Konstanzer VHS-Chef Reinhard Zahn nimmt Kündigung nicht hin

VHS reloaded: VHS-Vorstand macht sich angreifbar – Gesprächseinladung von Verbandsdirektor Hermann Huba ignoriert

Konstanz. Der mitten in der Probezeit gefeuerte Konstanzer VHS-Leiter Reinhard Zahn weiß bis heute nicht, weshalb ihm die VHS Konstanz-Singen gekündigt hat. In ein diffuses Licht gerät derweil Vorstand, namentlich Nikola Ferling und ihre Stellvertreterin Dorothee Jacobs-Krahnen. Sie behaupten: „Die VHS fühlt sich weiterhin an die Absprache mit Herrn Zahn und seiner Rechtsvertretung gebunden, nicht mit Details an die Öffentlichkeit zu gehen.“ Diese Aussage ist falsch. Eine solche Vereinbarung habe es nie gegeben, sagen Zahn und seine Rechtsvertretung, die Juristin Hanna Binder von Verdi. Dass der Vorstand auch ein Gespräch mit dem baden-württembergischen VHS-Verbandsdirektor Hermann Huba ausgeschlagen hat, zeigt die Halsstarrigkeit des Vorstands.

Mitte Oktober kam der Rausschmiss

Nach dem Rausschmiss war Reinhard Zahn (51) erst einmal geschockt. Am 12. Oktober war er zu einem Gespräch über den „Verlauf der Probezeit“ nach Singen eingeladen. Das berichtete der erfahrene VHS-Leiter, der zum 1. August von Weil am Rhein nach Konstanz gewechselt war in einem Gespräch mit See-Online. Er dachte, es gehe um ein „Orientierungsgespräch“, erinnert sich Zahn. Tatsächlich ging es bei dem Gespräch, an dem die Vorstandsvorsitzende der VHS, Nikola Ferling, ihre Stellvertreterin Dorothee Jacobs-Krahnen und Günther Lieby, Verbindungsmann zwischen dem Vorstand und dem Landratsamt, teilgenommen haben, aber um Zahns Entlassung. „Ich war schockiert“, sagt Zahn.

Schweigen über Kündigungsgründe

Am 19. Oktober wurde der gekündigte VHS-Leiter zu einem weiteren Gespräch, dieses Mal ins Landratsamt, eingeladen. Begleitet hat ihn an diesem Tag Hanna Binder, bei Verdi angestellte Volljuristin. Gründe für seine Entlassung wurden Zahn damals nicht mitgeteilt. Das bestätigt auch Hanna Binder. Am 26. Oktober fand dann eine Versammlung der Gesellschafter statt. Der Vorstand lehnte es ab, Zahn wenigstens noch bis zum Ende seiner Probezeit zu beschäftigen.

Vorstand zeigt auch VHS-Verband kalte Schulter

VHS-Verbandsdirektor Hermann Huba wollte Zahn und den Konstanzer Vorstand zu einem Gespräch einladen. Ferling und Jacobs-Krahnen ignorierten den Vorschlag. Sie glauben offenbar, die Unruhe, die nach dem Rausschmiss entstanden ist, aussitzen zu können.

Keine Arbeitsübergabe durch Vorgänger

Als Zahn nach elf Jahren erfolgreicher Arbeit in Weil am Rhein nach Konstanz wechselte, musste dem erfahrenen VHS-Mann schnell klar geworden sein, dass die Uhren in Konstanz anders gehen. So hat es niemals eine geordnete Arbeitsübergabe durch seinen Vorgänger Helmut Lehner gegeben. Auch Lehner, der mittlerweile im Ruhestand ist, war bei der VHS in Ungnade gefallen und durfte die Räume nicht mehr betreten. Dozenten berichteten, dass eine Abschiedsfeier wieder abgesagt worden sei.

Reinhard Zahns größter Fehler

Beworben hatte sich der erfahrene Zahn, obwohl er von den andauernden Querelen in der Volkshochschule Konstanz-Singen gehört haben musste – Lörrach, Waldshut, Konstanz und Singen bilden zusammen die „Region Hochrhein“ und sind zu einer von insgesamt 13 Regionen im Land zusammengefasst. Es dürfte ein schwerer Fehler Zahns gewesen sein, an die sechstgrößte VHS im Land zu wechseln, um beruflich noch einmal aufzusteigen. Einen erfahrenen VHS-Leiter wollte in Konstanz und Singen womöglich niemand.

Unklarheit über Zusändigkeiten

Während in anderen Volkshochschulen die Hierarchien flach sind, ist das in Konstanz anscheinend anders. Oben sitzen Ferling und Jacobs-Krahnen unterstützt von Lieby. Vieles sei nicht klar geregelt gewesen, als der neue Leiter nach Konstanz kam. Zahn spricht davon, dass seine Zuständigkeiten „nebulös“ waren. Nicht klar war Zahn, ob er in unternehmenspolitische Entscheidungen mit eingebunden werden sollte. „Ein Geschäftsverteilungsplan sollte noch verabschiedet werden“, sagt Zahn.

