Nachgefragt: Wer ist eigentlich Andreas Hoffmann?

Im Gespräch mit Landtagskandidaten im Wahlkreis Konstanz

Konstanz. Wählen oder nicht wählen und wenn ja, wen wählen? Diese Frage stellt sich den Wahlberechtigten in Baden-Württemberg am 27. März bei der Landtagswahl. Parteibindungen sind bei Wahlentscheidungen immer weniger wichtig. Während ein Teil der Wahlberechtigten eher strategisch wählt oder sich spontan für eine Partei entscheidet, spielt bei anderen die Persönlichkeit des Kandidaten eine große Rolle.

See-Online: Stellen Sie sich doch bitte einmal kurz vor: Verraten Sie uns Ihr Alter, wo Sie geboren sind, Ihren Beruf und wo und wie Sie leben.

Andreas Hoffmann: Ich bin 50 Jahre alt, in Heidelberg geboren, von Beruf bin ich Sozialversicherungsfachangestellter und habe in Konstanz berufsbegleitend BWL studiert. Aktuell in ich also Betriebswirt. Ich wohne mit meiner Frau, unseren zwei Kindern und unserem Paten-Hund in einem Einfamilienhaus in Hegne.

See-Online: Weshalb haben Sie sich entschieden, ausgerechnet in Ihre und in keine andere Partei einzutreten?

Andreas Hoffmann: In die CDU kam ich über die Kommunalpolitik in Allensbach. Als Krankenkassengeschäftsführer hatte ich mit Sozialausschüssen der CDU Kontakt. Es gab zwei entscheidende Punkte. Der erste: Der Umgang mit der Subsidarität, das heißt, nicht alles soll der Staat regeln, sondern er soll Hilfe zur Selbsthilfe geben. Und der zweite: mein christlicher Hintergrund.

See-Online: Was würden Sie tun, wenn Sie einen Tag lang Ministerpräsident wären?

Andreas Hoffmann: Ein Tag würde nicht reichen. Ich würde das tun, woran mein Herz hängt und flächendeckend Bildungshäuser einführen. Bildungshäuser sind eine Kombination aus Kindergärten und Grundschulen. In Baden-Württemberg gibt es 33 Modellstandorte, einen davon in Dingelsdorf. Kinder lernen in Bildungshäusern gemeinsam. Ältere lesen Jüngeren zum Beispiel vor. Bildungshäuser garantieren Chancengleichheit von Anfang an und sie sorgen dafür, dass Kinder gut vorbereitet in die Grundschule kommen. Ein guter Start in die Grundschule ist auch Sozial- und Integrationspolitik.

See-Online: Partei- und Regierungsprogramme könnten wir im Internet lesen. Wir möchten Sie deshalb lieber persönlich ein bisschen näher kennenlernen. Sind Sie mit ein paar persönliche Fragen einverstanden?

Andreas Hoffmann: Ja.

See-Online: Würden Sie der Aussage zustimmen, dass Politik Kommunikation ist? Macht es Ihnen Spaß, unter Menschen zu sein?

Andreas Hoffmann: Beides ja. Ich sage „nah dran“. Es bringt mir am meisten, unter Menschen zu sein. Meine Frau ist Ortschaftsrätin, wir bilden einen Blindenhund aus, ich bin in zwei Vereinen, Landes-Vorsitzender des Kolpingwerks und Bezirksvorsitzender der DLRG im Kreis Konstanz und unsere Familie ist eine normale Familie. Eltern treffen Eltern, unser Haus ist voll mit Freunden unserer Kinder und ich habe immer Kontakt zu ganz normalen Leuten.

See-Online: Sind Sie gern draußen an der frischen Luft?

Andreas Hoffmann: Mein Ziel ist es, in der Woche mindestens 5000 Meter zu laufen. Außerdem haben wir den Hund. Was mir fehlt, ist mehr Zeit für die Familie und den Garten. Den hat meine Frau übernommen.

See-Online: Stellen Sie sich vor, es ist Sonntag. Sie können nicht einkaufen. Was darf in Ihrem Kühlschrank an einem Sonntag auf gar keinen Fall fehlen?

Andreas Hoffmann: Ein ordentlicher Wurstaufschnitt und ein Becher Kefir.

