Marina am Bodensee vernichtet 60 Arbeitsplätze

Grundstücksdeal und eine Blase in Kressbronn – Bodan will Schiffswerft schließen

Kressbronn. Die Kressbronner Bodanwerft will dicht machen. Wo seit 95 Jahren mit schwieligen Händen Schiffsbauer Bodensee-Schiffe zusammenschweißten, soll eine schicke Marina entstehen. 60 Arbeiter verlieren deshalb ihre Jobs. Voraussichtlich nicht alle werden wieder einen neuen Arbeitsplatz finden. Das Durchschnittsalter der Belegschaft liegt bei 51 Jahren. Auch deswegen kämpft Lilo Rademacher von der IG Metall Friedrichshafen-Oberschwaben noch immer gegen die Schließung der Werft.

Werft muss nicht still gelegt werden

Darüber, dass sich am Montag in Ravensburg der Betriebsrat und die IG Metall mit dem Arbeitgeber zu Verhandlungen über einen Interessenausgleich und Sozialplan treffen, möchte Lilo Rademacher am Telefon am liebsten gar nicht reden. Sie sagt: „Die Werft muss nicht geschlossen werden.“ Kurzarbeit wäre eine Option. Davon ist sie überzeugt. In einer Pressemitteilung der IG Metall heißt es: „Die IG Metall ist ärgerlich, weil Informationen, die zur Arbeitgeberentscheidung geführt haben, die Werft stillzulegen, nicht nachvollziehbar sind.“ So wie es aussieht möchte Geschäftsführer Robert Dittmann die Werft aber trotzdem lieber schließen als retten. Mit dem Grund und Boden könnte am Bodensee vielleicht einfach mehr Geld zu verdienen sein als mit Schiffsbau.

Kressbronn goes Marina

Ein Grundstücksspekulationsblase wabert über den See. Im Oktober vergangenen Jahres änderte der Kressbronner Gemeinderat den Bebauungsplan für die Bodanwerft. Ein Architekt hatte eine großzügige Marina mit mehrstöckigen Gebäuden, Penthousewohnungen, Hotel und Einkaufszentrum geplant. Schon im Juli wurde der Gemeinderat offenbar – wie es in Gemeinderäten meistens läuft – in nicht-öffentlicher Sitzung über die Pläne informiert worden. Die Öffentlichkeit erfuhr erst einmal nichts. Bedenken gab es offenbar nicht. Warum auch?

Ultramarin größte Marina am Bodensee

Die Gemeinde Kressbronn, in der noch die einzige große Schiffswerft am Bodensee beheimatet ist, dürfte in der Vergangenheit neidisch in den Kressbronner Ortsteil Gohren geschielt haben, wo die Ultramarin,die größte Marina am Bodensee mit über 1400 Liegeplätzen, Shop für Segelzubehör und Gastronomie Anziehungspunkt für Wassersportler ist. Die auf halber Strecke zwischen Langenargen und Kressbronn gelegene Marina könnte Begehrlichkeiten geweckt haben. Bisher schauten die Kressbronner dem Treiben in der Marina schließlich nur zu, und sie waren Zaungäste, wenn sich die Formel 1 des Segelsports bei den Match Races vor Langenargen duellierte. Wer den Kressbronner Bürgermeister Edwin Weiss kennt, kann sich leicht vorstellen, dass auch er gern groß denkt.

Werftarbeit oder Immobiliendeal

Die IG Metall ist sich sehr sicher, dass die Banken und der Geschäftsführer der Bodanwerft ein- und dasselben Interessen haben. Wenigstens gibt es eine Schnittmenge. 16 Millionen Euro Schulden soll die Firmengruppe aktuell angeblich haben. Das berichtete zum Beispiel die Stuttgarter Zeitung.  Geschäftsführer Robert Dittmann wäre sie wohl los, könnte er das Hafengrundstück verkaufen. Lilo Rademacher sagt, dass der Quadratmeter Grundstück am Bodensee angeblich 400 Euro kosten solle. Es könnten aber auch 700 oder sogar 800 bis 1000 Euro sein, glaubt sie. Vermutlich wäre das Geschäft mit den Grundstücken lukrativer als ein neues, großes Fahrgastschiff für den Zürichsee zu bauen und drei weitere Schweizer Schiffe wieder flott zu machen. Das Werft-Geschäft ist auch mühsam. So liegt, wie der wie der ORF berichtet, die vor der Schließung stehende Bodanwerft mit Vorarlberg Lines „im Clinch“. Streitpunkt sei das Eventschiff „Sonnenkönigin“, das statt der ursprünglich veranschlagten 8,5 Millionen Euro 13 Millionen Euro kostete.

