Nachgefragt: Wer ist eigentlich Bernhard Hanke?

Im Gespräch mit Landtagskandidaten im Wahlkreis Konstanz

Bernhard HankeKonstanz. Wählen oder nicht wählen und wenn ja, wen wählen? Diese Frage stellt sich den Wahlberechtigten in Baden-Württemberg am 27. März bei der Landtagswahl. Parteibindungen sind bei Wahlentscheidungen immer weniger wichtig. Während ein Teil der Wahlberechtigten eher strategisch wählt oder sich spontan für eine Partei entscheidet, spielt bei anderen die Persönlichkeit des Kandidaten eine große Rolle.

See-Online: Stellen Sie sich doch bitte einmal kurz vor: Verraten Sie uns Ihr Alter, wo Sie geboren sind, Ihren Beruf und wo und wie Sie leben.

Bernhard Hanke: 57 Jahre, geboren bin ich in Hornberg im Schwarzwald, von Beruf bin ich Feinmechaniker und arbeite beim DGB-Jugendcamp Markelfingen. Mit meiner Frau wohne ich in einer Eigentumswohnung in der Blarerstraße in Konstanz.

See-Online: Weshalb haben Sie sich entschieden, ausgerechnet in Ihre und in keine andere Partei einzutreten?

Bernhard Hanke: 1970 nach der mittleren Reife habe ich bei der AEG eine Lehre angefangen. Ich war seit meiner Jugend immer gewerkschaftlich organisiert. Seit fast 40 Jahren bin ich Gewerkschaftsmitglied. Meine politischen Aktivitäten entwickelten sich aus der Gewerkschaftsarbeit. Etwa 1972 war ich wegen Willy Brandt kurze Zeit Mitglied der SPD und bin anschließend in der Sozialistischen Deutschen Arbeiterjugend engagiert gewesen. Bis 1989/90 war ich dann Mitglied der DKP. Ich wechselte in die WASG „Arbeit & soziale Gerechtigkeit – Die Wahlalternative“. Die schloss sich 2007 mit der PDS zur Partei die Linke zusammen.

See-Online: Was würden Sie tun, wenn Sie einen Tag lang Ministerpräsident wären?

Bernhard Hanke: Als erstes würde ich die Studiengebühren abschaffen. Außerdem würde ich mehr Bürgerbeteiligung einführen und die Quote bei Volksbefragungen nach unten setzen.

See-Online: Partei- und Regierungsprogramme könnten wir im Internet lesen. Wir möchten Sie deshalb lieber persönlich ein bisschen näher kennenlernen. Sind Sie mit ein paar persönliche Fragen einverstanden?

Bernhard Hanke: Ja.

See-Online: Würden Sie der Aussage zustimmen, dass Politik Kommunikation ist? Macht es Ihnen Spaß, unter Menschen zu sein?

Bernhard Hanke: Ja. Es macht mir Spaß. Politik muss Kommunikation sein. Kommunikation muss stattfinden. Die Menschen gehen nicht nur alle vier Jahre zum Wählen. Ohne Kommunikation endet es im Desaster. Stuttgart 21 und der Bürgerentscheid gegen das Konzert- und Kongresshaus in Konstanz sind zwei Beispiele. In Konstanz waren zwei Drittel der Abstimmenden dagegen. So etwas machen die Leute nicht mehr mit.

See-Online: Sind Sie gern draußen an der frischen Luft?

Bernhard Hanke: Mein Arbeitsplatz ist an der frischen Luft. Ich bin im DGB Jugendcamp in Markelfingen für den Technischen Dienste zuständig. Da treffe ich im Schnitt jedes Jahr etwa 1000 bis 1500 Jugendliche zwischen 16 und 27. Wir haben den See direkt vor der Nase. Es gibt große Veranstaltungs- und Wohnzelte. Hauptsächlich geht es im Camp um Gewerkschaftspolitik. Wenn ich Zeit habe, bade ich auch mal im See.

See-Online: Stellen Sie sich vor, es ist Sonntag. Sie können nicht einkaufen. Was darf in Ihrem Kühlschrank an einem Sonntag auf gar keinen Fall fehlen?

Bernhard Hanke: Ich gehe sonntags aus Prinzip nicht einkaufen. Nicht fehlen darf ein Frühstück, Wurst und Käse.

