Konzerthausbefürworter in der schönen neuen Welt

Virtueller Wahlkampf der Initiative „Konstanz gibt den Ton an“

Konstanz (wak) Konstanz gibt den Ton auch im Internet an. Mit einer professionellen und ansprechenden Seite werben auch die Befürworter eines Konzert- und Kongresshauses im Internet und bei Facebook. Wer den Auftritt sieht, begreift sofort: So schön kann es nur eine Bürgerinitiative machen, die ausreichend viele Sponsoren und Unterstützer im Hintergrund hat. Denn Fakt ist:Wer die Konstanzer für ein Konzert- und Kongresshaus begeistern will, braucht auch in der virtuellen Welt reales Geld, um einen Wahlkampf führen zu können. Die Initiative „Konstanz gibt den Ton an“ zeigt wie es geht.

So sind die Befürworter aufgestellt

Die Seite der Befürworter des Konzert- und Kongresshaus macht Nutzern den Einstieg leicht: Plakatmotive zum Anklicken, ein News-Ticker über der Navigationsleiste auf der Startseite. Alles ist schön bunt, sehr übersichtlich aufgebaut und abgebildet sind ausschließlich fröhliche, begeisterte Menschen. Passend zur fünften Jahreszeit fehlte nicht einmal ein Narrenmotiv. Die Botschaft war klar: Selbst die Konstanzerischsten Konstanzer, die wohl erst am Aschermittwoch wieder ihr Narrenhäs ablegen, sind dafür. Zu den Unterstützern gehören also nicht etwa nur Promis und Bildungsbürger.

Sponsoren zeigen ihre Werbebanner

Sprecher der Initiative „Konstanz gibt den Ton an“ ist Jürgen Norbert Baur, der auch Sprecher des „Treffpunkts Konstanz“ ist. Anders als die Seite der Konzerthausgegner (See-Online.info berichtete http://www.aktuelles-bodensee.de/2010/02/16/„nein-zu-kkh“-wirbt-in-pink/) gibt es sogar Werbebanner unten auf der Seite. Die Sponsoren zeigen sich. Insgesamt sind zudem die Namen von 1555 Unterstützern auf der Seite genannt, darunter der streitbare Theaterintendant Christoph Nix, der Schauspieler Oliver Wunk, die Schriftstellerin Gaby Hauptmann, ein Konstanzer Kinderarzt, ein Hochschullehrer oder auch Rentner. Nicht alle leben in Konstanz. Weil es unmöglich wäre, die ganze alphabetisch geordnete Liste durchzuklicken, der eine oder andere aber vielleicht doch gezielt nach einem Namen suchen möchte , gibt es zum Glück eine Suchfunktion.

Plakatmotive nicht fälschungssicher

Wer mag, kann sich die Plakatentwürfe kopieren und ausdrucken. Dass auf diese Idee auch der eine oder andere Schelm kommen könnte und die Motive in Manier einer Satirezeitung verfremdet und umgestaltet werden können, ist weiterhin nicht ausgeschlossen. Den ersten Beweis lieferten bereits Narren während des Fasnachtsumzugs am vergangenen Sonntag. Fälschungssicher und auch nicht neu sind dagegen die Argumente der Befürworter des Konzert- und Kongresshauses, die auf der Seite zu finden sind. Verpackt ist die Information so wie sie Menschen auch im Internet gern konsumieren. Der ganze Auftritt kommt magazinartig daher.

„Bürger wie Du und ich“

Die Absicht der Befürworter ist offensichtlich: „Mit der Kampagne ,Konstanz gibt den Ton an!‘ wollen wir die Öffentlichkeit und vor allem die Konstanzer Bürgerinnen und Bürger für den Bau des Konzert- und Kongresshauses begeistern“, heißt es auf der Seite. Logo, es geht nicht mehr ums Überzeugen, sondern ums Begeistern. Und weiter „Dafür ist es uns gelungen sowohl prominente Konstanzer als auch Konstanzer Bürger ,wie Du und ich‘ als glühende Unterstützer des Projekts zu gewinnen. Sie schmücken unsere Kampagnenmotive und erklären, warum sie für den Bau des Konzert- und Kongresshauses sind.“ Für die Befürworter steht fest: „Mit ihnen bekommt unser Anliegen die notwendige Aufmerksamkeit und unsere Kampagne bekannte Gesichter, die ihre Wurzeln in unserer wunderschönen Stadt Konstanz haben.“

Der Traum von der Elbphilharmonie

Nicht fehlen darf auf der Seite ein Pressespiegel. Wer eines der aktuellen PDFs anklickt, versteht sofort und kann schon einmal ein bisschen träumen. Zu lesen sind in einem Beitrag der Welt Online wunderschöne Sätze wie „Elbphilharmonie, Glocke, Gewandhaus. Deutschlands Konzerthäuser blühen“ oder „Das Bürgertum findet darin eine geistige und emotionale Heimat.“ Um beim Bürgerentscheid zu gewinnen, braucht es aber wohl eine breitere Zielgruppe. Die finden auch die Befürworter in sozialen Netzwerken wie Facebook. Dort tummelt sich nicht vor allem das Bürgertum. Keine Frage: Auch eine Facebook-Seite haben die Befürworter des Konzert- und Kongresshauses eingerichtet. Wer möchte, kann Fan der Seite werden. 425 gibt es schon. Bei den Gegnern sind es erst sechs http://www.facebook.com/pages/Nein-zu-Klein-Venedig/293079543120?ref=search&sid=100000473231166.855957696..1. Über den Ausgang des Bürgerentscheids am 21. März dürften diese Momentaufnahmen allerdings noch nichts aussagen. Sie ist nicht mehr als eine erste Trendmeldung.

Links zu „Konstanz gibt den Ton an“:

http://www.konstanz-gibt-den-ton-an.de

http://de-de.facebook.com/pages/Konstanz-gibt-den-Ton-an/326854989198

Fotos:  Konstanz gibt den Ton an“

Ein Kommentar to “Konzerthausbefürworter in der schönen neuen Welt”

  1. Fenedig
    16. Februar 2010 at 20:59 #

    „Begeisterung“ ist ein elementares Gut einer Gesellschaft! Den KKH-Gegnern steht eine solche Eigenschaft ebenso zu. Am Ende sind es immer Argumente die tragen. Ob diese jeweils in allen Teilen vernünftig und konstruktiv, oder auch mal unvernünftig und destruktiv sind, dafür müssen sich Befürworter wie Gegnern entscheiden und versuchen, „begeisternd“ zu argumentieren. Falsch (destruktiv) wäre zum Beispiel, das Konstanzer Projekt mit einer „Elbphilharmonie“ zu vergleichen: KN versucht ein zweckmässiges, ansprechendes Bürgerprojekt zu realisieren, Hamburg ein Prestigeprojekt in ganz anderer Dimension und Zielrichtung. Dass heute u.a. Internet und Facebook zur „Begeisterung“ beitragen können, ist selbstverständlich. Richtig auch, dass die Befürworter vielleicht über grössere materielle Möglichkeiten verfügen. Aber deswegen sind deren Argumente nicht gleich falsch („Konstanz braucht ein solches Haus“), diejenigen der Gegnerschaft nicht gleich richtig („Können wir uns nicht leisten“). Nur in der Schaffung von Arbeitsplätzen findet man sich vielleicht wieder. Und das ist schon mal was in der heutigen Zeit.

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