Grüner Martin Hahn misstraut der Agroindustrie und setzt auf Nähe zu Verbrauchern

594814_web_R_K_B_by_Rainer Sturm_pixelio.deBodenseekreis. Martin Hahn, Landtagsabgeordneter der Grünen aus dem Bodenseekreis und Agrarexperte in Stuttgart, meldete sich am Tag zu Wort, an dem die Hackbällchen im schwedischen Möbelhaus zu wiehern begannen. In den beliebten „Kötbullar“ fanden sich zwar keine falschen Eier, aber Pferde-DNA. Für Martin Hahn passieren solche Skandale sozusagen mit Ansage. Schuld sei die Agroindistrie, die kriminelle Machenschaften erst möglich mache. Die größte Sicherheit bietet nach Meinung Martin Hahns die Nähe zwischen Erzeugern und Verbrauchern. 

Anonymität ein Problem

„Agroindustrie und Anonymität im Lebensmittelbereich sind Nährboden für die Skandale mit krimineller Energie wie bei falsch deklariertem Pferdefleisch und Eiern, deren Auszeichnung nicht mit der Art der Produktion übereinstimmt“, ist Martin Hahn, agrarpolitischer Sprecher der Landtagsfraktion der Grünen und Mitglied im Ausschuss für den ländlichen Raum und Verbraucherschutz im baden-württembergischen Landtag überzeugt. „Die beiden vorliegenden Skandale sind nur im Zusammenhang mit agrarindustriellen Produktionsmethoden verständlich. Hier werden in großem Stil Lebensmittel produziert, eingekauft, umdeklariert und mit hohen Gewinnen rücksichtslos verschoben“, sagte Martin Hahn. „Das lohnt sich aber nur in sehr großen Mengen und Einheiten. Denn wo ein Erzeuger mit einigen hundert Eiern am Tag einen ‚Zusatzgewinn‘ von wenigen Cent pro Ei aus krimineller Machenschaft ‚verdienen‘ könnte, fängt er gar nicht erst an.“

Der Preis ist heiß

Hahn: „Solange die ‚Geiz ist geil‘ – Mentalität vorherrscht, die immer nur auf den günstigsten Preis schaut, und wenig Wert auf Transparenz und das Wie der Produktion legt, werden wir immer wieder mit solchen Skandale zu tun haben“, ist Hahn überzeugt.

Kontrollen helfen nur begrenzt

Der grüne Landtagsabgeordnete erklärt weiter, nicht schärfere staatliche Kontrollen allein könnten Skandale wie den um die Käfig-, Boden-, und Freilandhaltung von Hühnern oder auch die Verarbeitung von Pferdefleisch in Rindfleischfertigprodukten verhindern. Er fordert insgesamt eine Veränderung der Strukturen in der Landwirtschaft. Der Agrarpolitiker stellt fest: „Anonyme Großproduktionen erleichtern kriminelle Machenschaften.“

Bäuerliche Produktion schützt

Die Größe von Betrieben und die Anonymität der Produktion stellten sogar die Hauptrisiken bei der landwirtschaftlichen Produktion dar. Regionale bäuerliche Landwirtschaft mache es jenen schwerer, die landwirtschaftliche Erzeugnisse falsch deklarieren. „Die beste Kontrolle ist also immer noch die Nähe zwischen Verbrauchern und Erzeugern“, so Hahn. Baden-Württemberg sei hier aufgrund der bäuerlichen Strukturen in der Landwirtschaft im Vorteil.

Ei, Ei, Ei

Martin Hahn reagiert damit auf den Skandal um falsch deklarierte Eier, der am Wochenende bekannt geworden ist. Die Staatsanwaltschaft Oldenburg ermittelt gegen rund 150 Betriebe in Niedersachsen, in etwa 50 Fällen sind auch andere Bundesländer betroffen. Bio- und Freiland- Betriebe sollen Legehennen entgegen Vorschriften auf engstem Raum gehalten haben.

Grün-rot machts richtig

Hahn: „Die grün-rote Agrarpolitik, die auf Nähe zwischen Produzenten und Verbrauchern und eine bäuerlich-ökologische Landwirtschaft setzt und die Auswirkungen der Produktion auf Natur und Umwelt mit bewertet, ist deshalb absolut die richtige Antwort.“

Foto: Rainer Sturm  / pixelio.de

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