Martin Walser feiert am Samstag seinen 85. Geburtstag

Der Dichter, der ans Wasser muss

Konstanz/Überlingen. Streng genommen gibt es nur zwei: Günter Grass und Martin Walser. Walser zählt zu den bedeutendsten deutschen Schriftstellern. Am 24. März wird er 85 Jahre alt. In einem Interview sagte er kürzlich, dass er im sommer täglich im Bodensee schwimmt. Mit der Region verbindet ihn aber noch viel mehr.

 Intellektueller am Bodensee

Am 10. März schrieb die B.Z. Online  Martin Walser sei der größte Dichter Deutschlands. Martin Walser ist hell wach. Er ist ein Zeitzeuge und er war Teil des literarischen und politischen Diskurses in der Nachkriegszeit.

Im Sommer schwimmt er täglich

Die B.Z. wollte von Walser auch wissen, wie er seinen 85. Geburtstag feiert. Walser sagte in dem Interview wörtlich: „Ich muss nicht feiern. Jedoch kommt meine Frau aus einer Familie, in der man das macht. Also gehen wir mit einigen Freunden in eine Wirtschaft.“ Auf die Frage, ob er dieses Jahr schon im Bodensee baden war, antwortete Walser: „Nein, das ist noch zu früh. Ich bin kein Winterschwimmer. Ich kann erst wieder schwimmen, wenn der See 18 Grad hat. Also erst im Mai.“ Der Journalist hakte nach: „Aber dann täglich?“ Martin Walser antwortete: „Natürlich!“

 Das Haus am See in Nussdorf

Wir erinnern uns. „Darf ein linker Schriftsteller ein Haus am See besitzen“, fragte der Konstanzer Kulturredakteur Siegmund Kopitzki Martin Walser vor fast genau einem Jahr auf dem Konstanzer Theater. Walser war ins Konstanzer Theater gekommen, um Passagen aus seinen Tagebüchern 1974 bis 1978 zu lesen. Er habe da so eine Tendenz, antwortet Walser damals. „Ich muss ans Wasser.“ Er schwimme gern.

 Walser kann auch  Selbstironie

Einwände gegen einen Uferweg in Nussdorf hätte er aber, als er einzog, nicht gehabt, sagt Walser. Den Überlinger Bürgermeister interessierte ein Seeuferweg damals aber gar nicht, erinnert sich der Dichter. Martin Walser, galt damals als Linker und wurde wegen seiner Haltung zu Vietnam noch links von der SPD eingeordnet. „Dann warst du Kommunist“, sagte Walser. „Dann wurde ich zum Nationalisten.“ Selbstironie blitzte auf.

 Episoden aus der Bundesrepublik Deutschland

Die 70-er Jahre waren das Jahrzehnt der RAF, der Berufsverbote und des Radikalenerlasses, erzählte Walser in Konstanz. Als er in Konstanz Gedichte vom mit der RAF sympathisierenden Peter-Paul Zahl las, der zu dieser Zeit gerade im Gefängnis saß, erregten sich Konstanzer Großkopfete wohl bis zum Staatsanwalt. Heute erregen sich Konstanzer nur noch, wenn der Dichter Walser im Wessenberg Café verbotenerweise raucht.

Martin Walser das „Fabrikle“

Martin Walser und der Bodensee gehören zusammen. Vor mehr als 25 Jahren machten die Dichter Martin Walser und Rolf Hochhuth einen Spaziergang an der Meersburger Promenade. Die beiden Schriftsteller träumten ihren Traum von einem eigenen Theater. Als der Dichter Martin Walser das „Fabrikle“ zwischen See und Reben entdeckte, war das Sommertheater geboren. Eine Spielstätte war gefunden.

 Hans Ammann und Uli Khuon

Martin Walser sprach bei der Stadt Meersburg und beim Konstanzer Stadttheater vor. Die Konstanzer wussten am Anfang nicht so Recht, was sie zu der Idee sagen sollten. Zum Stadttheater noch ein zweites Theater hinzu zu bekommen war dem Konstanzer Theater damals fast zu viel. Doch die damaligen Akteure, Martin Walser, Guntram Brummer, früherer Leiter des Überlinger Kulturamts, der Meersburger Bürgermeister Rudolf Landwehr, Theaterintendant Hans Ammann und Chefdramaturg Uli Khuon, heute Intendant des Deutschen Theaters Berlin, rauften sich zusammen.

Traum vom Autorentheater für Martin Walser

Am Anfang wäre so vieles vorstellbar gewesen. Ammann schwärmte davon, wie Schauspieler eine alte Fabrikhalle, in der einst 150 Webstühle ratterten, in Besitz nehmen würden. Ein Autorentheater hätte es werden können, für das Martin Walser Stücke geschrieben hätte. Seit 1977 stand die ehemalige Textilfabrik leer, die Raum für so viele Fantasien ließ. Die Konstanzer Schauspieler begeisterten ihr Publikum auf der anderen Seite des Sees. Und viele Konstanzer reisten von da an an sommerlichen Abenden mit der Fähre zum Theater nach Meersburg.

Theater-Uopien und Realitäten

Im Juli und August verwandelte sich Walsers „Fabrikle“ in eine Theaterspielstätte. Mit Turrinis „Der tollste Tag“ machte das Theater den Anfang. „Dann die Beobachtung, dass in der Novelle vom Fliehenden Pferd ein Kammerspiel schon vorgezeichnet ist“, schrieb Ulrich Khuon, der bis Anfang der 90-er Jahre Intendant in Konstanz war. „Es ist die Verwirklichung einer kleinen Theater-Utopie“ erklärte später Rainer Mennicken, Khuons Nachfolger am Konstanzer Theater. Die Realität aber holte das Theater ein. Die Meersburger ließen die Fabrik abreißen. Wo einst in der Hämmerle-Fabrik Weber arbeiteten und später Theater gespielt wurde, parken seither Autos mit Blick auf den See. Das Theater aber drohte aufgrund der politischen Entscheidung obdachlos zu werden.

Sommertheater kehrte heim zu Walser

Sommertheaterfreunde bemühten sich um eine Alternative. Es klappte. Das Meersburger Sommertheater zog in die ehemalige Kapuzinerkirche nach Überlingen um, wo die Schauspieler auch in diesem Sommer wieder auf der Bühne stehen. Geht es nach dem Konstanzer Theaterintendanten Christoph Nix wird auf der Bühne auch in Zukunft gespielt. Einzige Voraussetzung: Die Stadt Überlingen fördert das Sommertheater weiterhin mit 60.000 Euro jährlich. Die Oberbürgermeisterin sagte vor einigen Tagen, sie wolle das tun.

Bild: Martin Walser anlässlich seines 80. Geburtstags im Überlinger Ratssaal.

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