Konstanzer wünschen sich Live-Stream aus Rathaus

Facebook-Umfrage zum Thema Live-Stream aus dem Konstanzer Gemeinderat – Große Mehrheit dafür

Konstanz. Nie ist so viel über Transparenz, Teilhabe und das Gehörtwerden gesprochen worden wie in den vergangenen Wochen Monaten. Trotzdem glauben viele, dass Kommunalpolitik hauptsächlich hinter geschlossenen Türen gemacht wird. See-Online fragte den Vorsitzenden der SPD-Fraktion im Konstanzer Gemeinderat, Jürgen Leipold, ob er sich einen Live-Stream aus einer Gemeinderatssitzung vorstellen könnte. Leipold antwortete: „Selbstverständlich. Man könnte es ja zunächst mal einige Sitzungen lang ausprobieren.“ Auch der Konstanzer Oberbürgermeister Horst Frank bemüht sich um Transparenz und hatte zuletzt zum Beispiel zu einem runden Tisch zum Glasverbot eingeladen. Bei einer Facebook-Umfrage wollten wir wissen, was unsere Leser von einem Live-Stream halten würden. Viele, unter ihnen auch Stadträte, meldeten sich auf Facebook, über Twitter oder per Mail zurück. Die überwiegende Mehrheit fand die Idee gut.

Viele Gründe für einen Stream

Eine Antwort lautete: „ Ja, gute Idee: mehr Transparenz, mehr ungefilterte Info, mehr Bürgerbeteiligung; müsste aber gut aufbereitet sein mit Anzeige der nächsten TOPs etc.“ Ein anderer schrieb: „Ja. Grundsätzlich bin ich sehr dafür, dass Gemeinderatssitzungen per Live-Stream übertragen werden. Obwohl man sich nicht die all zu großen Zuschauerzahlen erhoffen sollte, denn viele dieser Sitzungen sind, das weiß ich aus meiner Zeit als Kommunalpoltiker vor Jahrzehnten, eher ermüdend und langweilig.“ Eine Leserin fragt: „Was sollte dagegen sprechen? Nichts! Was spricht dafür: Einiges. Ich bin dafür. Im Gemeinderat tagt ein Gremium, das von den Bürgern gewählt wurde. Es ist altmodisch, wenn die technischen Möglichkeiten nicht genutzt werden. Es ist arrogant, wenn dem interessierten Bürger eine stundenlange körperliche Anwesenheit abverlangt wird. Wir reden hier ja vom Ratssaal und nicht vom Elfenbeintum.“

Wenige Skeptiker

Ein Konstanzer Schüler schrieb: „Die Argumente sind sicher einleuchtend und solch ein Stream ist wohl auch sehr viel interessanter und transparenter, als das Protokoll zu lesen. Auf der anderen Seite bezahlt das natürlich der Steuerzahler. Wer von den Jugendlichen interessiert sich denn für die Gemeinderatssitzungen?“ Ein Skeptiker schrieb, die Bürger hätten die Möglichkeit, eine Ratssitzung zu besuchen. Er meinte unter anderem, ein Live-Stream würde Selbstdarstellungen provozieren.

Live-Stream nur der Anfang

Ein weiteres Teilnehmer der Facebook-Umfrage schrieb: „Ja. Die Idee hat was. Vorrangig sind für mich aber Formen und Methoden der Bürgerbeteiligung, bei denen ein echter Dialog möglich wird, zum Beispeil der Bürgerhaushalt oder eine demokratische Stadtplanung. Ein weiterer Leser schrieb: Ja. Echte Öffentlichkeit bei den Gemeinderatssitzung durch einen Live-Stream ist ein wichtiger Baustein für eine transparente und bürgernahe Gemeinde – aber sicher nur der Anfang.“

Bundesvorsitzender der Piratenpartei interessiert

Über Twitter kam die Reaktion eines Piraten. Er schrieb: „Piraten setzen sich in Kommunalparlamenten für solche Dinge ein. Allerdings rennt man schon mit Twitter teilw. gg. Mauern.“ Gemeldet hat sich via Twitter auch Sebastian Nerz, der Bundesvorsitzende der Piratenpartei, den wir auf das Interview mit Jürgen Leipold hingewiesen hatte. Er twitterte: „Ich glaube, dass Streams oder Liveprotokolle mehr Interesse hätten als ein Besuch der Sitzung.“ Seine Einschränkung: „Braucht lange Testzeit“. Der Piratenvorsitzende weiter: „Es muss erst einmal bekannt werden. Wir unterstützen gerne einen Muster-Gemeinderat bei einer Testphase.“

Jüngere Generation erreichen

Jürgen Leipold meinte: „Mit einer Direktübertragung könnte man wohl auch gerade die jüngere Generation mehr interessieren und allen ein Informationsangebot machen, das auch nicht öder wäre als die Angebote der meisten TV-Sender.“

Foto: wak

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