Nachgefragt bei Zahide Sarikas: Was wollen die Menschen von Ihnen wissen?

SPD-Landtagskandidatin beantwortet notfalls auch Fragen zum Inhalt ihres Kühlschranks

Konstanz. Vor wenigen Wochen noch stand Zahide Sarikas, die SPD-Landtagskandidatin der SPD im Wahlkreis Konstanz, nicht im Rampenlicht. Sie arbeitete im Döner-Restaurant ihrer Familie und setzte sich für Migranten ein, half ihnen mit Ämtern und sie engagierte sich im Sozialen Bereich. Zahide Sarikas ist in der Türkei geboren, verheiratet und sie hat einen 21 Jahre alten Sohn, der studieren möchte. Ihr Mann und ihr Sohn unterstützen sie im Wahlkampf – moralisch und auch im Haushalt. Ihr Sohn sei ihr bester Kritiker, sagt sie. Viel Aufhebens um ihre Person machte Zahide Sarikas bisher nicht. Seit sie für den Landtag kandidiert hat sich, was das öffentliche Interesse an betrifft, aber so einiges geändert. Wir haben mit ihr über ihre Kandidatur, den Wahlkampf und den Landesparteitag der SPD am vergangenen Samstag in Stuttgart gesprochen.

See-Online: Am Samstag traf sich die SPD zu ihrem Landesparteitag in Stuttgart. 320 Delegierte hörten in der Liederhalle eine kämpferische Rede von SPD-Spitzenkandidat Nils Schmid. War hinterher Aufbruchstimmung zu spüren?

Zahide Sarikas: Die Rede ist sehr gut angekommen. Sie war ziemlich emotional. Junge und auch Ältere waren begeistert. Eine wichtige Rolle spielten die Themen Bildung und Integration. Da spielt es sicher eine Rolle, dass Nils Schmid mit Tülay verheiratet ist. Viele reden von Integration, er lebt sie. Das ist etwas anderes.

See-Online: Wie hat Ihnen persönlich die Rede gefallen?

Zahide Sarikas: Sehr gut. Sie brachte neuen Wind und einen neuen Stil herein, also auch in die SPD.

See-Online: Die SPD verharrt in Umfragen bei 19 Prozent. Glauben Sie, dass Ihre Partei bis zum 27. März noch aufholen kann?

Zahide Sarikas: Ich glaube schon. Durch Prognosen darf man sich nicht entmutigen lassen. Ich bin zuversichtlich, dass wir mit unseren Themen Bildung, Studiengebühren oder Integration noch aufholen können. Integration ist ein Zukunftsthema.

See-Online: Wie viele Stunden sind Sie persönlich jetzt im Januar täglich unterwegs, um Wahlkampf zu machen?

Zahide Sarikas: Es ist unterschiedlich. Ich investiere täglich vier bis fünf Stunden etwa. Es gibt viele Termine. Leute sprechen mich an. Ich habe einen großen Bekanntenkreis. Da werde ich oft auch privat eingeladen. Es macht Spaß. Ich habe ein sehr gutes Wahlkampfteam und die SPD unterstützt mich.

See-Online: Haben Sie den Eindruck, dass sich die Menschen im Wahlkreis Konstanz für die Landtagswahl interessieren?

Zahide Sarikas: Das Interesse ist da. Bis zum 27. März ist es für viele Leute aber noch lange hin.

See-Online: Sprechen wir über Themen wie Mindestlohn, Bildungsgerechtigkeit und das Gesundheitssystem. Welches Thema finden Sie persönlich am wichtigsten?

Zahide Sarikas: Alle Themen sind wichtig. Ich möchte sie nicht in eine Reihenfolge bringen. Sie betreffen alle Menschen. Bildung und Gesundheit sind Grundlagen des menschlichen Lebens.

See-Online: Wenn Sie im Wahlkampf Wählern begegnen, auf welche Themen sprechen die Menschen Sie besonders häufig an?

Zahide Sarikas: Sehr oft werde ich nach Integration und Bildung gefragt – und auch auf Pierre Vogel (Islamistenprediger d. R.) angesprochen. Integration geht nicht nur die Migranten, sondern die ganze Gesellschaft an. 50 Prozent der Kinder unter 3 Jahren sind in Konstanz Migranten. Bei den unter 18-Jährigen sind es 47 Prozent. Sie werden später einmal das Rentensystem tragen. Wir müssen ihre Bildung fördern – dann können wir von ihnen später auch etwas fordern. Integration ist ein soziales Thema. Viele haben mich gelobt, dass ich den Mut zu dem Aufruf „Dialog statt Hass“ hatte. Als ich beim Handball war, fanden das auch viele gut und fragten, wie sie mir helfen könnten.

See-Online: Welche Rolle spielt Stuttgart 21? Die SPD will ja den neuen Bahnhof, seit Samstag möchte sie aber erst einmal einen Baustopp und weiterhin eine Volksabstimmung.

Zahide Sarikas: Es ist ein wichtiges Thema. Es hat uns auch in Konstanz wochenlang beschäftigt. Es ist wichtig, das Volk bei Großprojekten einzubeziehen. Von oben geht es nicht. Ich bin für Volksentscheide.

See-Online: Wenn Sie im Wahlkreis unterwegs sind, welchen Eindruck habe Sie: Was ist den Menschen wichtiger „Substanz“ oder „Show“?

