Minister Peter Friedrich appelliert an Südkurier-Medienhaus: „Verhandeln Sie!“

Medienunternehmen müssen Mitarbeiter fair behandeln – Journalismus 2.0 nicht vergessen

Peter FriedrichKonstanz. Die SPD im Kreis Konstanz appelliert an die Geschäftsleitung des Südkurier-Medienhauses, Gespräche mit den Gewerkschaften über einen Haustarifvertrag aufzunehmen. „Nur wer Mitarbeiter fair behandelt, hat einen Anspruch auf hohe Leistung und Motivation“, erklärte der SPD-Kreisvorsitzende und rote Landesminister Peter Friedrich.

Minister entlarvt Südkurier

In seiner Außendarstellung betone das Südkurier-Medienhaus, wie es als „Haus der Ideen“ seinen Mitarbeiterinnen Chancen und Perspektiven biete. Zum fairen Umgang mit den Mitarbeitern gehöre nicht nur eine angemessene, leistungsgerechte Bezahlung, sondern eine einvernehmliche Regelung der Arbeitsbedingungen. Zu einem Tarifvertrag, den die Gewerkschaften fordern, gebe es keine Alternative. Peter Friedrich fordert die Geschäftsleitung des Südkurier-Medienhauses auf: „Verhandeln Sie!“.

Hohe gesellschaftliche Verantwortung

Medienunternehmen beeinflussen die Wahrnehmung der Wirklichkeit und die politische Willensbildung. Im Gegenzug müsse von Medienunternehmen eine hohe gesellschaftliche Verantwortung eingefordert werden. Die einvernehmliche Regelung der Arbeitsbedingungen mit Tarifverträgen sei genau wie die betriebliche Mitbestimmung einer der Erfolgsfaktoren der deutschen Wirtschaft. „Wenn Medienunternehmen ‚Tarifflucht‘ begehen und sich Tarifverhandlungen verweigern, handeln sie nicht nur gegen die Interessen ihrer Mitarbeiter, sondern auch gegen die Interessen der gesamten Gesellschaft.“

„Wir Sozialdemokraten im Kreis Konstanz stehen daher auf der Seite der betroffenen Mitarbeiter und unterstützen die Forderungen der Gewerkschaften DJV und ver.di,“ sagte Friedrich.

Journalismus 2.0

Wenn Medien Qualität liefern sollen, reicht es aber nicht, dass festangestellte Redakteure im Medienhaus Südkurier angenehme Arbeitsbedingungen haben. Da Printmedien an Einfluss verlieren, wird es mindestens genauso wichtig sein, dass die Finanzierung von unabhängigem Journalismus im Web 2.0 trotz des kostenlosen Contents in Zukunft gesichert wird. Auch das ist eine gesellschaftliche Herausforderung. Das Leitungsschutzrecht, das den Geschäftsmodellen traditioneller Verlage entgegen käme und von der schwarz-gelben Regierung anscheinend favorisiert wird, wird im Netz scharf kritisiert.

3 Kommentare to “Minister Peter Friedrich appelliert an Südkurier-Medienhaus: „Verhandeln Sie!“”

  1. dk
    3. Juni 2011 at 22:24 #

    @ … Finanzierung von unabhängigem Journalismus im Web 2.0 …

    Ein lokaler Ableger von Wikileaks?
    http://thebureauinvestigates.com/2011/06/01/get-the-data-eu-commission-expenses/

    Der Link stammt aus einem Artikel über Verschwendungssucht in der EU:
    http://www.tagesanzeiger.ch/ausland/europa/250000-Euro-fuer-einen-Flug-mit-Privatjet/story/13385632

  2. TB
    4. Juni 2011 at 12:03 #

    Wenn mit den klassischen Printmedien kein Geld mehr zu verdienen ist, nutzen auch Parolen aus der roten Mottenkiste nichts, Herr Genosse ZK-Vorsitzender Friedrich. Und was die Interessen „der Gesellschaft“ mit den Interessen Mitarbeitern des Südkuriers zu tun haben sollen, müssten Sie mir mal erklären. Oder haben Sie das nur gesagt, weil’s so schön klingt? Es ist immer sehr belustigend, wenn Leute, die ihr ganzes Leben in NGOs, Gremien und auf Parteiposten verbracht haben und immer vom Steuerzahler oder aus der Parteikasse entlohnt wurden, groß mitquatschen, wenn es um unternehmersiche Belange geht.

  3. P S
    8. Juli 2011 at 04:12 #

    Zunächst: Mit Zeitungen ist nach wie vor Geld zu erwirtschaften (das Wort „verdienen“ trifft nicht unbedingt den Kern), sonst gäbe es sie nicht mehr, da nutzen auch keine PR-Gags aus dem real existierenden Kapitalismus was. Weiters haben die Interessen der Gesellschaft sehr wohl etwas mit den Interessen der „Südkurier“-„Mit“arbeiter zu tun. Johannes Weyl hat die Konzession für die Zeitung nicht ohne weiteres von der französischen Besatzungsmacht bekommen. Er mußte die Verpflichtung eingehen, ein demokratisches Organ herauszugeben. Bei der Saarbrücker Zeitung hat sich das in einem 15%igen Anteil der Belegschaft am Unternehmen niedergeschlagen. Die gehört ebenfalls zum Holtzbrinck-Konzern und hat interessanterweise kürzlich einen Haustarif mit ver.di und DJV ausgehandelt. Die vielleicht übertriebene Phrase von der vierten Gewalt in der Demokratie sollte als Hinweis dieses Bild abrunden. Die Anforderungen, die mit diesem Anspruch verbunden sind, sind nicht zum Nulltarif zu bekommen (wie auch dementsprechend jede Arbeit ein menschenwürdiges Leben ermöglichen muß, auch im Alter).

    „Südkurier“-Geschäftsführer Wiesner hat übrigens ausgeführt, daß es dem Unternehmen gut geht. (S. seeonline, dornröschen, seemoz.) Unternehmerische Belange scheinen sich also darin zu erschöpfen, daß nicht die erste Million für den Manager die schwerste ist, sondern die zweite. Weitergedacht bedeutet das das gleiche für die zweite, dritte oder vierte Milliarde auf Konzernebene.

    Es mutet bizarr an, wenn Leute zu Bereichen wie Demokratie oder sozialer Verantwortung Stellung beziehen, deren Denke kaum anders tickt als die Impulse einer Registrierkasse – einzig ausgerichtet nach dem Wörtchen mehr, mehr und noch mal mehr.

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