Medien schauen auf Papstfigur und 600 Jahre Konstanzer Konzil

Lenksches Päpstlein bleibt deutschlandweit als Werbeträger in Schlagzeilen

Konstanz (wak) Das im Konstanzer Bahnhof sitzende Päpstlein des Künstlers Peter Lenk hat Konstanz und den Feierlichkeiten „600 Jahre Konstanzer Konzil“ bereits jetzt bundesweit ungeahnte Aufmerksamkeit verschafft. Zwischen 2014 und 2018 möchte die Stadt ihr großes Konziljubiläum begehen. Dank der Skandalisierung der unspektakulären satirischen Papstfigur des Künstlers Peter Lenk im Bahnhof sind „Konstanz“, „Papst“ und „Konzil“ aber schon jetzt ein Thema, das bundesweit sowie in den Nachbarländern in der Regio Bodensee Karriere in den Medien macht. Für die geballte öffentliche Aufmerksamkeit hat die Stadt bisher keinen Euro ausgegeben.

Konstanz führt „600 Jahre Konzil“ auf

Fast 600 Jahre ist es her. Zwischen 1414 und 1418 versammelten sich in Konstanz wichtige Kirchenmänner, einflussreiche Machthaber und kluge Köpfe aus ganz Europa. Ihr Ziel war es, die Einheit der Kirche wieder herzustellen. In Konstanz verzehnfachte sich damals die Einwohnerzahl. Das Leben pulsierte. Wie in modernen Zeiten gehörten Catering und Vergnügungen zum Treiben am Tagungsort dazu. Italienische Pizzabäcker sind damals angereist, um den Konstanzer Bäckern bei der Verköstigung der hungrigen Gäste aus ganz Europa zu helfen. Des weiteren weilten Hunderte von Kurtisanen während des fünfjährigen Konzils in der Stadt. Der Bildhauer Peter Lenk hat dem Berufsstand mit der sich seit 17 Jahren im Konstanzer Hafen drehenden Imperia ein Denkmal gesetzt.

Kostenloser Werbeträger im Bahnhof

Die Imperia, die einen „Papst“ und einen „Kaiser“ in Händen hält, ist längst ein Wahrzeichen der Stadt am Bodensee geworden. Die Kurtisane im Hafen wird längst toleriert – nicht aber das „kleine Brüderchen“ der Papst-Figur. Eine original große 700 Kilo schwere Kopie der Papst-Figur steht seit wenigen Wochen nun im Konstanzer Bahnhof. Sie ist Anlass für eine Provinzposse und macht nebenbei auf die historischen Ereignisse 1414 bis 1418 aufmerksam. Die Konstanzer müssen sich eigentlich über kostenlose Werbung für ihr historische Event freuen. Offenbar gibt es statt dessen aber größte Vorbehalte gegenüber des „Gauklers“ mit Papstkrone.

Papstfigur beim Konziljubiläum nebensächlich

Bei den Konzilfeierlichkeiten selbst würde das umstrittene Päpstlein, sollte es am Ende doch noch geduldet werden, freilich nicht mehr als eine Statistenrolle spielen. Denn Konstanz hat 2014 bis 2018 wahrlich Größeres vor. 600 Jahre nach dem Konstanzer Konzil will sich die Stadt erneut als Gastgeberin präsentieren. Das Motto dieses Mal lautet: „Europa zu Gast in Konstanz“. Längst gibt es eine Sammlung von Projektideen. Stattfinden könnten ein Europäisches Jugend-Konzil, ein europäischer Pilgerstern nach Konstanz und ein großes Europafest im Auftaktjahr 2014. Thematisch soll es in Konstanz dann „Europa und der Friede“ gehen.

