Kriminalhauptkommissar Harald Reiners aus Friedrichshafen: Das brave Mädchen gibt es oft nicht mehr

„Die Täter von heute sitzen zuhause am PC“ – Außerdem weniger Jugendkriminalität im Bodenseekreis

Friedrichshafen. Der Jugendhilfeausschuss des Bodenseekreises hat die Entwicklung der Jugendkriminalität zur Kenntnis genommen. Positiv: Die Zahl der Straftaten fiel von 10.441 in 2008 auf 10.202 in 2009 – und der Trend hält an. Erfreulich ebenfalls: Die Quote der aufgeklärten Straftaten insgesamt wuchs auf 63,5 Prozent.

Sicherheitsgefühl nach Verbrechen wieder hergestellt

Kriminalhauptkommissar Harald Reiners von der Polizeidirektion Friedrichshafen verließ gestern mit Komplimenten in der Aktentasche den Säntissaal des Landratsamts. Landrat Lothar Wölfle hatte der Polizei unter Beifall für deren Engagement beim Taxi-Mord in Hagnau und der Aufklärung des Eifersuchtdramas zwischen zwei Frauen in Friedrichshafen gedankt. Entscheidend neben der Aufklärung, so Wölfle, sei das vermittelte Sicherheitsgefühl, das die Polizei bei der Bevölkerung gestärkt habe.

Festkultur hat sich verändert

Wölfle lobte auch den Einsatz, die Festkultur zu verändern und den Gemeinden Leitlinien an die Hand zu gegeben. Damit habe man den Veranstaltern keineswegs den wirtschaftlichen Erfolg entzogen, wie befürchtet worden war, sondern im Gegenteil für ruhigere Festverläufe gesorgt und Zahlungskräftige ins Festzelt gezogen, die länger blieben und für mehr Umsatz sorgten.

Brennpunkte in größeren Städten

Die meisten Straftaten wurden im vergangenen Jahr naturgemäß in der größten Stadt des Kreises, in Friedrichshafen (4209) begangen, gefolgt von Überlingen (1358), Tettnang, Markdorf, Kressbronn und Meckenbeuren. Die wenigsten (16) gab es im kleinen Stetten. Der einfache Diebstahl ist mit knapp 40 Prozent das häufigste Delikt. Starke Zuwächse gab es beim Raub und Sorgen macht der Polizei vor allem die gefährliche Körperverletzung auf der Straße.

Mehr Internet-Kriminaliät

Deutlich gestiegen ist die Internet-Kriminaliät, und diese Tendenz wird nach den Worten von Harald Reiners anhalten. „Die Täter von heute sitzen zuhause am PC“, sagte er. Unter den 4400 Tatverdächtigen waren im vergangenen Jahr 75,8 Prozent Deutsche und 24,2 von Hundert Nichtdeutsche. Weniger straffällig wurden 2009 Kinder bis 14 Jahre und Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren. Ebenfalls rückläufig ist der Trend bei den Widerstandsdelikten gegen Polizeibeamte.

Mädchen reagieren aggressiv

„Das brave Mädchen gibt es oft nicht mehr“, zitierte Reiners die Statistik in Sachen Alkohol, wo das weibliche Geschlecht kräftig aufholt. Auch bei den Gewaltdelikten stehen die Mädels den Jungs in nichts mehr nach. Auf dem Heimweg von der Disco und unter Alkohol stehen öfter einmal Laternenpfähle und Gartenzäune in Sachen Aggressionsabbau im Weg, gewinnt der Mercedes-Stern Sympathie und wird abmontiert. Um den teils erheblichen Problemen beizukommen gehen Polizeibeamte zusammen mit Disco-Betreibern Streife. Vor allem in Friedrichhsafen steigen außerdem die Zahlen bei den Körperverletzten.

Polizei will gesetzliche Grundlage für Alkoholverbote

Die Polizei spricht sich für eine  gesetzliche Regelungen für Alkoholverbotszonen aus. In Friedrichshafen hat der Gemeinderat mit einer Polizeiverordnung reagiert, womit man gute Erfolge erzielte, aber auf „wackligen Füßen“ stehe, wie Bürgermeister und Kreisrat Peter Hauswald berichtete. Denn es fehlt eine gesetzliche Handhabe, für die sich Justizminister Ulrich Goll noch nicht erwärmen konnte. Indes: „Das Alkoholverbot (durch die Polizeiverordnung) zeigt Wirkung“, bemerkte Hauswald. Auf die Frage von Dr. Dagmar Höhne nach den Auswirkungen der „Roten Karte“ sagte Reiners, bei den Platzverweise geb e es einen leichten Rückgang, dies sei ein gutes Instrument.

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