Martin Hahn: Eine gute Woche für Verbraucher und Landwirte im Land

Bodenseekreis/Stuttgart. Martin Hahn, Landtagsabgeordneter aus dem Bodenseekreis und Agrarpolitischer Sprecher der Grünen im Landtag, zieht nach den Haushaltsberatungen in dieser Woche eine positive Bilanz. Martin Hahn, der Mitglied im Ausschuss für den ländlichen Raum und Verbraucherschutz sowie Mitglied im Ausschuss für Finanzen und Wirtschaft ist, erklärt: „Es war eine gute Woche für die Verbraucher und die Landwirte in Baden-Württemberg.“ Das Land werde bei der artgerechten Haltung von Tieren und bei der gentechnikfreien Landwirtschaft wichtige Schritte nach vorn machen. Mit Hilfe einer verbesserten Energieberatung für Landwirte solle zudem der Ausstoß von klimaschädlichem CO2 durch landwirtschaftliche Betriebe in Baden-Württemberg verringert werden. „All das sind wichtige Zukunftsprojekte der grün-roten Landesregierung“, erklärt Martin Hahn. 

Land will artgerechte Tierhaltung unterstützen

Zusammen mit den Landtagsabgeordneten der SPD haben die Grünen beschlossen, dass die Landesregierung das Marketing für artgerecht erzeugtes Fleisch unterstützt. Die Landesregierung möchte Haushaltsmittel für modellhafte Projekte zur Verbesserung der artgerechten Tierhaltung in Baden-Württemberg einsetzen. Die Mittel werden auf zwei Unterprojekte aufgeteilt: Das eine Projekt befasst sich mit der Vermarktung, das andere Projekt mit Anreizsystemen, die artgerechte Tierhaltung auf Erzeugerseite unterstützen können.

Verbraucher fragen nach artgerechter Haltung

Martin Hahn erklärt: „Verbraucherinnen und Verbraucher erwarten heute zunehmend, dass Nutztiere artgerecht gehalten werden.“ Der Landtagsabgeordnete weiter: „Immer mehr Verbraucher sind bereit, einen Aufpreis für ein gutes Stück Fleisch aus artgerechter Haltung zu zahlen und verzichten dafür lieber an anderen Tagen auf Fleisch.“ Der deutsche Tierschutzbund habe gemeinsam mit dem internationalen Nahrungsmittelkonzern Vion ein zweistufiges Tierschutzlabel entwickelt. Derzeit würden die ersten Betriebe zertifiziert. Anfang 2013 soll zertifiziertes Fleisch im Handel sein. Artgerechte Tierhaltung garantieren auch Neuland- und Biokriterien, so der Landtagsabgeordnete, dessen eigener Bauernhof in Überlingen-Bonndorf ein zertifizierter Biohof ist.

 Neues Label möglich

Ziel des Vermarktungsprojektes ist es zunächst, im Rahmen einer anwendungsorientierten Konzeption festzustellen, wie das Marketing von artgerecht erzeugtem Fleisch von Seiten der Landesregierung sinnvoll unterstützt werden kann. Insbesondere berücksichtigt werden sollen folgende Fragestellungen: Inwiefern bedarf es eines neuen Labels oder reichen bestehende Standards und Labels? Welches sind die rechtliche Voraussetzungen für eine Einführung eines neuen Labels? Wie sehe die Abgrenzung zu bestehenden derzeit verwendeten Labels aus? Weitere Punkte, die noch zu klären sind, betreffen die Bewerbung eines neuen Labels sowie Kosten und Wirtschaftlichkeit. Martin Hahn erklärt: „Eine Zeichenflut könnte die Verbraucher irritieren.“

Agrarfördergeld für artgerechte Haltung

Das zweite Projekt bezieht sich auf die artgerechte Tierhaltung auf Bauernhöfen und auf künftige Ausgestaltung von Anreizsystemen zur Unterstützung artgerechter Haltung. „Beispielweise können wir im Rahmen der Neugestaltung der Agrarförderprogramme in Baden-Württemberg an Stellschrauben drehen“, erläutert Martin Hahn. Auch hier solle zunächst eine Konzeption mögliche Wege aufzeigen und bewerten.

