Maultaschenpreis geht an Tweer Hotel „Goldener Adler"

Komitee aus Gewerkschaftern, Lokalpolitikern und Journalisten lobte Preis aus

Konstanz (wak) Der Konstanzer Maultaschenpreis, der erstmals vergeben worden ist, geht an Tweer Hotel „Goldener Adler“ in Konstanz. Margit Zepf hat den Preis am Dienstag Seniorchef Tweer persönlich überreicht. Nominiert waren aber auch noch andere Unternehmen, die beim Komitee im Verdacht stehen, unfreundlich mit ihren Mitarbeitern umzugehen. Auf Platz zwei kam beim Ranking Südstern-Bölle AG, Singen-Konstanz, das Unternehmen, das für das schönste Rundschreiben ausgezeichnet worden ist, und auf Rang drei schaffte es der Zweckverband Pflegeheime Schloss Blumenfeld.




Ein Preis, den niemand will


Der Maultaschenpreis ist ein Preis, den niemand will – und den, wie die Überbringer des Preises meinten, doch so manche redlich verdient haben: „Es ist ein Preis für besonders schikanöses Arbeitgeberverhalten im Landkreis Konstanz“, heißt es auf der Website des Komitees. Wie es zur Idee, einen solchen Preis auszuloben kam, hat der Journalist Pit Wuhrer im Gewerkschaftshaus in der Beyerlestraße in Konstanz ausgeführt. „Im Jahr 2009 sorgte die fristlose Kündigung einer langgedienten Altenpflegerin bundesweit für Aufsehen“, erinnerte Wuhrer. Die Spitalstiftung Konstanz, eine städtische Einrichtung, hatte die Frau entlassen, weil sie „ein paar Maultaschen auf die Seite gelegt hatte“.


Schikane an den Pranger gestellt


Immer wieder schikanieren Großunternehmen, Kleinbetriebe, Manager im öffentlichen Dienst, Behörden und selbst Wohlfahrtseinrichtungen ihre Beschäftigten, so das Komitee. „Da werden langjährige Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen geschuriegelt und Betriebsräte gemobbt; da erzwingen Firmen unbezahlte Zusatzschichten, spielen mit der Angst und stellen nur noch befristet ein; da erhalten Lohnabhängige einen Stundenlohn von fünf oder sieben Euro und werden noch unter Druck gesetzt“, heißt es auf der Website. „All das geschieht unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Und genau das wollen wir, das Komitee Konstanzer Maultasche, mit unserer Initiative verhindern“, so die Initiatoren, die auf die Idee mit dem Preis gekommen sind.


And the Winner is…


Als das Komitee, darunter Holger Reile, Redakteur und Stadtrat, der Journalist Pit Wuhrer und Margrit Zepf, Fachanwältin für Arbeitsrecht und stellvertretende ver.di-Geschäftsführerin Schwarzwald-Bodensee, sowie einige Gewerkschaftsmitarbeiter die Preisträger vorstellten, lag ein ansehnliches, luftdicht verschweißtes und mit einer roten Schleife verziertes Maultaschenpaket auf dem Besprechungstisch. Der Gewinner des gewichtigen Hauptpreises war das Tweer Hotel „Goldener Adler“ in Konstanz gefolgt von Südstern-Bölle AG, Singen-Konstanz und dem Zweckverband Pflegeheime Schloss Blumenfeld.


Kritik an Pflegeheime Schloss Blumenfeld


Zweckverband Pflegeheime Schloss Blumenfeld wurde nominiert, weil im Juli 2009 die Arbeitszeit und die Löhne der Mitarbeiter um 20 Prozent gekürzt worden seien. Die Beschäftigten hätten aber 100 Prozent weiter gearbeitet. Betroffen waren nach Angaben des Komitees 160 Beschäftigte. Das sei „preisverdächtig“ gewesen, sagte Pit Wuhrer.


Südstern-Bölle AG auf Platz zwei


Südstern-Bölle AG aber hatte die Nase aber erst einmal vorn. Hier waren 200 Beschäftigte in Konstanz und Singen von einer Verlängerung der Wochenarbeitszeit um zweieinhalb Stunden betroffen. Zwei Stunden waren laut Komitee unbezahlt. Ende Juni 2009 lief die Vereinbarung aus, so das Komitee. Als dreist empfanden es die Auslober des Maultaschenpreises offenbar, als die Beschäftigten, die 36.000 Arbeitsstunden unbezahlt für die Südstern-Bölle AG gearbeitet hatten und wenigstens teilweise auch auf Weihnachtsgeld verzichteten, dann auch noch ein Schreiben vom Chef bekamen. Dort stand zu lesen: „Zeiten für Geschenke jeglicher Art sind vorbei.“ Besonders unerfreulich sei es für Mitarbeiter, wenn sie keine Wertschätzung erfahren, so ein Gewerkschafter.