Zahide Sarikas: Ich bin keine Schauspielerin. Die Menschen interessieren sich für den Inhalt. Ich würde sagen zu 95 Prozent. Ein bisschen Show ist trotzdem dabei. (Zum Beispiel bei der Bückleinkunsttalkshow d. R.).

See-Online: Welche Rolle spielt Ihrer Meinung nach das Internet im Landtagswahlkampf 2011?

Zahide Sarikas: Es spielt eine große Rolle. Leute aus Bayern kontaktierten mich und wollten mir helfen. Bei jungen Leuten ist es noch wichtiger. Sie sind bei Facebook, Twitter oder klicken die Homepage an.

See-Online: Wie nutzen die Menschen das Web? Informieren sich Ihre Wähler bei Online-Medien und Blogs, nutzen sie Soziale Netzwerke wie Facebook und besuchen sie Ihre persönliche Seite im Web?

Zahide Sarikas: An Reaktionen merke ich, dass Beiträge wie auf See-Online gelesen werden. Besonders wichtig ist auch Facebook. Ich bekomme auf Facebook viele persönliche Nachrichten. Türkische Frauen schreiben mir, dass ich ein Vorbild sei und sie loben meine Zivilcourage.

See-Online: Am Freitagabend sind Sie bei der Bückleinkuntstalkshow zu Gast. Ist Ihnen ein bisschen mulmig? Das Wahlprogramm ist ja an dem Abend tabu. Statt dessen sollen die Kandidaten zum Beispiel ein Lied singen.

Zahide Sarikas: Ich werde kein Lied singen, da ich nicht singen kann. Ich mache etwa anderes und habe mir ein Lied gewünscht.

See-Online: Was halten Sie von Fragen, die sehr persönlich sind? Würden Sie mir zum Beispiel die Frage beantworten, was Sie in Ihrem Kühlschrank haben?

Zahide Sarikas: Aufschnitt, Käse, Gemüse…Ich bin es gewohnt, dass mich Leute etwas Persönliches fragen. Ich habe damit kein Problem. Auch im Kindergarten und in der Schule meines Sohnes gab es persönliche Fragen. Die Leute sind neugierig.

See-Online: Sagen Sie uns zum Abschluss doch bitte ganz kurz, weshalb die Wähler Ihnen und nicht zum Beispiel dem Kandidaten der Linken oder der Kandidatin der Piraten ihre Stimme geben sollen.

Zahide Sarikas: Weil wir ein gutes Programm haben. Ich sage es noch einmal: Bildung, Integration, soziale Gerechtigkeit. Wir haben lange daran gearbeitet.

(Die Fragen stellte Waltraud Kässer)


Fotos: wak/SPD

6 Kommentare to “Nachgefragt bei Zahide Sarikas: Was wollen die Menschen von Ihnen wissen?”

  1. Papuga
    25. Januar 2011 at 08:31 #

    Klingt irgendwie auswendig gelernt. Phrasendrescherei.

  2. Bruno Neidhart
    25. Januar 2011 at 09:29 #

    Die Themen Bildung-Integration-Soziale Gerechtigkeit bleiben gesellschaftlich auch dann stets relevant, wenn sie von einigen bereits als „Phrasendrescherei“ abgehandelt werden. DIe Themen „Online-sein“ z.B., oder neulich gar „Kommunismus“, sind in diesem Zusammenhang bekanntlich von anderen politischen Gruppierungen besetzt.

  3. Kontrolleur
    25. Januar 2011 at 12:17 #

    Bildung: Bekommt in diesem Land jeder. Allerdings nur die, für die man geeignet ist. Die SPD will ja bekanntlich jedem das Abitur schenken und nennt das dann „Chancengleichheit“. Natürlich dürfen damit keine Anstrengungen verbunden sind.

    Integration: Nanu? Also es gibt wohl kein Land auf der Welt, daß sich so dermaßen ein Bein rausreisst, um möglichst viel für Integration von Fremden zu tun. Daß die Integration allerdings bei Angehörigen ganz bestimmter Kulturkreise nicht klappt, hat nichts mit Politik zu tun. Sondenr mit der eigenen Einstellung.

    Soziale Gerechtigkeit: Au man. Ganz schön abgedroschen. Was ist sozial „gerecht“? Gibt es das überhaupt oder wird hier nur billige Wahlkampfpolemik herausgeplärrt, um die zu kurz gekommenen zur Stimmabgabe zu bewegen? Nur Schweden gibt übrigens noch mehr Geld für Soziales aus, als Deutschland. Also so ganz unsozial geht es hier sicherlich nicht zu.

  4. Winfried Kropp
    25. Januar 2011 at 17:52 #

    Die Piratenpartei fordert mehr Transparenz auf allen Ebenen. Insofern dürfte folgender Hinweis in ihrem Sinne sein. Hinter dem Pseudonym papuga verbirgt sich wohl Benno Buchzyck, Zweitkandidat und örtlicher Funktionär der Partei, der aus dem Hinterhalt über Konkurrenten lästert.

  5. Kontrolleur
    25. Januar 2011 at 18:05 #

    Wow, was für eine Neuigkeit! Auf der Webseite der Piratenpartei steht dieser Nickname klar und deutlich sichtbar hinter Benno Buchzyck. Die Sozi-Petze hat also nicht wirklich einen Skandal losgetreten.

  6. Papuga
    26. Januar 2011 at 07:35 #

    @Winfried Kropp chapeau! Meisterleistung!

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