Konstanzer Museen inszenieren Lebensalltag

Geplant ist eine Landesausstellung des Badischen Landesmuseums Karlsruhe. Sie soll 3,5 Millionen Euro kosten und in der ersten Jahreshälfte 2014 im Konzil in Konstanz zu sehen sein. Das Städtische Rosgartenmuseum und das Archäologische Landesmuseum werden kooperieren. Im Richentalsaal soll eine Ausstellung zum Lebensalltag in der freien Reichs- und Handelsstadt Konstanz um 1414 zu sehen sein. Das Stadtarchiv und die Städtischen Museen planen die Herausgabe einer neuen Faksimileausgabe der Richentalchronik. Richental war ein Zeitzeuge des Konstanzer Konzils und hat die Ereignisse in Konstanz aufgeschrieben.

Konzilfestspiele auf dem Münsterplatz

Das Konstanzer Stadttheater plant während der Konzilfestspiele auf dem Münsterplatz eine Inszenierung. Das Autorenduo Theresia Walser und Karlheinz Ott sollen ein Stück verfassen. Etwa drei Jahre blieben ihnen noch. Außerdem soll auf dem Münsterplatz auf einem umgrenzten Areal ein Handwerkerdorf entstehen. Steinmetze, Kupferschmiede, Glaskünstler, Holzschnitzer und Drechsler sollen ihre Handwerke zeigen. Vorbild könnte auch eine traditionelle Münsterbauhütte sein. Mit einem Belehnungsfest und großem Konzilumzug wollen die Konstanzer an die Belehnung des Pfalzgrafen Friedrich mit der Mark Brandenburg 1417 erinnern.

…und sie dreht sich doch

Ob das Päpstlein im Konstanzer Bahnhof, einem mutmaßlichen Haupteinfalltor für Besucher der Feierlichkeiten zum Konziljubiläum, die Gäste noch grüßen wird ist höchst ungewiss. Am 30. Juni berät der Aufsichtsrat der Tourist-Information Konstanz unter Ausschluss der Öffentlichkeit wie die Konstanzer mit der Leihgabe des Künstlers verfahren wollen, die angeblich religiöse Gefühle verletzt. Während das nackte Päpstlein, dem zuletzt auch die Frankfurter Rundschau einen recht ausführlichen Beitrag widmete, möglicherweise weichen muss, wird sich die Imperia aber auch 2014 bis 2018 noch weiterdrehen und das Ebenbild der mutmaßlich anstössigen Figur auch weiterhin in Händen halten.

Ein Kommentar to “Medien schauen auf Papstfigur und 600 Jahre Konstanzer Konzil”

  1. Observer
    20. Juni 2010 at 15:20 #

    „Vorbild der Lenkschen Imperia war die Kurtisane dieses Namens, die zusammen mit Hunderten Kolleginnen während des vierjährigen Konzils von Konstanz – 1414 bis 1418 – den zahlreich dort anwesenden geistlichen und weltlichen Potentaten den Aufenthalt verschönert haben soll.“

    „Zwischen 2014 und 2018 möchte die Stadt ihr großes Konziljubiläum begehen. Denn Konstanz hat 2014 bis 2018 wahrlich Größeres vor. 600 Jahre nach dem Konstanzer Konzil will sich die Stadt erneut als Gastgeberin präsentieren. Längst gibt es eine Sammlung von Projektideen. Stattfinden könnte ein Europäisches Jugend-Konzil. Geplant ist eine Landesausstellung des Badischen Landesmuseums Karlsruhe. Sie soll 3,5 Millionen Euro kosten und in der ersten Jahreshälfte 2014 im Konzil in Konstanz zu sehen sein. Im Richentalsaal soll eine Ausstellung zum Lebensalltag in der freien Reichs- und Handelsstadt Konstanz um 1414 zu sehen sein.“

    Na das wird ja ein tolles Fest. Wo kriegen die die vielen Kurtisanen her? Aber diese lassen wir uns schon mal ein paar Millionen kosten. Auf diese „religiösen Gefühle“ bin ich schon gespannt und alle freuen wir uns auf das Fest mit Verbrennung und vielen Lastern.

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