Ältere Mitarbeiter am Arbeitsmarkt ohne Chance

Die Zeche bezahlen müssen, wenn die Werft schließt, die Mitarbeiter. Sie hätten in der Vergangenheit immer wieder auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld verzichtet, so Lilo Rademacher. Die meisten der Beschäftigten sind Männer. Das Durchschnittsalter liege bei 51 Jahren. Die Betriebszugehörigkeit betrage im Schnitt 18 Jahre. Das sagte Lilo Rademacher. Unter ihnen sind viele Schiffsbauer und Schreiner, die sich um den Innenausbau der Schiffe kümmerten. Die Mehrzahl wohne in Friedrichshafen, Kressbronn, Langenargen, Eriskirch oder im Kressbronner Hinterland, weiß Rademacher. Nicht alle hätten die Chance, wieder einen Arbeitsplatz zu finden – nicht einmal im prosperierenden Bodenseekreis. „Die Jüngeren mit ihren Schweißkenntnissen schon“, so Rademacher, die 1. Bevollmächtigte der IG Metall Friedrichshafen-Oberschwaben. Viele hätten aber ein schwieriges Alter. Sie seien zu alt für den Arbeitsmarkt. Manche stünden wenige Jahre vor der Rente. Wann das schwierige Alter anfange? Lilo Rademacher sagt es ohne mit der Wimper zu zucken: Mit 46 bis 50 Jahren. Im Interesse dieser Menschen kämpft die IG Metall also weiterhin für den Erhalt der Werft. „Weil es um die Arbeitsplätze geht“, sagt die Gewerkschafterin, die selbst längst das „kritische Alter“ erreicht hätte. „In einem Freizeitgelände gibt es keine Perspektiven für die Leute“, sagt sie.

Grundstücke gehören einer Holding

Die IG Metall behauptet, die Bälle würden zwischen den Banken, der Holding, die die Grundstücke besitzt, und dem Arbeitgeber hin und her geschoben. 2006 habe Robert Dittmann, der jetzige Geschäftsführer und auch Gesellschafter, die Bodan Gruppe in 5 Einzelunternehmen aufgespalten. Es existieren heute 4 selbständige Unternehmen (MEC-Konstruktionen, der Schwimmbadbau, die Werft Aktivitäten und die Hafen- und Freizeitgesellschaft). Über den 4 selbständigen Unternehmen gibt es eine Holding, die die Grundstücke besitzt. Mit der Aufspaltung in diese 5 Unternehmen wollte 2006 Dittmann unter anderem steuerliche Vorteile generieren, so die IG Metall.

Unerträglich niedrige Summe für Abfindungen

Wichtig und ärgerlich ist die Aufsplittung aus Sicht der IG Metall auch, weil es deswegen keinen Zugriff auf die Erlöse aus dem Grundstücksgeschäft gebe. 1,1 Million Euro sollen laut IG Metall für Abfindungen zur Verfügung stehen. So viel stellten die Banken dem Geschäftsführer bereit. „2,5 Millionen würden gebraucht, damit es erträglich wäre“, sagt Lilo Rademacher. Wenn sich die „Arbeitgeberstrategie der Liquidation“ durchsetze, existiere ein Traditionsunternehmen am Bodensee bald nicht mehr, klagt die Gewerkschafterin. Die Aussichten für 60 Beschäftigte und ihre Familien seien für 2011 trübe. In einer Pressemitteilung der IG Metall heißt es: „Der Gemeinderat hat Bebauungsplänen als Freizeit- und Feriengelände zugestimmt. Wusste er auch, dass damit das Aus der Traditionswerft beschlossen wurde?“ In der kommenden Woche muss diese Frage auch der Kressbronner Bürgermeister Edwin Weiss beantworten.

Hier geht es zu einem Beitrag über  Schiffswerften am Bodensee bei Dornröschen.

Foto: wak

Ein Kommentar to “Marina am Bodensee vernichtet 60 Arbeitsplätze”

  1. PROLETARIER
    14. September 2011 at 08:23 #

    Der Seemoz wenn er motzt, so soll sein Leserkreis auch die Wahrheiten zur Bodan-Werft offenlegen, wie man es unter http://www.state-union.us hier auf dieser Domainseite unter dem Link: Lressbronn – Bodan-Werft … anklickend, die Wahrheiten vorgeführt zu lesen bekommt.

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