Nach Konstanzer Papst-Streit: Papamobil goes Austria

Am Montag kommender Woche fährt Gaukler-Papst in die Steiermark

Konstanz/Birnau (wak) Ein Tieflader transportiert den in Konstanz verschmähten Gaukler-Papst nach Österreich. Abfahrt ist am kommenden Montag, 9. August, in Bodman-Ludwigshafen voraussichtlich am Vormittag. Am 12. August ist die Vernissage der Ausstellung mit Skulpturen Peter Lenks in Weiz in der Steiermark geplant. Der Papst sitzt während der Reise auf dem Tieflader unter einem Baldachin. Mit auf Tour gehen ein Amor, ein Affe, zwei Engel mit Gasmasken und ein Presseferkel.

Inszenierte Reise eines Papamobils

Die Reise der Papamobils inszeniert der österreichische Aktionskünstler Johan Maden. Peter Lenk selbst ist nicht mit dem Papamobil unterwegs. Er reist einen Tag später mit zwei Lastwagen und einem Hänger dem spektakuläreren Kunsttransport hinterher. Während die Gauklerfigur die Vorhut bildet, fahren die anderen Ausstellungsstücke sozusagen verpackt hinterher. Nur so viel lässt der Bildhauer zum Thema Papmobil wissen: Amor und Affe seien „gut bestückt“ und die Gasmaskenengel auf dem Papamobil sehen aus wie jene, die auf dem Lenk-Brunnen an der Konstanzer Laube sitzen. Dass auch ein Presseferkel mit dem Papamobil reist, dürfte kein Zufall sein. So war eine Falschmeldung der Bild-Zeitung Auslöser des Streits um den päpstlichen Gaukler auf dem Konstanzer Bahnhof, der mit dem Abbau der Figur endete.

„Misstraue der Idylle“

Einen Stopp machen will Johan Mader bei der Birnau. Der Arbeitstitel der Aktion lautet: „Misstraue der Idylle“. Anders als kolportiert, möchte die Kunstaktion aber nicht in erster Linie den sexuellen Missbrauch anprangern, der in der Birnau zwischen 1966 und 1968 stattgefunden hat. Der Vorfall war 2006 bekannt geworden und hatte zu mittlerweile eingestellten staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen gegen Erzbischof Robert Zollitsch geführt. Lenk sagte, sexueller Missbrauch sei ein ernstes Thema. Für Klamauk mit einem Papamobil dürfte es sich kaum eignen.

Die Birnau ein Schauplatz

Sexualität und Kirche, Verklemmtheit und Unaufrichtigkeit sind Themen, die Peter Lenk bewegen. An der Klosterkirche Birnau – einem nur scheinbar idyllischen Ort, der mehrfach Tatort gewesen ist – soll am Montag nur ein Foto entstehen, sagte der Künstler. Der Zölibat ist aus Sichts Lenks eine Ursache vielen Übels. Lenk findet es empörend, dass eine Nonne, die Kondome verteilte, „unehrenhaft entlassen“ worden sei.

Lenk prangert Zölibat als närrisch an

„An der Birnau halten wir, weil da die sexuelle Not besonders groß war. Es geht um das  närrische Zölibat und um noch närrischere Schweigegeldzahlungen weniger um Ministranten-Missbrauch als eventuelle Folge davon“, erklärt der Bildhauer. Hunderttausende aus Spenden der Gläubigen seien für Schweigegeldzahlungen verwandt worden. „Wir wollen erreichen, dass der Vatikan wieder einen päpstlichen Hofnarren einstellt, der ihm ungestraft die nackte Wahrheit sagen kann“, heißt es in einem von Lenk mit unterzeichneten Pamphlet des Kunsthauses Weiz in Österreich. „Zu Geldwäsche, Holocuast-Leugnung, Kondom-Verbot etc. Leider wurde dieses Amt vom Großinquisitor und späteren Papst Pius V 1566 abgeschafft, so dass Päpste stets Gefahr laufen, selbst für Hofnarren oder Gaukler gehalten zu werden (So geschehen in der Bildzeitung vom 29.4.2010), heißt es in der Schrift weiter.  Na denn, Bon Voyage nach Felix Austria!

Ein Kommentar to “Nach Konstanzer Papst-Streit: Papamobil goes Austria”

  1. Fenedig
    3. August 2010 at 09:36 #

    Das wird ja ab kommenden Montag ein Riesengaudi! Wenn der religiös inspirierte Klamauk dann endgültig in die schöne Steiermark verlagert ist, kann man sich hier am See wieder der eigentlichen Kultur zuwenden. Die Medien müssen sich dann ein neues Betätigungsfeld suchen, um das real existierende Sommerloch zu stopfen. Es wird ihnen nach aller Erfahrung nicht schwer fallen.

Schreibe einen Kommentar

Hinterlassen Sie hier Ihren Kommentar. Bleiben Sie bitte nett. Ihre E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.