Konstanzer Unistudenten verlangen ihre Studiengebühren zurück

Asbest-Verseuchung der Unibibliothek hat Studienbedingungen verschlechtert – Rückforderung an Landtagsfraktionen von Grünen und SPD

Konstanz. Die Studienbedingungen an der Konstanzer Universität haben sich seit des Asbest-Funds in der Bibliothek der Hochschule verschlechtert. Die Bibliotheksnutzung ist eingeschränkt, statt eine Freihandbibliothek können Studierende nur noch eine Magazinbibliothek nutzen und viele Arbeitsplätze gibt es nicht mehr. Klausuren finden unter erschwerten Bedingungen statt – dasselbe gilt für das Erstellen wissenschaftliche Abschlussarbeiten. Studenten sprechen von „unzumutbaren Bedingungen“. Erst 2015 sollen die Studienbedingungen wieder so sein wie vor dem Asbest-Alarm. Der u-AStA fordert deswegen die Studiengebühren zurück. Adressaten der Forderung sind die Landtagsfraktionen von Grünen und SPD.

Missstand seit November 2010

Seit nunmehr Anfang November 2010 sind die größten Bereiche der Bibliothek an der Universität Konstanz aufgrund von Asbest-Funden geschlossen. Wichtige Bücher und Zeitschriften waren oder sind nicht mehr erreichbar, Kopier- und Druckmöglichkeiten fehlen und mehrere hundert Arbeitsplätze verstauben hinter den verschlossenen Türen im „Asbest-Nirvana“. Aufgrund dieser erheblichen Einschränkungen in der Lehre und im Studium fordert die unabhängige Studierendenschaft der Universität Konstanz die Studiengebühren zurück.

Dreiviertel der Bibliotheksfläche fehlt

Die Landespolitik sei „zugegebenermaßen“ darum bemüht, eine langfristige Lösung für die Bibliotheksschließung zu finden, heißt es in einer Mitteilung des u-ASt. So besuchte Anfang März der ehemalige Minister Prof. Dr. Frankenberg die Universität und gab die Zusage, dass die Bibliothek saniert werde und das Land Baden-Württemberg hierfür die Kosten übernimmt. „Dies ist aber für die meisten der derzeit Studierenden nicht mehr relevant, da die Sanierung frühestens 2015 abgeschlossen sein wird“, so die Studierendenvetreter weiter. Die kurz- bis mittelfristigen Probleme, die durch den Wegfall von dreiviertel der Gesamtfläche der Bibliothek entstanden sind, würden durch diese Entscheidung nicht gelöst. „Wir sehen uns daher veranlasst, die akuten Probleme und Folgewirkungen darzustellen und in Folge dessen den kompletten Betrag unserer Studiengebühren zurückzufordern“, verlangen die Studenten.

Beeinträchtigungen im Studium

Erst zum Ende des Wintersemesters sei mit der Reinigung und Bereitstellung der wichtigsten Literatur begonnen worden. „Dies führte zu Klausurverschiebungen, Problemen bei Bachelor- und Masterarbeiten sowie Promotionen und schränkte den gesamten Universitätsbetrieb für ein komplettes Semester massiv ein“, erklärt der u-AStA. „Ein weiteres bis jetzt ungelöstes Problem stellen die nun fehlenden Arbeitsplätze der Bibliothek dar“, heißt es. Gerade an einer Campus-Universität wie der in Konstanz hätten die Arbeitsplätze auf dem Universitätsgelände eine sehr große Bedeutung. Die Lage des Konstanzer Campus außerhalb der Stadt und abseits der meisten Wohngegenden, mache es den Studierenden nur schwer möglich, in Freistunden zum Lernen nach Hause zu gehen. Somit bestünden für die Studierenden keine vergleichbaren Alternativen, die den Wegfall der bisherigen Arbeitsplätze kompensieren könnten.