See-Online: Wo haben Sie Ihre besten Ideen? Vielleicht unter der Dusche?

Bernhard Hanke: An verschiedenen Orten. Manchmal nachts, wenn ich aufwache, beim Arbeiten und in Gesprächen mit anderen Menschen, auch mit Leuten, mit denen ich parteipolitisch nichts zu tun habe und die nicht gewerkschaftlich orientiert sind.

See-Online: Wie wichtig sind Ihnen Freunde? Wir meinen nicht politische Freunde, sondern Menschen, die Ihnen wirklich nahe stehen.

Bernhard Hanke: Ich habe viele Freunde durch meine Gewerkschaftsarbeit und mein politisches Engagement gewonnen. Freundschaften haben sich fast ausschließlich auf dieser Ebene entwickelt. Freunde, mit denen ich mich auch über mich ganz persönlich unterhalten kann, sind mir sehr wichtig. Diese Freundschaften pflege ich sehr intensiv.

See-Online: Wie wichtig ist emotionale Intelligenz und die Fähigkeit zu Empathie? Oder sind Sie ein reiner Verstandsmensch, dem Emotionen nicht so wichtig sind?

Bernhard Hanke: Vor kurzem war ich bei einer Klausur zum Thema Teamentwicklung. Wir mussten spontan 80 Fragen beantworten. Raus gekommen ist, dass wir ein sehr gutes Team sind. Ich persönlich bin eher ein Macher. Es führt aber kein Weg daran vorbei, auf andere einzugehen, zuzuhören und offen für Ideen zu sein, um sie gemeinsam umzusetzen.

See-Online: Viele Menschen haben ein Lieblingszitat oder einen Lieblingsspruch wie „Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen…“ . Haben Sie auch so einen Satz?

Bernhard Hanke: Beeindruckt hat mich ein Satz des Gewerkschaftsführers Willi Bleicher. Er sagte: „Du sollst Dich nie vor einem lebenden Menschen bücken.“ Ich persönlich sage: „Nur gemeinsam sind wir stark.“

See-Online: Besitzen Sie ein Smartphone?

Bernhard Hanke: Nein. Ich habe nur ein Mobiltelefon, mit dem ich auch fotografieren kann.

See-Online: Lesen Sie Nachrichten lieber online oder in gedruckten Zeitungen?

Bernhard Hanke: Ich bin ein schlechter Online-Leser. Ich lese Seemoz, See-Online und Dornröschen. Mit tun da aber die Augen weh und mein Rücken verspannt sich. Deshalb lese ich lieber Papierzeitungen. Die Entwicklung wird aber in eine andere Richtung gehen.

See-Online: Nutzen Sie in Ihrer Freizeit Twitter oder Facebook oder finden Sie für sich persönlich soziale Netzwerke und Mikroblogging nicht ganz so wichtig?

Bernhard Hanke: Bis jetzt habe ich mich erfolgreich dagegen gewehrt. Im Laufe des Wahlkampfs ist der Druck aus meinem Team aber größer geworden. Das ist auch richtig so.

See-Online: Wissen Sie welche Rolle Facebook in Tunesien spielte, Stichwort „Revolution im Internet“?

Bernhard Hanke: In Tunesien und Ägypten spielen die Sozialen Netzwerke und Dienste eine große Rolle. Die Kommunikation läuft über Mobiltelefone, Facebook und Twitter. Davor müssen die Mächtigen dieser Welt Angst haben. Tunesien und Ägypten zeigen, wie Widerstand organisiert und erfolgreich sein kann.

See-Online: Auch im Fall von „Stuttgart 21“ spielte sich viel im Internet ab. Nachrichten verbreiten sich über Twitter fast in Echtzeit. Haben Sie im Internet schon einmal fluegel.tv geschaut?

Bernhard Hanke: fluegel.tv kenne ich nicht. Die Linke fordert eine Kennzeichnungspflicht von Polizeibeamten bei Demonstrationen und Kundgebungen. Mit Hilfe von Webcams könnten sie identifiziert werden und mit Bildern wäre nachvollziehbar, was bei einer Demonstration wirklich passiert ist.

See-Online: Apropos schauen: Gehen Sie lieber ins Kino oder schieben Sie eine DVD ein? Welchen Film sollten wir uns unbedingt einmal anschauen?