Gentechnikfreie Landwirtschaft

Zufrieden ist Martin Hahn auch mit einem Beschluss zur Agro-Gentechnik. Der Landtagsabgeordnete aus dem Bodenseekreis stellt fest: „90 Prozent der Verbraucherinnen und Verbraucher lehnen gentechnisch veränderte Lebensmittel ab.“ Auch die baden-württembergische Regierung wolle eine gentechnikfreie Landwirtschaft. Martin Hahn erklärt: „Um Baden-Württemberg frei von der Risikotechnologie zu halten, hat die Regierung konkrete Initiativen vorangebracht.“ Das Qualitätszeichen Baden-Württemberg (QZ BW) werde künftig sowohl GVO-freien Anbau als auch GVO-freie Fütterung garantieren, den Standard „Ohne Gentechnik-Standard“.

Überlingen Vorreiter bei gentechnikfreiem Anbau

Martin Hahn erinnert daran, dass bereits am 19. März 2004 in Überlingen eine Versammlung stattfand, bei der die Landwirte und Landwirtinnen aus 70 überwiegend konventionell produzierenden Betrieben der Stadt und der angrenzenden Gemeinden Owingen und Sipplingen eine Selbstverpflichtungserklärung unterzeichneten. Sie galt zunächst bis zum 30. Januar 2006 und verlängert sich seither automatisch, wenn sie nicht gekündigt wird. Die Gentechnikfreie Region Überlingen ist Teil der Gentechnikfreien Region Oberrhein. „Mein Wunsch ist es, dass der gesamte Bodenseekreis zusammen mit seinen Nachbarkreisen zur Gentechnikfreien Region wird“, sagt Martin Hahn.

Altersgerechte Infos schon in Schulen

Das Land wolle diese Initiativen um die Komponente Verbraucherinformation und Verbraucherbildung ergänzen. Mit den Mitteln sollen unter Federführung des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Unterrichtsmaterialien für weiterführende Schulen entwickelt und umgesetzt werden. Die Materialien sollen altersgerecht zum Thema Agro-Gentechnik informieren. „Die Materialien werden durch das Kultusministerium an die Schulen verteilt“, so Martin Hahn.

Klimaschonende landwirtschaftliche Produktion

Das dritte Projekt, das bei den Haushaltsberatungen aufs Gleis gesetzt worden ist, betrifft die Energieberatung. Die spezialisierte Energieberatung für die Landwirtschaft (www.energieberatung.landwirtschaft-bw.de) existiert seit September 2010. Für die Belange der Landwirtschaft, konkret Stallbauten, Maschinen und Energiegewinnung betreffend, sind an der Landesanstalt für Entwicklung der Landwirtschaft und der ländlichen Räume (LEL) 55 spezialisierte Beratungskräfte ausgebildet worden. Landwirtschaftliche Betriebe können einen degressiven Zuschuss von 70 Prozent bis 50 Prozent (70 Prozent in Jahr eins, 50 Prozent in Jahr zwei) zu den Beratungskosten beantragen. Maximal sind es 1.500 Euro im Jahr. Die derzeitige Form der Energieberatung soll mit der Neugestaltung des Maßnahmen- und Entwicklungsplans Ländlicher Raum (MEPL) in Baden-Württemberg ab 2014 in die Neuorganisation der landwirtschaftlichen Beratung eingebunden werden. „Auch für den Übergangszeitraum 2013 sollen Mittel für die landwirtschaftliche Energieberatung zur Verfügung gestellt werden, um zu gewährleisten, dass es in der aktuellen Anlaufphase des Angebots keinen Antragsstopp gibt“, so Martin Hahn. Die Beratung sei sehr wichtig, damit landwirtschaftliche Betriebe so klimaschonend wie möglich produzieren können.

Foto:  Andreas Agne / pixelio.de

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