Zahn spürte soziale Kälte

Dass es die Problematik der „Scheinselbständigkeit“ gibt, leugnet der gefeuerte VHS-Chef nicht. Er sagte, damit hätten alle Volkshochschulen zu tun. Die Frage sei, wie man mit dem Thema umgehe. Während andere Volkshochschulen sich offenbar beim Verband rückversichern und sich an die Regel halten, dass Dozenten einen bestimmten prozentualen Anteil ihres Einkommens bei einem anderen Auftraggeber verdienen müssen un die Dozenten nur darüber informieren, ist bei der VHS Konstanz-Singen alles reguliert. Deswegen gab es die Dozentengespräche, die Betroffene in unguter Erinnerung haben. Zahn sagt: „Dozenten sind die Herzkammer der VHS.“ Sie seien auf das Geld angewiesen. Deshalb hält er auch Abschlagszahlungen für richtig. Offenbar war der VHS-Leiter entsetzt angesichts der Verunsicherung und der sozialen Kälte. Er sagte, in Volkshochschulen würde das offenen Gespräch gesucht.

Bildungsideale angemahnt

Reinhard Zahn hat dem VHS-Vorstand möglicherweise den Spiegel vorgehalten – der Vorstand erblickte darin mutmaßlich aber Zerrbilder und nicht das, Bild, das dem Leitbild der Volkshochschulen oder gar humanistischen Bildungsidealen entspricht. Zahn redet von Humboldtschen Bildungsidealen, davon Menschen zur Freiheit zu erziehen, von Aufklärung und der Verpflichtung zu Humanität.

Zahn nimmt Rausschmiss nicht hin

Zahn sagt, er habe sich weder illoyal verhalten noch schlechte Arbeit abgeliefert. „Nach zehn Wochen ist meine Handschrift noch nicht sichtbar“, weiß der Gefeuerte. Geplant hatte er zusammen mit dem Verband und der IHK neuartige Zertifizierungskurse für Menschen mit Migrationshintergrund. Ziel wäre es gewesen, dass Abschlüsse von Migranten hätten anerkannt werden können. Diese Zusammenarbeit ist jetzt geplatzt, wie See-Online aus anderer Quelle erfahren hat. Das Konstanzer VHS-Team bezeichnete Zahn als „klasse Team“. Die Mitarbeiter seien hochqualifiziert. Zahn kündigte an: „Ich kämpfe.“

Wofür steht die VHS?

Ob die Kündigung Reinhard Zahns rechtmäßig ist, können nur Juristen beurteilen. Ob die Zustände an der VHS Konstanz-Singen so sind, wie sie die Gesellschafter gerne haben möchten, ist aber eine politische Frage. Nach dem Turbulenzen an der Bildungseinrichtung, die mit dem Rausschmiss Reinhard Zahns noch nicht zu Ende sein dürften, stellt sich auch die Frage nach der Zukunft der VHS. Sowohl Gesellschafter als auch Vorstand hatten erklärt, sich nicht zu den Hintergründen der Kündigung äußern zu wollen. Etwaige Stellungnahmen würde See-Online selbstverständlich veröffentlichen.

Foto: wak

2 Kommentare to “Konstanzer VHS-Chef Reinhard Zahn nimmt Kündigung nicht hin”

  1. dk
    9. November 2011 at 08:35 #

    … oder gar humanistischen Bildungsidealen entspricht. …

    Zum Ein- bzw. Nachlesen sicherlich eine erste Hilfe:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Humanismus
    http://de.wikipedia.org/wiki/Volkshochschule

  2. Biograf
    9. November 2011 at 13:06 #

    Eine Vereinbarung, über die Kündigungsgründe zu schweigen, wird ja wohl schriftlich getroffen worden sein. Solange die VHS-Führung diese Vereinbarung also nicht auf den Tisch legt, sollte man dem Betroffenen, spricht Reinhard Zahn glauben und fordern, die anscheinend skandalösen Zustände in der VHS-Führung aufzuklären.
    Übrigens: Die einzigen, die an Volkshochschulen in Deutschland anständig bezahlt werden, sind die hauptamtlich Beschäftigten. Die Dozenten, ohne die es eine VHS gar nicht gäbe, werden dagegen mit Hungerhonoraren abgespeist und bewegen sich zudem ständig in rechtlichen Grauzonen. Aus diesem Grund habe ich jede Form von Dozententätigkeiten für Volkshochschulen schon vor Jahren eingestellt. Die meisten anderen Dozenten können sich das leider nicht leisten.

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