadt Konstanz verhältnismäßig wenig Geld für die Förderung der Infrastruktur für Studenten ausgibt.

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