Michael Jeckel: Schweiz als Vorbild

Atommüll dort entsorgen wo er entsteht – Informationsveranstaltung im Bodenseekreis

Friedrichshafen/Überlingen. Größtmögliche Transparenz will die CDU-Bodenseekreis beim Thema Entsorgung radioaktiver Brennstäbe herstellen und holt sich dafür Verfahrenshilfe aus der Schweiz. Vorstandsmitglied Markus Fritschi von der „Nationalen Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle“ (Nagra) im Nachbarland kommt dazu am 3. Februar um 20 Uhr zu einem parteiübergreifenden Vortrag in den Kursaal nach Überlingen.

Deutsch-Schweizer Unterschiede

Die drei Regionalverbände Bodensee-Oberschwaben, Schwarzwald-Baar und Hochrhein-Waldshut zeigten sich nach einer Informationsveranstaltung mit dem Schweizer Experten in Singen tief beeindruckt von der eidgenössischen Praxis, wie Kreisrat Michael Jeckel berichtet, der zusammen mit dem CDU-Kreisverband Fritschi zu einem weiteren Dialog gewinnen konnte. Anders als in Deutschland, wo der Transport und die Entsorgung permanent von Misstrauen und Protesten begleitet wird, trägt die Schweizer Bevölkerung die Lagerungsverfahren mit und hat sogar dem Bau weiterer drei Kernkraftwerke (zu den bestehenden fünf) mit großer Mehrheit zugestimmt. Und das, obwohl in der Schweiz die radioaktiven Abfälle von ihren Verursachern entsorgt werden müssen – und zwar im eigenen Land. Eine Diskussion wie in Deutschland über deren Weitertransport beispielsweise nach Russland gibt es dort nicht.

Tiefenlager in der Schweiz geplant

Die geologische Tiefenlagerung ist nach Schweizer Überzeugung die einzige Methode zur Entsorgung, die auch den hohen Anforderungen an die Langzeitsicherheit entspricht. Etwa 40 Prozent des Stroms in der Schweiz werden in den fünf KKW produziert, wo pro Jahr rund 75 Tonnen verbrauchte Brennstoffe anfallen. Das Schweizer Entsorgungskonzept sieht dabei zwei geologische Tiefenlager vor. Ein Lager für hochaktive Abfälle (HAA) und ein Lager für schwach- und mittelaktive (SMA).

Bevölkerung mitgenommen

Beispielhaft, nennt die Kreis-CDU die Vorgehensweise der Schweiz, die immer die Bevölkerung mitgenommen hat auf der Suche nach geeigneten Standorten – und so Vertrauen schafft. Konzeptionell wie in Sachen Vertrauensbildung und Informationspolitik, so Jeckel, sind uns „die Schweizer Jahrzehnte voraus“.

Ein Kommentar to “Michael Jeckel: Schweiz als Vorbild”

  1. Bruno Neidhart
    28. Januar 2011 at 10:34 #

    Die Schweiz ist uns natürlich nicht so und so lange voraus, wie Kreisrat Jäckel uns sagen möchte. Und das CH-Land hat – damit ist die „Wahlbevölkerung“ in der Referendumsdemokratie gemeint! – noch lange nicht neuen AKW’s zugestimmt. Die Skepsis ist nach wie vor weit verbreitet, wie man gerade derzeit in den Gazetten lesen kann. Nicht nur ist die Erstellung neuer Kernkraftwerke eine vom Volk noch nicht beschlossene Sache, auch die Lagerung ist noch völlig ungeklärt. Gerade dieser Tage hat sich die Bevölkerung im Mittelland gegen eine Lagerstätte in ihrem Gebiet ausgesprochen, wie insgesamt die Behandlung des Themas sich oft anachronistisch gebärdet. Beispiel: Das Volk von Obwalden spricht sich zwar für neue AKW’s aus, die sich dann weit weg vom zentralschweizer Kanton befinden würden, der Lagerung von nuklearen Abfällen in einem geeigneten Bergstock auf ihrem Gebiet wird aber – demokratisch! – eine gehörige Absage erteilt! Es mag ja sein, dass die Schweizer Bevölkerung etwas direkter mit der nuklearen Problematik befasst ist, ist doch diese Verfahrensweise mit der so genannten „direkten Demokratie“ in Verbindung zu bringen (Die ja bekanntermassen nicht nur Vorteile zu bringen hat und Entscheide daraus nicht selten europäische Gerichte beschäftigen, besonders wenn es um die Einhaltung von elementaren Menschenrechten geht!). Die „Volksbeteiligung“ (auch wenn sich nur die Hälfte beteiligt!) bezieht sich auf alle relevanten politischen Themeninhalte und ist nicht nur „nuklearspezifisch“. Das Land ist aber sichtbar genauso gespalten, wenn es wirklich um die atomare Zukunft geht, die noch um ein weiteres halbes Jahrhundert mit allen Risiken verlängert werden soll. Und die Schweizer AKW-Betreiber beteiligen sich „in weiser Vorahnung“ immer stärker an ausländischen regenerativen Energieprojekten, da im eigenen Land die wichtigsten derartigen Ressourcen (Wasserkraft) bereits ziemlich ausgereizt sind und die Winde halt nicht so wehen wie etwa an unserer Nordseeküste. Die Kreis-CDU betrachtet das Verhältnis „Schweiz zu Atom“ also äusserst mystisch. Es entspricht im Kern nicht der Realität.

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