Mutmaßlicher Taximörder bis Samstag noch am Bodensee

28-Jähriger Russlanddeutscher kam mit Großeltern nach Deutschland

Hagnau (wak) Die Motive des mutmaßlichen brutalen Taxi-Mörders sind auch nach einer Pressekonferenz in Hagnau noch nicht bekannt. Der in Konstanz einsitzende Tatverdächtige schweigt. Beamte eines Sondereinsatzkommandos (SEK) hatten ihn am Sonntagabend in Brandenburg festgenommen.

Mutmaßlicher Mörder bis Samstag am Bodensee

Fest steht, dass sich der mutmaßliche Mörder, der vor zehn Jahren mit seinen Großeltern nach Deutschland kam, bis Ende Mai noch in Russland aufgehalten hat. An den Bodensee kehrte er nach Angaben der Polizei erst vor wenigen Tagen Anfang Juni zurück. Bis 2007 hatte der 28-Jährige, der in Singen und Stockach als Kleinkrimineller aufgefallen war, noch in Singen gewohnt. Nach den brutalen Verbrechen hielt sich der Deutsche, der Kontakte in der Region hat, offenbar noch bis Samstag in der Bodenseeregion auf. Dann erst fuhr er mit hoher Wahrscheinlichkeit mit dem Zug nach Senftenberg.

Staatsanwalt schildert die Taten

Noch einmal schilderte der Konstanzer Staatsanwalt Otto Röding heute in Hagnau die brutalen Überfälle auf die Taxifahrerinnen in Singen und Hagnau. Das erste der beiden bestialischen Verbrechen geschah am Dienstag vergangener Woche in Singen. Der mutmaßliche Mörder stieg am Singener Hauptbahnhof zu einer ahnungslosen 44-Jährigen ins Taxi. Während der Fahrt stieß der Tatverdächtige der Frau, die Mutter eines erwachsenen Sohnes ist, brutal ein Messer in den Hals. Als die Frau später weder über Funk noch über ihr Handy zu erreichen war, alarmierte der Taxiunternehmer kurz nach 18 Uhr die Polizei.

44-Jährige kann bis heute nicht sprechen

Das Fahrziel des mutmaßlichen Vergewaltigers und späteren Mörders war die Hohenkrähenstraße, so Gerd Stiefel von der Polizeidirektion Konstanz. Der Beamte, der seit 31 Jahren im Polizeidienst ist, sprach auf der Pressekonferenz von einem „Verbrechen“, das er als „schrecklich“ bezeichnete. Der gestandene Polizeibeamte strauchelte, als er von der Tat berichtete. Die aus der Nähe von Singen stammende Frau wurde vom Tatverdächtigen mit einem Springmesser schwerst am Hals verletzt. Offenbar konnte sie den Polizisten nach der Tat am Mittwochmorgen, nachdem sie von einem Notarzt versorgt wurde, gegen 4 Uhr noch einige Informationen geben. Seither kann sie nicht mehr sprechen und ist halbseitig gelähmt. Offenbar hat der brutale Vergewaltiger Nervenstränge irreparabel verletzt.

Täter hinterließ DNA-Spuren

Als Polizisten das Taxi auf einem Feldweg entdeckten, konnte das Opfer nicht einmal mehr um Hilfe rufen. Die Streifenpolizisten hätten nur ein „Röcheln“ gehört, so Stiefel. Die Polizei ist derzeit noch dabei, das Verbrechen zu rekonstruieren. Am Tatort hat die Polizei, da es in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch trocken war, wichtige Spuren gesichert. Der brutale Mann hatte seine DNA hinterlassen. Da der mutmaßliche Täter zuvor in Singen und Stockach schon mehrfach als Kleinkrimineller aufgefallen war, gab es von ihm bereits eine DNA-Probe.

Mutmaßlicher Täter kleidete sich neu ein

Nach seiner ersten Tat hat sich der brutale Verbrecher offenbar umgezogen. Die Polizei fragt jetzt, wo er sich möglicherweise eine Jeans und ein T-Shirt gekauft oder die Hose und ein auffälliges T-Shirt gestohlen hat. Noch ist die Kleidung, die der Mann bei der Tat in Singen trug, verschwunden.

Alleinerziehende Mutter brutal mit Messer getötet

Karl-Heinz Wolfsturm von der Polizeidirektion Friedrichshafen schilderte wie sich die blutige Spur des mutmaßlichen Mörders am Mittwoch vergangener Woche in den Bodenseekreis zog. Um 11.41 Uhr ging bei der Polizei ein Notruf ein, bei dem von einer blutenden Person beim Hagnauer Campingplatz die Rede war. Gut zehn Minuten später, um 11.55 Uhr, war die 32 Jahre alte Taxifahrerin, eine alleinerziehende Mutter zweier Kinder im Grundschulalter, tot. Sie wies massive Stichverletzungen am Hals sowie Abwehrverletzungen an der linken Hand auf. Wolfsturm berichtete in Hagnau auch noch einmal wie sich nach dem Mord die Spur des mutmaßlichen Mörders in Fischbach verlor.