See-Online: Wo haben Sie Ihre besten Ideen? Vielleicht unter der Dusche?

Andreas Hoffmann: Am besten kann ich beim Laufen nachdenken oder auf langen Autofahrten. Wenn ich einen Termin in einer Kirche habe, bin ich bewusst eine halbe Stunde vorher da. Eine Kirche ist für mich ein sehr komplentativer Ort.

See-Online: Wie wichtig sind Ihnen Freunde? Wir meinen nicht politische Freunde, sondern Menschen, die Ihnen wirklich nahe stehen.

Andreas Hoffmann: Meine Freunde sind mir sehr wichtig. Gute Freunde kann man an zwei Händen abzählen. Sie sind auch deshalb wichtig, weil ich sicher sein kann, dass sie mir ehrlich sagen, wie sie eine Situation einschätzen. Das ist in der Politik nicht immer so. Trotzdem habe ich auch in der Politik wirkliche Freunde.

See-Online: Wie wichtig ist emotionale Intelligenz und die Fähigkeit zu Empathie? Oder sind Sie ein reiner Verstandsmensch, dem Emotionen nicht so wichtig sind?

Andreas Hoffmann: Emotionale Intelligenz ist die bedeutendste Eigenschaft eines guten Politikers und wichtiger als jede Sachkenntnis. Wer keine Menschen liebt, hat in der Politik nichts zu suchen.

See-Online: Viele Menschen haben ein Lieblingszitat oder einen Lieblingsspruch wie „Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen…“ . Haben Sie auch so einen Satz?

Andreas Hoffmann: Mein Leitspruch heißt: Glaub‘ an die Zukunft, lerne aus der Vergangenheit, aber lebe im Jetzt. Man könnte statt lerne aus der Vergangenheit auch sagen, bedenke, woher Du kommst.

See-Online: Besitzen Sie ein Smartphone?

Andreas Hoffmann: Selbstverständlich. Man sagt, ich sei der Trendsetter in der CDU-Fraktion im Landtag, was neue Medien betrifft. Am Rande jeder größeren Sitzung muss ich drei bis vier Geräte neu einrichten. Ich bin der informelle Multimedia-Beauftragte und versuche, immer up to date zu sein. Es macht mir Spaß und ich habe mir alles selbst beigebracht. Die Fraktion schenkte mir zu meinem 50. Geburtstag ein iPad, damit ich es ausprobieren und meinen Kollegen sagen kann, ob es auch etwas für sie ist.

See-Online: Lesen Sie Nachrichten lieber online oder in gedruckten Zeitungen?

Andreas Hoffmann: Tagsüber lese ich online die aktuellen Nachrichten. Ich schaue mir verschiedene Medien an. Ich habe fünf oder sechs Apps auf meinem iPhone und ich lese zwei gedruckte Zeitungen. Auf dem Frühstückstisch liegt neben der Zeitung das iPad. Ich informiere mich an sieben Tagen in der Woche 24 Stunden lang. Die neuen Medien machen es einfach.

See-Online: Nutzen Sie in Ihrer Freizeit Twitter oder Facebook oder finden Sie für sich persönlich soziale Netzwerke und Mikroblogging nicht ganz so wichtig?

Andreas Hoffmann: Ich war einer der ersten Facebook-Nutzer in der Landtags-CDU. Ich habe eine Seite als Landtagsabgeordneter und eine private mit wenigen Freunden. Um Kontakt mit wahren Freunden zu halten, brauche ich aber kein Facebook.

See-Online: Wissen Sie welche Rolle Facebook in Tunesien spielte, Stichwort „Revolution im Internet“?

Andreas Hoffmann: Medien sind wichtig. Medien und Facebook spielen als Steuerungs- und Kommunikationsinstrument eine große Rolle. Über Facebook erreicht eine Information relativ schnell viele Leute. Auf meiner Facebook-Seite als Landtagsabgeordneter melden sich viele junge Leute zu Wort, sie kommentieren und stellen Fragen. Seit Facebook da ist, ist Abgeordneten-Watch tot. Dort werden nur noch Standardfragen gestellt.

See-Online: Auch im Fall von „Stuttgart 21“ spielte sich viel im Internet ab. Nachrichten verbreiten sich über Twitter fast in Echtzeit. Haben Sie im Internet schon einmal fluegel.tv geschaut?

