Meine Bodensee Gazette

Worüber reden wir heute in Konstanz? Was bewegt uns im Monat Januar? Wir warten erst einmal nur auf unseren Bus. Welchen Bus, fragen Sie jetzt vielleicht? Auf den mit der blauen und gelben Aufschrift, lautet die richtige Antwort. Denn die erfreulichste Nachricht des Tages kam am Vormittag per Mail von DeinBus.de.

Für ÖPNV-Nutzer brechen endlich bessere Zeiten an. Ab Februar fährt ein Linienbus zweimal täglich von Konstanz über Singen nach Stuttgart und auch zweimal täglich wieder zurück.

Während Mehrkosten beim Bahnprojekt Stuttgart 21 zuletzt wieder für Schlagzeilen sorgten, ist der zweigleisige Ausbau der Gäubahn sozusagen in die Marginalspalte gerutscht. Beim Neujahrsempfang von Bündnis90/Die Grünen in Konstanz hatte der Konstanzer Landtagsabgeordnete Siegfried Lehmann an die noch immer nicht ausgebaute Gäubahn erinnert.

Mit dem Staatsvertrag von Lugano hatte sich Deutschland 1996 dazu verpflichtet, die Reisezeit zwischen Stuttgart und Zürich auf 2 Stunden 15 Minuten bis zum Jahr 2012 zu reduzieren. Wir leben im Januar 2013. Bislang ist Deutschland von dieser Zielsetzung weit entfernt.

Jetzt kommt also der Bus. Er ist günstig und bequem. Da sich der Linienbus für das junge Unternehmen rechnen muss, wäre es schön, wenn sich möglichst viele Reisende dazu entschließen könnten, auf den Bus umzusteigen. Wenn die Strecke nicht rentabel sein sollte, wäre die Freude übers neue Angebot womöglich nur kurz.

Vielleicht nimmt er ja auch den Bus. Bürgermeister Claus Boldt kandidiert nicht mehr für das Amt des Bürgermeisters in Konstanz, das er gerade noch inne hat. Mehr als eine Randnotiz ist diese Nachricht normalerweise nicht wert. Alles andere als diese Ankündigung wäre eine Überraschung gewesen.

In der Vergangenheit stand Bürgermeister Claus Boldt in Konstanz immer wieder in der Kritik. Mit seinem Namen sind der sogenannte “Maultaschen-Fall”, der bundesweit Schlagzeilen machte, und auch die umstrittene und kostspielige Entlassung des ehemaligen Konstanzer Chefarztes Prof. Dr. Gert Müller-Esch verbunden. Die Fraktion der Freien Wählergemeinschaft und die beiden Räte der Linken Liste Konstanz hatten sogar schon Boldts Rücktritt gefordert, was freilich nicht mehr als Symbolpolitik gewesen ist.

Schon einmal hatte der Konstanzer Bürgermeister versucht, die Reißleine zu ziehen und Konstanz zu verlassen. Claus Boldt hatte sich 2011 für das Amt des ersten Beigeordneten der Stadt Ellwangen beworben. Der Gemeinderat von Ellwangen wählte dann aber einen anderen Bewerber.

Der Stadt bleibt nun die Hoffnung, dass die Freie Grüne Liste als größte Fraktion im Gemeinderat einen Bewerber oder eine Bewerberin vorschlägt, der oder die das Zeug dazu hat, einen guten Job zu machen.

Eine weitere Frage, mit der es sich lohnen könnte, sich zu beschäftigen, dürfte lauten: Wer will solche Jobs in Rathäusern eigentlich in Zukunft noch machen? Sie wissen schon, viele Termine, viel Arbeit und viel Ärger. Schauen wir für einen Moment hinüber ins beschauliche Überlingen.

Dort maßregelte Anfang dieser Woche die CDU die Oberbürgermeisterin, die ebenfalls der CDU angehört, öffentlich, weil die Oberbürgermeisterin beim Neujahrsempfang eine politische Aussage zum Thema Windkraft gemacht hatte und laut CDU “den Gemeinderäten die Möglichkeit entzogen wird, zur Kritik Stellung zu nehmen”. Die Heimatzeitung hievte dies auf Seite ein ihrer Lokalausgabe.

Die Oberbürgermeisterin durfte das so sagen. Denn auch für die gilt wie für andere Menschen oder auch Blogs das Recht der freien Meinungsäußerung sogar, wenn sie sich Windräder in der Bodenseeregion vorstellen könnten.

Und nein, es wäre schon sehr schräg, wenn bei einem feierlichen Neujahrsempfang Räte plötzlich aufstehen, Fraktionserklärungen abgeben und beim Empfang vor mehreren hundert Gästen zu einer Neujahrsrede Stellung zur nehmen könnten.

So etwas ist in Konstanz zum Glück eher nicht vorstellbar. Parallelen zwischen Konstanz und Überlingen gibt es aber trotzdem. Die Heimatzeitungen neigen anscheinend in beiden Städten dazu, öffentliche Personen manchmal schier unbotmäßig herunter zu schreiben und Vorgänge zu skandalisieren, die seriösen Journalisten eigentlich nur wenige Zeilen in einer Marginalspalte wert sein dürften.

Mitgefühl haben könnte man da zum Beispiel sogar mit dem gewesenen Konstanzer Orchesterintendanten Florian Riem. Sensationsberichterstattung und Enthüllungsjournalismus sind nicht  unbedingt dasselbe. Die veröffentlichte Meinung ist ein scharfes Schwert.

Wir nehmen jetzt lieber den Bus.

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