Tweer Hotel „Goldener Adler“ unangefochten vorn


Besonders „gravierend“ seien aber die Missstände Tweer Hotel „Goldener Adler“ gewesen, so Wuhrer. So seien einer Mitarbeiterin Sonn- und Feiertagszuschläge ausgezahlt worden, obwohl sie an Sonn- und Feiertagen nicht gearbeitet habe, sagte Wuhrer. Da bei Sonn- und Feiertagsarbeit keine Sozialversicherungsabgaben gezahlt werden müssten, sparte sich der Arbeitgeber das Geld offenbar. Das erklärte Margrit Zepf. Als die Hotel-Mitarbeiterin nachfragte, habe sie die Kündigung erhalten. Nicht alltäglich war offenbar auch der Fall eines Auszubildenden, der weder bei der IHK noch bei der Berufsschule gemeldet worden sei. +++Tatsächlich habe es sich nicht um Sonn- und Feiertagszuschläge, sondern um Nachtzuschläge gehandelt, für die keine Sozialversicherungsbeiträge bezahlt werden müssten, korrigierte am 6. August  Margrit Zepf von Verdi. Am Sachverhalt ändere das aber nichts, sagte die Fachanwältin. Die Darstellung sei auf der Homepage http://www.konstanzer-maultaschen.de/ entsprechend korrigiert worden. +++


Komitee sagt, juristisch wasserdicht


Margrit Zepf sagte, die Fälle seien genau dokumentiert und die meisten auch schon vor dem Arbeitsgericht verhandelt worden. „Es ist alles gerichtsfest“, so Wuhrer. Sollte einer Preisträger klagen wollen, könne er es gern tun, meinte der Journalist. Dass die Konstanzer Spitalstiftung nicht ausgezeichnet wurde, habe auf der Hand gelegen. „Die Spitalstiftung ist schon monatelang ausgezeichnet worden“, sagte ein Gewerkschafter. Aus Sicht der Komitees ist klar, dass die Vergabe eines Preises wie des Maultaschenpreises etwas verändern kann. Einer der Gewerkschafter erinnerte an den Fall Schlecker. Nach Medienberichten über Lohndumping bei der Drogeriemarktkette brachen die Umsätze ein. Mittlerweile gebe es einen Tarifvertrag, so der Gewerkschafter.


Jährlich grüßt die Maultasche


Der Konstanzer Maultaschenpreis soll künftig jährlich vergeben werden. Grundsätzlich zur Mitarbeiter bereit erklärt hätten sich auch Hanna Binder, SPD-Stadträtin in Konstanz, der Pfarrer Heinz Freudenberger, der Regisseur Hartmut Schön und der Lehrer und FGL Stadtrat Till Seiler. Im kommenden Jahr könnte erstmals auch ein Publikumspreis verliehen werden, kündigte das Komitee an.


Mehr Infos über den Preis und die Preisträger gibt es im Internet.










Hier geht es zu einem aktualisierten Beitrag vom 10. August und hier geht es zu einem aktualisierten Beitrag von 21. August , die in unserer Zeitung zum selben Thema erscheinen sind.





Fotos: Website http://www.konstanzer-maultaschen.de/wak

4 Kommentare to “Maultaschenpreis geht an Tweer Hotel „Goldener Adler"”

  1. Fenedig
    27. Juli 2010 at 21:53 #

    Die „Fasnet“ hat in Konstanz bereits begonnen!

  2. dk
    27. Juli 2010 at 22:58 #

    Man sollte eher Preise vergeben für innovative Lösungen in der Personalwirtschaft zur Erhöhung der Mitarbeiter-Motivation; auch bei den nicht-monetären Faktoren.

  3. iDiot
    28. Juli 2010 at 11:27 #

    Gute Sache. Ein Maultaschenpreis bei dem es um Maultaschen geht wäre aber auch mal ganz gut, ihr könntet so etwas ja mal hier veranstalten. Mein Tipp: Edeka Allmannsdorf macht die besten Maulis!

  4. AnOnYm
    3. August 2010 at 22:02 #

    wüsste noch ein paar weitere gründe die dafür sprechen!

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