Springermesser lag im Taxi

„Das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung war nachhaltig beeinträchtigt“, so Wolfsturm. Obwohl direkt nach den Taten noch die Beweise fehlten, nahm die Polizei an, dass die Verbrechen in Singen und Hagnau zusammenhingen. Die Polizei warnte die Bevölkerung vor dem unberechenbaren mutmaßlichen Mörder. Gewarnt wurden auch die Taxiunternehmen. Die Polizei ging zu diesem Zeitpunkt davon aus, dass der Täter ein drittes Mal zuschlagen könnte. Die Tatwaffe, die der mutmaßliche Mörder in beiden Fällen benutzte, hatte der Mann im Taxi zurückgelassen.

Spur nach Senftenberg

Am Sonntagnachmittag, nachdem der mutmaßliche Täter nach einer molekulargenetischen Untersuchung, offenbar anhand seiner DNA identifiziert war, nannte die Polizei den Namen des mutmaßlichen Mörders und fahndete nach ihm erstmals öffentlich. Eine Spur führte nach Brandenburg. Am Sonntagabend nahmen Spezialeinsatzkräfte den mutmaßlichen Mörder in einer Gartenkolonie in Senftenberg fest.

Lauben-Nachbarn wollten Polizei am Zugriff hindern

Die Brandenburger Polizei habe sich korrekt verhalten, sagte Wolfsturm. Die Beamten hätten einen mutmaßlichen Mörder und keinen Kleinkriminellen festnehmen müssen. Offenbar kam es bei der Polizeiaktion aber zu einem Zwischenfall, den die Polizei in Brandenburg heute so schilderte: „Während der Festnahme des Tatverdächtigen versuchten mehrere zum Teil stark alkoholisierte Nutzer eines Nachbarbungalows die Polizei vor Ort zu behindern.“ Und weiter:  „Deshalb wurden mehrere männliche und weibliche Personen, die sich sehr aggressiv verhielten und nach Auskunft weiterer Gartennutzer zudem über Waffen verfügen sollten, wegen Störung von Amtshandlungen zeitweise festgenommen“, so Toralf Reinhardt vom Landeskriminalamt Brandenburg in Eberswalde. „Dabei musste eine Person unter Anwendung von körperlichem Zwang fixiert werden“, teilte der Pressesprecher weiter mit. Nach Abschluss der Festnahme des mutmaßlichen Taximörders seien die Festnahmen wieder aufgehoben worden, heißt es weiter aus Eberswalde. Vorwürfe, dass sich die Beamten brutal verhalten hätten, weist die Polizei zurück.

Mutmaßlicher Mörder hat Kontakte am See

Die Polizei kennt offenbar den Aufenthaltsort des mutmaßlichen Mörders, der erst am Samstag mutmaßlich mit dem Zug nach Senftenberg gefahren sein soll. Nicht alle Informationen aber gibt die Polizei momentan schon frei. Sie will verhindern, dass Täterwissen öffentlich bekannt wird. Kein Geheimnis aber ist offenbar, dass der Tatverdächtige mehrere Anlaufstellen im Raum Bodensee hatte. Gefasst wurde er aber nicht aufgrund eines Hinweises. Die Ermittlungsarbeit der Polizei, die nach den Verbrechen im Großeinsatz war, führte auf die Spur des Täters.

28-Jähriger kam aus Sibirien nach Deutschland

Der  Konstanzer Staatsanwalt Otto Röding gab einige spärliche Informationen über die Biografie des Tatverdächtigen preis, der mittlerweile in Konstanz inhaftiert ist und der des versuchten Mordes im Singener Fall und des Mordes im Hagnauer Fall beschuldigt wird. Das Tatmerkmal der Heimtücke sei erfüllt. Ursprünglich stammt der heute 28-Jährige laut Röding aus Sibirien. Zehn Jahre lang besuchte der mutmaßliche Mörder eine Schule, die er mit einem mittleren Bildungsabschluss verließ. Im Jahr 2000 wanderte er mit seinen Großeltern nach Deutschland aus. 2003 kam er nach Singen. Röding bezeichnete den Russlanddeutschen heute als „notorischen Kleinkriminellen“, der beispielsweise Kleidung gestohlen hat und einmal wegen eines Verkehrsdelikts auffiel. Am 3. Dezember 2006 ging er im Streit mit einem Taschenmesser auf einen Mann los, der später die Anzeige aber zurückzog. 2007 verliert sich die Spur des mutmaßlichen Mörders. In Deutschland arbeitet der Tatverdächtige zeitweise als Hilfshausmeister oder lebte von Sozialleistungen. Von 2007 bis Anfang Juni hielt sich der mutmaßliche Mörder, der in Deutschland keinen festen Wohnsitz mehr hatte, in Russland auf. Das Gartengrundstück, auf dem ihn die Polizei festnahm, gehört seiner Großmutter.

Fotos: wak

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