Andreas Hoffmann: fluegel. tv kenne ich nicht. Die öffentlich-rechtlichen Medien haben sehr gut informiert. Ich möchte keine einseitige Information. Wenn fluegel. tv das Bild schärft, ist es gut. Ich habe aber Vertrauen in die Öffentlich-Rechtlichen.

See-Online: Apropos schauen: Gehen Sie lieber ins Kino oder schieben Sie eine DVD ein? Welchen Film sollten wir uns unbedingt einmal anschauen?

Andreas Hoffmann: Ich mag Kino und DVDs. Ich habe nur leider sehr wenig Zeit dafür. An einem gemütlichen Abend zu Hause schaue ich mir nicht unbedingt eine DVD an. Sehr beindruckt hat mich der Film „A Beautiful Mind – Genie und Wahnsinn“.  Ich habe ihn im Kino gesehen und drei bis vier Mal auf DVD angeschaut. Der Film erzählt die faszinierende Geschichte des schizophrenen Nobelpreisträger John Forbes Nash Jr.. Es ist Sehr beeindruckend wie nah Genie und Wahnsinn beieinander liegen.

See-Online: Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, welchen Headliner, welche Band oder welchen internationalen Künstler, würden Sie gern einmal im Bodensee-Stadion live spielen hören?

Andreas Hoffmann: Maná.

See-Online: Jetzt doch noch zwei politische Fragen. Was halten Sie von Volksentscheiden?

Andreas Hoffmann: Ich habe meine ureigene Erfahrung mit Großprojekten im Kreis Konstanz. Ich meine die Westtangente und die B 33. Es sind große Straßenprojekte am Rande von Naturschutzgebieten. Ich saß bei vielen Menschen zu Hause auf der Couch. Ich habe mit ihnen in ihren Wohnzimmern und Gärten gesprochen. Das ist die beste Bürgerbeteiligung. Am Ende haben wir erreicht, dass kein Bürger und kein Verband dagegen klagten. Die Belange des Naturschutzes sind berücksichtigt. Bevor es zur Planfeststellung kommt, muss es einen Konsens geben. Es gab keinen Fall, den wir nicht lösen und nicht zum Beispiel einen Grundstücktausch anbieten konnten. Das war ein Lehrstück, wie im Vorfeld von endgültigen Entscheidungen die Bürger und die Verbände wirklich eine aktive Rolle spielen können. Die Bürgerbeteiligung darf nicht am Ende eines Prozesses stehen. Von einer Volksbefragung am Ende halte ich gar nichts.

See-Online: Was haben Sie aus den Ereignissen in Zusammenhang mit Stuttgart 21 gelernt?

Andreas Hoffmann: Erstens, dass Projekte zu lange dauern und zweitens, dass der persönliche Dialog durch nichts zu ersetzen ist. Ich habe gelernt, dass es immer Menschen geben wird, die sich erst am Ende eines Prozesses für ein Projekt interessieren. Die Politik muss frühzeitig informieren. Information ist ein Bürgerrecht aber auch eine Bürgerpflicht. Die Kostensteigerung ist für mich kein Argument, das die Aktionen in Stuttgart rechtfertigt. Am Anfang gibt es immer eine Kostenschätzung, die dann konkret wird. Auch Preissteigerungen spielen eine Rolle.

See-Online: Letzte Frage: Warum sollten wir ausgerechnet Sie wählen?

Andreas Hoffmann: Vielleicht, weil sie in den letzten zehn Jahren festgestellt haben, wie ich meine Arbeit machen. Das haben ziemlich viele festgestellt.

Mehr über die Politik der CDU gibt es unter http://www.andreas-hoffmann.info/

Das Gespräch mit Andreas Hoffmann führte Waltraud Kässer an einem sonnigen Montag im Februar im Marktstättencafé in Konstanz.

Ein Kommentar to “Nachgefragt: Wer ist eigentlich Andreas Hoffmann?”

  1. Thomas Heidrich
    15. Februar 2011 at 09:54 #

    Also für einen Trendsetter der neuen Medien und informellen Multimedia-Beauftragten validiert seine Webseite im W3C auffallend schlecht. :-D

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