Lernen auf Treppen

Diese Situation hatte zur Folge, dass besonders im Zeitraum der Klausurenphase Studierende zwischen zwei Vorlesungen auf den Treppen lernen mussten und müssen, so der u-AStA. „Man kann und muss davon ausgehen, dass aufgrund dieser Situation die Konzentrationsfähigkeit stark eingeschränkt ist und sich dies auch in einer Minderung der Studienleistung niederschlägt“, heißt es weiter.

Semester dran hängen

Aufgrund der genannten Verschiebungen und Infrastrukturproblemen mussten schon jetzt einige Studierende ihr Studium ungewollt um ein Semester verlängern, teilte der u-AStA mit. Diese Tendenz werde sich in den nächsten Semestern noch verstärken, da kurzfristig keine ausreichenden Lösungsmöglichkeiten in Sicht seien. „Je länger diese unzumutbare Situation andauert, desto mehr Studierende wird sie betreffen.“

Finanzielle Folgewirkungen

Die beschriebenen Beeinträchtigungen hätten gravierende Folgen für den studentischen Geldbeutel. So würden für ein zusätzliches Semester nicht nur die Studiengebühren zur finanziellen Belastung. Es fielen auch alle anderen Kosten wie Wohnungsmiete, Bustickets und Ausgaben für Lebensmittel an. Die besonders große Belastung durch den überdurchschnittlich hohen Mietpreis der Stadt müssten mit betrachtet werden. „Somit ist die zusätzliche finanzielle Belastung, die viele Studierende durch die Schließung der Bibliothek tragen müssen, einer der wesentlichen Gründe, warum wir die Studiengebühren zurückfordern“, heißt es.

Begründung der Rückforderung

Auf der Homepage des Wissenschaftsministeriums stehe: „Die Einnahmen aus den Studiengebühren werden zweckgebunden für Studium und Lehre eingesetzt.“ Eine besser Ausstattung der Universitätsbibliotheken werde ferner explizit als Beispiel eines solchen Zweckes genannt. Studiengebühren folgten einer marktwirtschaftlichen Logik, die einerseits die Universität zur Verbesserung von Studium und Lehre und andererseits die Studierenden zur Zahlung der Gebühren verpflichte.

Uni erbringt ihre Leistung nicht vollumfänglich

Eine funktionierende Bibliothek sei die Grundvoraussetzung für ein erfolgreiches Studium. Wenn die Universität ihre Leistung nicht erfülle, könne von den Studierenden nicht verlangt werden, dass sie diese nicht erbrachte Leistung bezahlen. „Dies gilt im Besonderen, da die Universitätsbibliothek Konstanz mit ihrer hervorragenden Ausstattung, Benutzerfreundlichkeit und nicht zuletzt wegen ihrer zahlreichen Auszeichnungen bei vielen Studierenden der entscheidende Grund für ein Studium in Konstanz war“, stellt der u-AStA klar. „Unter den jetzigen Umständen wäre bei einigen die Entscheidung mit Sicherheit anders ausgefallen und sie hätten sich an einer Universität eingeschrieben, bei der sie eine erfüllte Gegenleistung für ihre Studiengebühren bekommen hätten.“

Große Unzufriedenheit unter Studierenden

All das habe zu einer „großen Unzufriedenheit unter den Studierenden“ geführt. Auf einer studentischen Vollversammlung sei daher Ende Januar beschlossen worden, die Studiengebühren für das Wintersemester 2010/2011 uneingeschränkt zurückzufordern. Im Auftrag der unabhängigen Studierendenschaft der Universität Konstanz fordert die Studierendenvertretung nun die Rückzahlung der Studiengebühren aller im Wintersemester 2010/2011 eingeschriebenen Studierenden und DoktorandInnen. „Selbiges fordern wir für das laufende Sommersemester 2011 und – sollten die Gebühren bis dahin nicht abgeschafft sein – einen Verzicht der Gebühren für die Zeit des Wegfalls der Bibliothek“, so der u-AStA.

Foto: Universität Konstanz Michael Latz

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