Bernhard Hanke: Meine Frau ist eine intensive Kinogängerin. Filme, die ich mir gern anschaue, laufen eher im Scala. Ich versuche in eine Vorstellung zu gehen, die um 17.30 Uhr oder 18 Uhr beginnt. Ich mag es nicht, wenn es voll ist, die Leute nebenher reden, rülpsen, rascheln und Popcorn essen. Ich gehe gern ins Theater – ich habe zuletzt Janis Joplin gesehen. Einen Film, den man sich anschauen sollte, wäre „We want Sex“. Der Film erzählt die Geschichte von Näherinnen bei Ford, die für gleichen Lohn für gleiche Arbeit streikten.

See-Online: Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, welchen Headliner, welche Band oder welchen internationalen Künstler, würden Sie gern einmal im Bodensee-Stadion live spielen hören?

Bernhard Hanke: Ich war einmal bei einem Konzert der Rolling Stones im Stadion in Mannheim. Ich höre eher Jazz oder mal Klassik. Ins Bodensee-Stadion würde ich nicht gehen.

See-Online: Jetzt doch noch zwei politische Fragen. Was halten Sie von Volksentscheiden?

Bernhard Hanke: Sehr viel. Es reicht nicht, die Bevölkerung periodenweise abstimmen zu lassen. Politiker dürfen nicht sagen, so jetzt habe ich mein Mandat und mache, was ich will. Wichtig ist, das Quorum zu senken und die Zeit für das Sammeln von Unterschriften zu verlängern.

See-Online: Was haben Sie aus den Ereignissen in Zusammenhang mit Stuttgart 21 gelernt?

Bernhard Hanke: Die Kommunkationspolitik war verfehlt. Sie haben es einfach durchgezogen. Das Gute an der Schlichtung von Heiner Geißler war es, dass alles öffentlich gemacht worden ist und die Bürger informiert worden sind. Der Vorwurf, dass die Leute zu spät auf die Straße gegangen sind, zählt nicht. Es gab vorher schon Unterschriftensammlungen.

See-Online: Letzte Frage: Warum sollten wir ausgerechnet Sie wählen?

Bernhard Hanke: Ich kandidiere für die Linke, damit sich etwas ändert im Lande. Nur, wenn die Linke den Einzug in den Landtag schafft, besteht die Chance, dass die CDU-Herrschaft nach 57 Jahren zu Ende geht. Baden-Württemberg ist eines der letzten Bundesländer, in denen die Linke noch nicht im Landtag sitzt. Das muss sich ändern.

Mehr über die Politik der Partei Die Linke gibt’s unter http://hanke.dielinke-in-den-landtag.de/

Das Gespräch mit Bernhard Hanke führte Waltraud Kässer an einem sonnigen Samstagmorgen im Februar im Konstanzer Stadtgarten mit Blick auf den Gondelehafen und die Imperia.

2 Kommentare to “Nachgefragt: Wer ist eigentlich Bernhard Hanke?”

  1. Lothar Herzog
    17. Februar 2011 at 10:01 #

    Getrennt marschieren. Gemeinsm zuschlagen:
    SPD im unheiligen Verbund mit der Linken ( Kommunisten ) und
    den Grünen. Diese drei wollen ein sozialistisches Paradies für uns
    erschaffen. Dafür sollten wir Ihnen dankbar sein.
    Ich nicht.
    Ich zitiere:
    Sieglinde Frieß, MDB, Bündnis Grüne. Verdi-Fachgebietsleiterin:
    Ich wollte, dass Frankreich bis zur Elbe reicht und Polen direkt
    an Frankreich grenzt.
    Und so jemanden wollen wir unser politisches Geschick anvertrauen?

  2. selber_denker
    17. Februar 2011 at 18:10 #

    Ohne klugscheissern zu wollen, aber inhaltlich lässt Herr Hanke doch einige Fragen offen.
    Zitat: „Außerdem würde ich mehr Bürgerbeteiligung einführen und die Quote bei Volksbefragungen nach unten setzen.“
    Zum einen ist wohl von QuoRen die Rede (wobei es auch hier unterschiedliche gibt), und außerdem meint er wohl eher Volksbegehren/entscheide – eine Volksbefragung ist politisch nicht bindend und eher mit den Pelbisziten vergleichbar, die viele Despoten benutzen um den schönen demokratischen Schein zu wahren…

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